Einige der besten Erzählungen der

Weltliteratur in der Übersicht

 

Das Schöne an Erzählungen ist, dass sie dem Autor allen Raum lassen. Erzählungen müssen nicht so verschachtelt und ausführlich über das große Ganze berichten wie ein Roman, sich aber auch nicht auf eine zentrale Begebenheit beschränken wie eine Kurzgeschichte. Erzählungen können nur wenige Seiten umfassen, sich genauso aber auch über mehrere hundert Seiten erstrecken. Sie erzählen eine meist fiktive Geschichte schlicht, anschaulich, in chronologischer Reihenfolge und immer nur aus einer Perspektive.

 

Zeitversetzte Rückblenden fließen direkt in die Handlung ein, beispielsweise in Form von Erinnerungen oder Briefen. Eine gelungene Erzählung kennzeichnet sich dadurch, dass dem Leser das Thema von Anfang an klar ist, er schon nach wenigen Zeilen die Hauptfigur kennt und sich bereits bei der ersten Handlung oder dem ersten Gespräch mitten im Geschehen befindet.

Die freie und legere Herangehensweise, die eine Erzählung ermöglicht, hat so manchen Schriftstellern zu echten Meisterwerken verholfen. Es gibt eine Reihe von Erzählungen, die unbestritten zum Kanon der Weltliteratur gehören.

 

Einige der besten Erzählungen der Weltliteratur stellt die folgende Übersicht vor:

 

Gustave Flaubert – Ein schlichtes Herz

Gustave Flaubert, aus dessen Feder meisterhafte Romane wie „Madame Bovary“ oder „Die Erziehung der Gefühle“ stammen, veröffentlichte kurz vor Ende seines Lebens den Erzählband „Trois Contes“. Dieser enthält unter anderem die anrührende Erzählung „Ein schlichtes Herz“, die die Geschichte der Dienstmagd Félicité erzählt.

Félicité ist eine einfache, ungebildete Frau, der das Leben übel mitspielt. Nachdem der Mann, den sie liebt, eine andere heiratet, wird sie Dienstmagd einer Witwe. Félicité kümmert sich liebevoll um die Kinder der Witwe, doch ein paar der Kinder streben, zu den anderen bricht der Kontakt ab.

Die Erzählung erstreckt sich über ein halbes Jahrhundert, doch egal was auch geschieht, Félicité lässt sich von ihrem Schicksal nicht unterkriegen. Ihre große Kraft liegt in Hingebung und Verzicht. Am Ende bleibt Félicité nur ihr geliebter Papagei, wobei dieser ausgestopft ist, denn auch er ist bereits gestorben.

Erst als Félicité selbst auf dem Sterbebett liegt, erfährt sie zum ersten Mal Gnade, als ein riesiger Papagei als Heiliger Geist über ihrem Bett erscheint. Anders als in seinen anderen Werken wählte Flaubert für diese Geschichte eine einfache und stärker von Wärme geprägte Erzählweise.     

 

Franz Kafka – Das Urteil

Der Prager Autor Franz Kafka soll die zwölf Seiten lange Erzählung „Das Urteil“ in nur einer Nacht geschrieben und dabei mit sich selbst überaus zufrieden gewesen sein. Für Kafka ist dies eher ungewöhnlich. Wenig ungewöhnlich hingegen ist die Konstellation in der Geschichte. „Das Urteil“ erzählt von Georg Bendermann, der von Beruf Kaufmann, in erster Linie aber Sohn ist.

Bendermanns Vater hat sich aus dem Familienunternehmen zurückgezogen, nachdem seine Frau gestorben war. Nun ist er so schwach, dass ihn Georg pflegt, ihn auszieht und ihn zu Bett bringt. Trotzdem ist der Vater derjenige, der die Macht hat und seinen Sohn kurzerhand zum Tod durch Ertrinken verurteilt.

