Infos und Tipps für gelungene Textanfänge 

In der heutigen Zeit ist die Menge an Informationen, die tagtäglich auf uns einprasseln, enorm. Dabei werden sehr viele Botschaften und Neuigkeiten in Form von bewegten Bildern vermittelt. So werden beispielsweise bei Nachrichtensendungen nicht nur Texte vorgelesen, sondern die Ereignisse mithilfe von kurzen Videos dargestellt.

Statt den Zuschauer nur mit trockenen Informationen zu versorgen, wird er mitgenommen und kann das Geschehen erleben, als wäre er live vor Ort dabei. Mit dieser Form der Informationsübermittlung ist der Zuschauer vertraut und er ist daran gewöhnt. Würde der Nachrichtensprecher plötzlich nur noch Meldungen vorlesen und gäbe es keine Filme dazu, wäre der Zuschauer irritiert. Vermutlich würde er umschalten und sich eine andere, interessantere Nachrichtensendung suchen. Nun gilt dies aber nicht nur für Film und Fernsehen.

An Geschriebenes stellt der Leser ganz ähnliche Ansprüche. Er möchte also nicht nur irgendwelche Erklärungen lesen. Stattdessen erwartet er, dass ihm der Autor möglichst viel Handlung zeigt. Möchte der Autor den Leser in seinen Text locken, braucht er folglich einen spannenden, lebendigen Einstieg. Aber wie kann dies gelingen?

 

Hier ein paar Infos und Tipps für gelungene Textanfänge:

 

Den Leser abholen und miterleben lassen

Der Leser möchte nicht nur mit Informationen versorgt werden. Stattdessen will er in die Geschichte eintauchen und sie miterleben. Er möchte die Handlung so vor seinem geistigen Auge sehen, wie er es von Filmen gewohnt ist. Ein erklärender Textanfang vermittelt dem Leser zwar alles, was er wissen muss, erzeugt aber keine lebendigen Bilder:

 

Das Auto fuhr viel zu schnell. Geblendet vom Sonnenlicht, verlor der Fahrer in einer Linkskurve die Kontrolle über den Wagen und prallte gegen einen Laternenmast.

 

Durch einen solchen Textanfang wird der Leser in die Geschichte eingeführt. Er erfährt, dass ein Auto mit überhöhter Geschwindigkeit eine Straße entlangfährt. Offensichtlich blendet die Sonne und diese Kombination aus Sonne und überhöhter Geschwindigkeit hat einen Unfall zur Folge. Wirklich spannend ist ein solcher Texteinstieg aber nicht. Er liest sich eher wie eine kurze Meldung oder Randnotiz.

 

Die Landschaft raste mit fast 200 Stundenkilometern an dem Auto vorbei. Die Sonnenstrahlen bohrten sich wie kleine Nadeln durch die Windschutzscheibe hindurch direkt in die Augen des Fahrers. Plötzlich schlug die Straße einen Haken nach links.

Der Fahrer versuchte noch zu reagieren, doch es war zu spät. Der Wagen tanzte wie ein Blatt im Wind auf der Fahrbahn umher, bis der rechte Vorderreifen das Gras berührte und das Auto von der Fahrbahn schoss. Einen kurzen Moment lang erhob sich ein gewaltiges, silbrig-graues Etwas vor dem Wagen. Schon im nächsten Augenblick gab es einen heftigen Knall und das Auto kam abrupt zum Stehen, den silbrig-grauen Laternenmast mit der Motorhaube fest umschlungen.  

 

Im Unterschied zum ersten Textanfang schildert der zweite Testeinstieg eine aktive, lebendige Handlung. Der Leser kann förmlich sehen, was passiert, denn er hat klare Bilder vor seinen Augen. Das Ziel des Autors sollte nicht sein, den Leser darüber zu informieren, dass es beispielsweise kalt ist und regnet. Er sollte den Leser vielmehr fühlen lassen, wie die regennasse Kleidung auf der Haut ein Frösteln hervorruft.

 

Fragen aufwerfen und Spannung erzeugen

Nun ist es zwar hilfreich, wenn der Autor weiß, dass sich der Leser einen spannenden Einstieg wünscht, der ihn nicht nur informiert, sondern ihn vor allem in die Geschichte zieht. Der Leser möchte die Geschichte beobachten und sie so erleben, als wäre er hautnah dabei. Diese Erkenntnis gilt es aber auch noch umzusetzen. Dabei wiederum braucht es nicht zwingend eine detailreich beschriebene Szene. Auch ein einziger Satz kann völlig ausreichen:

 

Als Simon Davids um 11.52 Uhr den Autoschlüssel ins Zündschloss steckte, spürte er, dass dies seine letzte Fahrt werden würde.

 

Dieser Satz enthält alles, was einen guten Textanfang ausmacht: Der Leser erfährt, um was es geht, und hat gleichzeitig ein konkretes Bild vor Augen. Zusätzlich dazu macht der Satz aber auch neugierig, denn er wirft jede Menge Fragen auf. Wer ist dieser Simon Davids? Warum fährt er kurz vor Mittag los? Wohin will er? Warum hat er das Gefühl, dass dies seine letzte Fahrt sein wird? Was wird geschehen – ein Unfall, ein Mord, ein Selbstmord? Und warum fährt er überhaupt los, wenn er befürchtet, dass er die Fahrt nicht überleben wird?

Ein gelungener Textanfang kennzeichnet sich also dadurch, dass er das Gefühl beim Leser weckt, mehr wissen zu wollen. Für den Leser müssen sich Fragen stellen, die er beantwortet haben möchte. Ob es um Rätsel, Überraschungen, Gefahren, Konflikte, Geheimnisse, Vorahnungen oder Beziehungen zwischen Personen geht, spielt letztlich keine Rolle. Entscheidend ist nur, dass der Leser neugierig wird und wissen möchte, was als nächstes geschieht, welche Wendungen die Geschichte nimmt und wie sie am Ende ausgeht.

Dabei kann der Autor die Geschehnisse schildern, aber auch mit einem Dialog einsteigen. Ein Dialog lässt die Szene noch lebendiger erscheinen. Wichtig ist aber, dass von Anfang an Spannung erzeugt wird. Der Leser wird sich nicht ködern lassen, wenn der Text mit einer langatmigen Einleitung beginnt und sich der erste wirklich interessante Satz erst irgendwo auf der zweiten oder dritten Seite findet.

 

5 Tipps für gelungene Textanfänge

Ingesamt lassen sich die besten Tipps für einen gelungenen Textanfang also wie folgt zusammenfassen:

Roman;”>1.       Der Autor sollte seinen Text mit einer Szene eröffnen, die Bilder vor dem geistigen Auge des Lesers hervorruft.

2.       Der Einstieg in den Text sollte Fragen beim Leser aufwerfen und den Wunsch wecken, mehr zu erfahren.

3.       In der Eröffnungsszene sollte mindestens eine Person auftauchen. Personen und deren Schicksale rufen am stärksten Emotionen und Neugier hervor.

4.       Der Autor sollte im Aktiv schreiben. Passivformulierungen machen es schwer, eine unmittelbare Handlung aufkommen zu lassen, die der Leser miterleben kann.

Der Autor sollte nicht nur erklären, sondern beim Beschreiben möglichst alle Sinne des Lesers ansprechen. Der Autor sollte also auch Geräusche, Gerüche, Geschmäcker und Empfindungen schildern. Der Leser erlebt die Geschichte intensiver, wenn er nicht nur erfährt, dass das Telefon klingelt, sondern regelrecht spürt, wie das Klingeln die Stille durchbricht.

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