4 Tipps für einen erzählenden Schreibstil 

Eine Möglichkeit, um die Fantasie des Lesers anzuregen und ihn auf diese Weise ins Geschehen einzubinden, besteht darin, die Geschichte nicht nur zu erzählen. Sondern dem Leser Inhalte zu zeigen. Wie das gelingen kann, verraten die folgenden 4 Tipps für einen erzählend-zeigenden Schreibstil.

Wenn ein Nachwuchsautor Ratgeber liest oder einen Schreibkurs besucht, wird er an einem Leitsatz nicht vorbeikommen. Dieser lautet „Show – don‘t tell“ und ist fast schon so etwas wie ein Gesetz der modernen Schreibschule. Der Autor soll dem Leser die Inhalte seiner Geschichte nicht einfach nur erzählen, sondern sie ihm zeigen.

Die Idee dahinter ist, dass der Leser so kein bloßer Beobachter mehr ist, der die Geschichte als Außenstehender mitverfolgt und alle Informationen auf dem Silbertablett präsentiert bekommt. Stattdessen nimmt der Autor den Leser auf die Reise mit und beteiligt ihn. Aber selbstverständlich hat jeder Autor seinen eigenen Stil.

Und es gibt Geschichten, bei denen der Leser in der Rolle des unbeteiligten Zuschauers besser aufgehoben ist. Insgesamt gewinnen viele Texte jedoch durch einen Schreibstil, der mehr zeigt als erzählt.

Und hier sind vier Tipps für einen solchen Schreibstil!:

 

Tipp 1: Konkret werden.

Eine interessante und fesselnde Geschichte lebt von den Details. Je genauer ein Gegenstand, eine Szene oder eine Person beschrieben wird, desto greifbarer wird das Bild für den Leser. Gleichzeitig verrät der Autor auf diese Weise gewisse Informationen, ohne sie tatsächlich auszusprechen. Trägt der Protagonist beispielsweise eine Hose, bleibt das Bild abstrakt. Denn bei der Hose kann es sich um jede beliebige Hose handeln.

Über den Protagonisten sagt seine Kleidung in diesem Fall nicht viel aus. Trägt der Protagonist aber die schwarze Stoffhose eines sündhaft teuren Labels, eine knallrote Hose mit einem großen, auffälligen Silberknopf oder eine schmutzige, ausgebeulte Jeans, bekommt er gleich eine ganz andere Persönlichkeit. Der Autor lässt seinen Protagonisten in einem bestimmten Licht erscheinen, ohne die Charakterzüge beim Namen zu nennen. Gleichzeitig wird der Leser aktiv in die Geschichte einbezogen, denn er kann sich sein eigenes Bild vom Protagonisten machen und über dessen Persönlichkeit und Absichten spekulieren.

Allerdings ist auch etwas Vorsicht geboten. Eine lange Aufzählung vieler kleiner Details kann schnell überladen wirken. Der Leser könnte mit den unzähligen Informationen überfordert oder davon gelangweilt sein. Die Folge ist, dass er nicht mehr versucht, sich den Protagonisten vorzustellen.

Zudem kann es sein, dass der Leser ein Detail überliest, das später aber vielleicht noch von großer Bedeutung sein wird. Der Autor sollte also konkret werden, die Details aber bewusst dosieren. In aller Regel genügt es völlig, wenn der Autor, ein, zwei charakteristische Details auswählt. Alles andere kann er der Fantasie des Lesers überlassen.

 

Tipp 2: Alle Sinne ansprechen.

Im Alltag werden viele Dinge zunächst mit den Augen wahrgenommen. Wer beispielsweise einen Klamottenladen betritt, scannt die Kleiderständer zuerst nach interessanten Kleidungsstücken ab. Erst wenn etwas ins Auge springt, das das Interesse weckt, nimmt die Person das Kleidungsstück in die Hand, um herauszufinden, wie sich der Stoff anfühlt.

Auch beim Schreiben neigen viele Autoren dazu, sich bei ihren Beschreibungen auf das Äußere, das Sichtbare zu beschränken. Dabei lässt sich der Leser viel besser abholen, wenn mehrere seiner Sinne angesprochen werden. Schreibt der Autor beispielsweise, dass sein Protagonist eine Tasse Kaffee trinkt, nimmt der Leser diese Information zur Kenntnis. Erzählt der Autor hingegen, dass dem Protagonisten ein herrlicher Kaffeeduft um die Nase weht, dass sich die große, schwere Kaffeetasse schrecklich heiß anfühlt oder dass sich der Milchschaum beim Umrühren mit einem sanften Knistern mit dem Kaffee verbindet, hilft er dem Leser dabei, sich in die Situation hinzuversetzen.

Auch hier ist aber wichtig, die richtige Balance zu finden. Um den Leser nicht zu verwirren oder zu überfordern, sollte sich der Autor auf einen, höchstens zwei Sinne pro Aussage beschränken. Es ist weder notwendig noch sinnvoll, in jeder Szene alle Sinne anzusprechen. Der Autor sollte nur nicht vergessen, dass der Leser eben mehr hat als nur seinen Sehsinn.

 

Tipp 3: Die Protagonisten zu Wort kommen lassen.

Durch den Alltag ist der Leser darauf trainiert, Informationen aus Gesprächen herauszuziehen. Der Autor tut deshalb gut daran, seine Protagonisten sprechen zu lassen. Statt beispielsweise zu erwähnen, dass sich sein Protagonist furchtbar erschreckte, kann er diese Informationen auch in einem Dialog vermitteln.

Durch ein Gespräch wie „Was ist denn mit dir los?“ „W-warum?“ „Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen!“ bekommt der Leser die gleiche Information. Aber ein Dialog ist lebendiger als eine reine Aussage und wirkt dadurch oft interessanter. Durch die Wortwahl erfährt der Leser außerdem nebenbei noch etwas über die Persönlichkeit des Protagonisten.

 

Tipp 4: Dem Leser Freiraum lassen.

Im wahren Leben käme wohl kaum jemand auf die Idee, sich ein Schild umzuhängen, auf dem wesentliche Charakterzüge und Eigenschaften stehen. In Geschichten und Büchern hingegen sind häufig kurze, zusammenfassende Hinweise und Aussagen zur Persönlichkeit des Protagonisten zu lesen.

Dabei kann der Autor dem Leser die Schlussfolgerung ruhig selbst überlassen. Zumal der Leser ohnehin dazu neigt, die äußere Handlung für sich zu interpretieren. Beschreibt der Autor beispielsweise, dass der Protagonist seiner Geschichte mal wieder vergessen hatte, den Wecker zu stellen, auf die Schnelle kein sauberes, geschweige denn gebügeltes Hemd finden konnte, beim Griff nach dem Schlüssel den riesigen Berg aus Zeitungen und Briefen auf der Ablage umschmiss, sich aber angesichts der ohnehin schon großen Verspätung die Zeit nahm, belegte Brötchen für seine Kollegen zu besorgen, wird der Leser den Protagonisten als liebenswerten Chaot einstufen.

Der Autor muss dies nicht noch einmal gesondert erwähnen. Die Geschichte wird für den Leser interessanter, wenn ihm der Autor den Raum lässt, sich ein eigenes Bild zu machen.

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