Interpretation einer Textstelle 

Die Interpretation einer Textstelle gehört zu den Klassikern im Deutschunterricht. Doch viele Schüler tun sich recht schwer mit der Textinterpretation. Dabei ist diese Variante des Aufsatzes gar nicht so schwierig – wenn das Prinzip dahinter einmal verstanden und verinnerlicht wurde.

 

Der Aufbau einer Interpretation

Bei der Interpretation einer Textstelle handelt es sich um einen Aufsatz. Und wie fast jeder Aufsatz gliedert sich auch die Interpretation einer Textstelle in drei Teile, nämlich in die Einleitung, den Hauptteil und den Schlussteil. Der Hauptteil ist natürlich der längste und ausführlichste Teil des Aufsatzes. Er ist deshalb in sich noch einmal in einzelne Abschnitte unterteilt. Schematisch sieht der Aufbau einer Textstelleninterpretation so aus:

[Interpretation Textstelle]

Interpretation Textstelle (1)

 

Die Abschnitte einer Textstelleninterpretation im Einzelnen

Als Aufsatz gliedert sich eine Textstelleninterpretation in drei Teile.

 

1. Die Einleitung

Die Einleitung macht den Anfang. Sie liefert in kurzer und knapper Form die wichtigsten Informationen über die Textstelle. Dabei gibt sie wieder, wer der Autor der Textstelle ist, woher die Textstelle stammt und wann die Textstelle erschienen ist. Außerdem fasst die Einleitung das Hauptgeschehen oder die Kernaussage der Textstelle zusammen. Die Aufgabe der Einleitung besteht somit darin, den Leser mit den wesentlichen Fakten zu versorgen und zum Thema der Interpretation hinzuführen. Was die Länge angeht, so sollte die Einleitung ein bis zwei, höchstens drei Sätze umfassen.

Manchmal wird verlangt, eine Interpretationshypothese aufzustellen. Sie bildet dann die Grundlage der Interpretation. In der Hypothese kann der Verfasser schildern, wie er die Textstelle verstanden und wie sie auf ihn gewirkt hat. Oder der Verfasser kann kurz erklären, was der Autor mit dieser Textstelle vermutlich ausdrücken wollte und welche Absichten er verfolgt hat. Mit seiner Hypothese skizziert der Verfasser außerdem, in welche Richtung seine Interpretation gehen wird und welches Ziel sie verfolgt. Der Lehrer sagt in aller Regel, ob eine Interpretationshypothese verlangt wird oder ob nicht. Ist keine Hypothese gefordert, kann der Verfasser sie auch weglassen.

 

2. Der Hauptteil

Der Hauptteil kümmert sich um die inhaltlichen, die formalen, die biografischen und die historischen Aspekte der Textstelle. Dabei beschreibt, erklärt und deutet der Verfasser die verschiedenen Merkmale.

Den Anfang des Hauptteils macht die Inhaltsangabe. Hier fasst der Verfasser den Inhalt der Textstelle kurz zusammen. Am besten geht er dabei chronologisch vor, folgt also dem Handlungsablauf, und beantwortet dabei die fünf W-Fragen Wer, Was, Wann, Wo und Warum. Bei der Inhaltsangabe ist wichtig, dass sich der Verfasser auf das Wesentliche beschränkt. Er sollte also den Handlungsablauf, die wichtigsten Geschehnisse, die Hauptfiguren und ihre Beziehungen zueinander beschreiben. Auch markante Begriffe, die die Textstelle entscheidend prägen, kann er erwähnen. Details gehören aber nicht in die Inhaltsangabe. Verfasst wird die Inhaltsangabe immer im Präsens (Gegenwartsform). Und der Verfasser sollte nicht zitieren, sondern den Inhalt in seinen eigenen Worten beschreiben.

An die Inhaltsangabe schließt sich die eigentliche Interpretation an. Sie setzt sich aus der Analyse und der Deutung zusammen.

