Interessantes zum Binnen-I

 

Die Zeiten, in denen Frauen ausschließlich für Haushalt und Kindererziehung zuständig waren, während der Mann als unumstrittenes Familienoberhaupt und Herr im Hause das alleinige Sagen hatte, sind längst vorbei.

Für die heutige Generation ist es völlig normal, dass Frauen einen Beruf erlernen, Karriere machen, Autofahren, sich nach ihrem Geschmack und auch mal freizügiger kleiden oder abends alleine ausgehen. In dieser Hinsicht waren die Bemühungen um die Gleichberechtigung erfolgreich.

Die Gleichstellung von Mann und Frau in der deutschen Sprache, vor allem in der geschriebenen Form, scheint da schon etwas schwieriger zu sein. Ein Versuch, um das Problem zu lösen, war das Binnen-I. Aber was ist das genau und wie kam es dazu?

 

Hier Interessantes zum Binnen-I -
und warum es sich am Ende doch nie wirklich durchsetzen konnte:

 

Die Entstehung des Binnen-I

Um der Gleichstellung Rechnung zu tragen, ist es heutzutage üblich, beide Geschlechter anzusprechen. So möchten Politiker Wählerinnen und Wähler überzeugen, bei der Einschulung begrüßt der Schulleiter die neuen Schülerinnen und Schüler und ein Unternehmen möchte mit seiner Stellenanzeige Bewerberinnen und Bewerber ansprechen.

Konsequent und auch in der geschriebenen Sprache angewendet, können solche geschlechterspezifischen Formulierungen jedoch mitunter recht umständlich wirken. Auf der Suche nach einer Lösung kam Anfang der 1980er-Jahre dann die Idee auf, einfach eine Binnenmajuskel zu verwenden.

Bei einer Binnenmajuskel handelt es sich um einen Großbuchstaben, der innerhalb eines Wortes steht. Üblich sind Binnenmajuskeln in erster Linie bei Markennamen und Produktbezeichnungen, in der Werbung und bei Programmiersprachen. Mit Blick auf die sprachliche Gleichstellung von Männern und Frauen kam nur das große I als Binnenmajuskel in Frage.

Aus den Wählerinnen und Wählern, den Schülerinnen und Schülern sowie den Bewerberinnen und Bewerbern wurden somit kurzerhand WählerInnen, SchülerInnen und BewerberInnen.

 

Die Rechtschreibregeln als Hürde für das Binnen-I

Die erste Hürde, mit der sich das Binnen-I schon bald konfrontiert sah, waren allerdings die Regeln der deutschen Rechtschreibung. So heißt eine wesentliche Vorschrift, dass Großbuchstaben ausschließlich am Anfang eines Wortes oder eines Satzes Verwendung finden.

Aus Sicht der offiziellen Rechtschreibregeln ist somit die Schreibweise von BürgerInnen oder ArbeitnehmerInnen schlichtweg falsch. Nun wäre es zwar möglich gewesen, eine entsprechende Ausnahmeregelung in den Vorschriftenkatalog aufzunehmen. Dies erfolgte jedoch nicht. Stattdessen empfehlen die Rechtschreibregeln eine Schreibweise mit Klammern, so dass es korrekt Bürger(innen) und Arbeitnehmer(innen) heißt.

 

Die praktischen Schwierigkeiten bei der Verwendung des Binnen-I

Bei der Verwendung des Binnen-I stellte sich nicht nur die Rechtschreibung als Hürde heraus.

 

Stattdessen zeigten sich in der Praxis noch ganz andere Schwierigkeiten:

 

·         Liest jemand einen Text, in dem das Binnen-I verwendet wurde, sieht er, dass beide Geschlechter angesprochen werden sollen. Liest er diesen Text jedoch nicht selbst, sondern wird ihm der Text vorgelesen, erweckt das Gehörte den Anschein, dass sich die Aussagen nur Frauen beziehen. Ähnliche Missverständnisse treten auf, wenn ein Text nur in Großbuchstaben gedruckt ist. 

 

·         In der deutschen Sprache gibt es zahlreiche Wörter, bei denen das grammatikalische Geschlecht nichts darüber aussagt, welches natürliche Geschlecht die benannte Person hat. So heißt es zwar beispielsweise der Teenager, aber dieser Teenager kann sowohl männlich als auch weiblich sein.

Ähnlich ist es beim Vormund, der ebenfalls sowohl eine Frau als auch ein Mann sein kann. Trotzdem käme vermutlich kaum jemand auf die Idee, fortan über TeenagerInnen und VormundInnen zu berichten. Zudem gibt es Formulierungen, die bereits ausdrücken, welches Geschlecht gemeint ist. Ein Beispiel für eine solche Formulierung ist der Satz „Die Frauen waren seinerzeit die wahren Helden“. Hier von HeldInnen zu sprechen, würde unlogisch und seltsam klingen.

 

·         Bei bestimmten Wortzusammensetzungen, die aus rein männlichen Wörtern bestehen, würde das Binnen-I zu absurden Ergebnissen führen. Steht in einer Stadt beispielsweise die Wahl des neuen Bürgermeisters an und sollen die Kandidaten angesprochen werden, reicht es aus, sich an die Bürgermeisterkandidaten zu wenden. Bei einer konsequenten Anwendung des Binnen-I müsste sich die Ansprache hingegen an die BügerInnenmeisterInnenkandidatInnen richten.

 

Hinzu kommt, dass das Binnen-I von Anfang an nicht bei allen Wörtern verwendet wurde. So wurden Begriffe, die negativ besetzt sind, ausgeklammert. Statt also beispielsweise von FaschistInnen, SteuersünderInnen, BankräuberInnen oder allgemein VerbrecherInnen zu sprechen, wurden die Formulierungen Faschisten, Steuersünder, Bankräuber und Verbrecher beibehalten. Dies steht jedoch im Gegensatz zu dem, was durch das Binnen-I eigentlich erreicht werden sollte.

Statt nämlich eine sprachliche Gleichstellung zu erzielen, wurden Männer benachteiligt, indem der Eindruck erweckt wurde, ein schlechtes oder gar rechtswidriges Verhalten sei Männern vorbehalten. Konsequenterweise hätte das Binnen-I also in allen Bereichen angewendet werden müssen und nicht nur dort, wo keine negativen Assoziationen entstehen. Vielleicht ist dies einer der Gründe dafür, warum sich das Binnen-I nie so richtig durchsetzen konnte.

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