Der innere Monolog – Infos und Tipps

 

Eine Erzählung oder Geschichte würde vermutlich nicht nur schwerfällig und holprig, sondern irgendwie auch ziemlich eintönig und langweilig wirken, wenn die Figuren ständig mit Einleitungen wie er/sie sagte, erklärte, fragte oder antwortete zu Wort kommen würden.

Andererseits hat der Autor viele verschiedene Möglichkeiten, um seine Figuren sprechen und laut denken zu lassen. Eines dieser Mittel ist der innere Monolog.

Was es damit auf sich hat, erklären die folgenden Infos und Tipps:

 

Der innere Monolog – als Ausdruckmittel

Wie die Bezeichnung bereits nahelegt, ist der innere Monolog eine Art Selbstgespräch einer Figur. Konkret bringt ein innerer Monolog die Gedankengänge einer Figur zum Ausdruck. Der Autor lässt die Figur also laut denken, so dass der Leser nachvollziehen kann, was der Figur gerade durch den Kopf geht.

Im Unterschied zu einer direkten Rede bleibt der Erzähler der Geschichte bei einem inneren Monolog aber außen vor. Der Leser wird nicht durch eine entsprechende Einleitung wie beispielsweise er/sie dachte auf das Folgende hingewiesen. Stattdessen kann der Leser direkt und unmittelbar, mitunter auch recht überraschend Anteil an den Gedanken der Figuren nehmen.

 

Dazu ein Beispiel:

AussageEr ließ sich das Streitgespräch mit seiner Freundin noch einmal durch den Kopf gehen. „Manchmal ist sie wirklich anstrengend und kindisch. Ich hatte einfach vergessen, dass sie heute in die Stadt fahren wollte. Aber sie hätte ja einfach den Bus nehmen können“, dachte er für sich. „Außerdem hätte ich auch lieber pünktlich Feierabend gemacht.“
als innerer Monolog„Mein Gott, manchmal führt sie sich auf wie ein kleines Kind! Wegen jeder Kleinigkeit macht sie ein Riesentheater… Wenn sie unbedingt in die Stadt wollte, hätte sie doch einfach fahren können. Wofür gibt es denn Busse? Dass es im Büro länger gedauert hat, war doch nicht meine Schuld!“

 

 

 

 

 

 

 

Der innere Monolog – die Wirkung

Der innere Monolog ist ein Instrument, das es dem Autor ermöglicht, direkte Nähe zwischen einer Figur und dem Leser zu schaffen. Es gibt keinen Erzähler, sondern der Leser erhält einen unmittelbaren Einblick in die Gefühlswelt und die Gedankengänge der Figur. Gleichzeitig zeigt sich der Charakter der Figur nirgends ehrlicher, klarer und unverfälschter als bei einem inneren Monolog.

Der Leser erfährt, was die Figur bewegt, just in dem Moment, in dem dies stattfindet. Zudem erfolgt die Wiedergabe der Gedanken in der eigenen Sprache der Figur. Die Wirkung des inneren Monologs ergibt sich deshalb daraus, dass er wiedergibt, was die Figur in diesem Moment tatsächlich denkt.

Es geht nicht darum, wie sich die Figur verhält oder wie sie reagieren und was sie einer anderen Figur in einer solchen Situation vermutlich sagen würde. Durch den inneren Monolog lässt die Figur den Leser stattdessen an seinen echten und wahren Gedanken teilhaben. Aus diesem Grund muss der innere Monolog letztlich auch keine Regeln oder moralischen Grenzen einhalten.

Beschimpfungen, Beleidigungen, Tabubrüche und Aussagen, die nicht unbedingt gesellschaftstauglich sind, sind in einem inneren Monolog genauso erlaubt wie sehr persönliche Gefühle und intimste Gedanken. Gerade wenn der zeitliche oder gesellschaftliche Rahmen der Geschichte dem Autor wenig Spielraum lässt, sind innere Monologe eine ideale Möglichkeit, um sich über Schranken hinwegzusetzen und dem Leser die wahre Situation, in der die Figur steckt, vor Augen zu führen. 

 

Schärfer formuliert, könnte das obige Beispiel als innerer Monolog somit auch lauten:

Jedes Mal dasselbe Theater. Madame will in die Stadt. Super – soll sie doch den Bus nehmen. Ich mach Überstunden und die blöde Kuh meckert noch.

 

 

Der innere Monolog – der formale Aufbau

Der innere Monolog bringt das zum Ausdruck, was der Figur gerade durch den Kopf geht. Er ist aber kein Dialog, also kein Gespräch zwischen zwei Personen. Außerdem führt die Figur den Monolog im Inneren und damit in ihrer eigenen Gedanken-, Gemüts- und Gefühlswelt. Andere Figuren hören nicht, was die Figur sich selbst sagt.

Mitunter können sie zwar wahrnehmen, dass die Figur über etwas nachdenkt, sich ärgert, traurig ist oder sich freut. Die Inhalte als solches erfahren sie aber nicht.

 

Für den formalen Aufbau des inneren Dialogs bedeutet das, dass er

·         sich in der Gegenwart abspielt. Gedanklich kann die Figur natürlich zwischen den Zeiten wechseln und sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft blicken. Der Ausgangspunkt der Gedankengänge ist aber immer das Hier und Jetzt.

·         die Ich-Perspektive der Figur einnimmt. Durch den inneren Monolog vermittelt die Figur ihre eigene Gemütslage. Deshalb bildet die Ich-Form die Grundlage des inneren Monologs.

·         sprachlich eindeutig der Figur zugeordnet ist. Ein Mensch denkt üblicherweise in gängigen Satzmustern. Zudem benutzt er beim Denken dieselbe Sprache, die er auch beim Sprechen verwendet. Der innere Monolog greift den Sprachstil der Figur auf. Deshalb darf und soll er Dialekte, umgangssprachliche Ausdrücke, typische Redewendungen und sprachliche Besonderheiten der Figur aufgreifen. Zum einen kann der Leser so klar und eindeutig erkennen, wer den inneren Dialog führt. Zum anderen erfährt der Leser direkt und authentisch, was die Figur in diesem Augenblick tatsächlich denkt und fühlt.

komplett auf Einleitungen verzichtet. Der innere Monolog soll dem Leser einen Blick hinter die Fassade ermöglichen. Gleichzeitig soll der innere Monolog den Leser auf abwechslungsreiche und interessante Art direkt mit der aktuellen Situation konfrontieren. Im Gegensatz zur direkten und indirekten Rede fallen beim inneren Monolog Einleitungen und erklärende Hinweise deshalb weg.

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