Ohne Widerspruch begibt sich Georg auf die nächste Brücke, spricht die Worte „Liebe Eltern, ich habe euch doch immer geliebt“ und lässt sich ins Wasser fallen. Kafka lässt sich seiner Erzählung die äußere Wirklichkeit auf eine beeindruckende Art mit dem inneren Erleben verschmelzen. 

 

Thomas Mann – Der Tod in Venedig

In dieser Erzählung geht es um Gustav von Aschenbach, einen berühmten Schriftsteller Anfang 50. Aschenbach zieht es in die Ferne und zwar konkret nach Venedig. Der Leser ahnt recht schnell, dass Aschenbach nach Venedig reist, weil er dort sterben möchte.

Ein Grund hierfür ist seine unerfüllbare Liebe zu Tadzio. Tadzio ist ein 14jährige Knabe, dem Aschenbach am Lido begegnet, und der so schön, dass Aschenbach feststellen muss, dass es ihm trotz all seines Könnens als Künstler niemals gelingen wird, etwas zu erschaffen, was auch nur annähernd so schön ist. Als äußerer Einfluss kommt dann noch eine Choleraepidemie hinzu, vor der Aschenbach nicht flüchtet.

Mit „Tod in Venedig“ hat Thomas Mann eine stimmungsvolle Erzählung geschrieben, die den Leser geradezu einlädt, in wunderbarem, todessehnsüchtigem Schwermut zu schwelgen. Dabei lebt die Erzählung, wie häufig bei Thomas Mann, aber gerade davon, dass sie den Tod in den Fokus rückt.   

 

Alexander Puschkin – Pique-Dame

Der Stil des russischen Dichters ist modern, frech, spitz und gerne doppeldeutig. Seine große Stärke ist die Kürze, die dem Leser viel Raum für eigene Interpretationen lässt. Die Erzählung „Pique-Dame“ erzählt die Geschichte des deutschen Offiziers Herrmann.

Herrmann nimmt an einer Kartenrunde in Petersburg teil, bislang aber immer nur als Beobachter. Erst als er von Graf Tomskij eine sonderbare Geschichte erfährt, kommt Herrmann auf eine verhängnisvolle Idee. Der Graf erzählt, dass seine Großmutter von einem Magier gelernt habe, die Karten vorauszusagen. Daraufhin erschleicht sich Herrmann die Gunst von Lisa, der Gesellschafterin der Gräfin, um hinter das Geheimnis zu kommen.

Zunächst scheitert der Plan des Offiziers, denn als die Gräfin Herrmann überraschenderweise in ihren Gemächern antrifft, stirbt sie. Kurze Zeit später erscheint sie dem Offizier jedoch im Traum und nennt ihm die Reihenfolge der Karten. Herrmann macht sich sofort auf den Weg und gewinnt. Am Ende verliert er aber alles wieder, denn anstelle des vorausgesagten Asses kommt die Pique-Dame, die dem Offizier auch noch frech zuzublinzeln scheint.    

 

Rainer Maria Rilke – Geschichten vom lieben Gott

Für Rilke, einen der begnadetsten Dichter überhaupt, bilden der Verstand und das Gefühl keine gegensätzlichen Hindernisse. Daher wundert es auch nicht, wie unbefangen sich Rilke mit dem Thema Gott auseinandersetzt. Die Erzählung „Geschichten vom lieben Gott“ ist ein langes Gespräch zwischen dem Erzähler und einer Nachbarin, in deren Rolle jeder Leser schlüpfen könnte.

In dem Gespräch geht es, die Theologie außer Acht gelassen, um alte und neue Fragen zu dem Thema, das die Menschheit seit jeher bewegt. Die Erzählung beginnt mit der Schöpfung durch die Hände Gottes und umkreist im weiteren Verlauf all die großen Themen, angefangen bei Armut und Gerechtigkeit bis hin zum Tod.

Dabei verwendet Rilke eine Sprache, die auf sanfte Art Emotionen weckt und zum Nachdenken anregt, aber nie belehrt.

 

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