·         Bei der Analyse steht die äußere Form im Vordergrund. Die Analyse beschäftigt sich also mit den formalen Aspekten. Hierzu gehört alles, was die Form und den Aufbau der Textstelle ausmacht. Die Sinnabschnitte, die Struktur, der Satzbau, die Erzählperspektive, die Zeitformen, die Beschreibungen der Figuren, die verwendeten Metaphern, markante Schlüsselwörter und ähnliche Merkmale werden im Zuge der formalen Analyse untersucht.

·         Bei der Deutung liegt der Fokus auf der inneren Form. Im Prinzip versucht der Verfasser hier, zwischen den Zeilen zu lesen. Dazu greift der Verfasser eine Aussage oder ein Merkmal auf und erläutert die Bedeutung, die Wirkung und den Grund für diese Wirkung. Wichtig dabei ist aber, dass der Verfasser nicht einfach nur beschreibt. Entscheidend ist, dass er tatsächlich interpretiert, also deutet und auslegt.

Die formale Textanalyse und die inhaltliche Textinterpretation müssen und sollten aber nicht streng voneinander getrennt werden. Oft hängen sie zusammen und gehen fließend ineinander über. Überhaupt ist wichtig, gute Übergänge zu schaffen. Denn die Interpretation soll keine Aneinanderreihung von einzelnen Aspekten, sondern ein in sich geschlossener Aufsatz sein.

Um die Interpretation abzurunden, kann der Verfasser noch eine biographische und eine historische Einordnung vornehmen. Mit Blick auf die biographischen Aspekte kann er eine Verbindung zur Lebensgeschichte des Autors schaffen oder diese Textstelle mit anderen Texten des Autors oder anderer Autoren vergleichen. Die historischen Aspekte kann der Verfasser aufarbeiten, indem er die Handlung und den Ort der Textstelle sowie den Entstehungszeitpunkt der Textstelle geschichtlich einordnet.

Beim Schreiben des Hauptteils sind zwei Dinge sehr wichtig:

Roman;”>1.       Der Verfasser sollte immer vom Großen ins Kleine vorgehen. Er sollte also mit einem offensichtlichen, allgemeinen Aspekt beginnen und erst dann zu den Details wechseln.

2.       Jedes Merkmal, das der Verfasser analysiert und interpretiert, muss er mit einer passenden Textstelle belegen. Belegen meint, dass er die Textstelle zitiert und angibt, wo diese Stelle im Text zu finden ist.

Und: Hat der Verfasser zu Beginn eine Hypothese aufgestellt, muss sich seine Interpretation darauf beziehen.

 

3. Der Schlussteil

Im Schlussteil wird die Textstelle noch einmal zusammenfassend bewertet und ein Fazit gezogen. Dabei kann der Schluss beispielsweise folgende Fragen beantworten:

  • ·         Was ist das wichtigste Ergebnis der Interpretation?
  • ·         Welches ist die Erkenntnis mit der größten Bedeutung?
  • ·         Hat die Textstelle alle aufgeworfenen Fragen beantwortet?
  • ·         Hat die Interpretation die anfängliche Hypothese (sofern aufgestellt) bestätigt oder widerlegt?

Ein schöner Abschluss ist außerdem, wenn der Verfasser seine eigene Meinung zum Text wiedergibt. Ein kurzes Statement dazu, wie ihm die Textstelle gefallen hat, was ihn überrascht hat, was er weniger gut fand oder welche Erkenntnis er für sich daraus zieht, reicht dabei aus. Allerdings sollte der Verfasser im Vorfeld mit dem Lehrer abklären, ob die persönliche Meinung genannt werden darf.

 

Das grundlegende Schema beim Interpretieren

Beim Interpretieren gibt es ein ganz wichtiges Grundprinzip. Es besteht aus drei Schritten und geht so:

1.       Markante Textstelle heraussuchen und mit Stellenangabe im Text zitieren (z.B. Seite 3, Zeile 5).

2.       Textstelle formal analysieren, also das stilistische Mittel benennen.

3.       Textstelle interpretieren, also die Bedeutung und die Wirkung beschreiben.

Wenn der Verfasser dieses Grundprinzip verinnerlicht hat und durchgehend anwendet, kann bei der Interpretation nicht mehr viel schiefgehen.

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