Warum ein Autor seine Arbeit von mindestens

3 Kritikern beurteilen lassen sollte

 

Die Arbeit eines Autors besteht nicht nur darin, Ideen zu sammeln und diese in ansprechenden Texten zu verarbeiten. Nach dem eigentlichen Schreiben folgt ein weiterer sehr wichtiger Schritt, nämlich das Überarbeiten.

Die Hauptperson in dieser Arbeitsphase ist zu nächst einmal der Autor selbst, der seine Texte immer wieder durchgeht und, sofern notwendig, hier und da kleinere und größere Veränderungen vornimmt.

 

In diesem Zusammenhang wird übrigens häufig geraten, die Texte mit etwas zeitlichem Abstand zu überarbeiten, denn mit größerer Distanz wird es einfacher, Fehler und Unstimmigkeiten zu entdecken.

In der Überarbeitungsphase schlüpft der Autor somit selbst in die Rolle eines Kritikers und versucht, den vorliegenden Text möglichst objektiv zu bewerten. Gerade diese Selbstkritik fällt vielen Autoren aber nicht sehr leicht.

So neigen die einen dazu, viel zu selbstkritisch mit sich und ihrer Arbeit umzugehen, was häufig dazu führt, dass sie nie hundertprozentig zufrieden sind. Andere hingegen sind so sehr von sich, ihrer Arbeit und ihrem Stil überzeugt, dass sie selbst kaum Ansatzpunkte für mögliche Verbesserungen ausmachen können und wollen. Bevor der Autor seine Texte und Geschichten, sein Buch oder seine wissenschaftliche Abhandlung veröffentlicht, sollte er seine Arbeit daher immer von Außenstehenden beurteilen lassen und im Idealfall sollte er dafür auf drei Kritiker zurückgreifen.  

 

Dieses Potenzial steckt in Kritik

Kritik ist zunächst einmal nichts anderes als eine Beurteilung oder Bewertung. Dabei kann Kritik sowohl positiv als auch negativ ausfallen und Lob oder Anerkennung sind genauso eine Form von Kritik wie das Aufzeigen und Benennen von Aspekten, die aus Sicht des Kritikers weniger gut gelungen sind. Nun ist es natürlich nicht immer leicht, sich der Kritik von anderen zu stellen und ihre Beurteilungen anzunehmen, aber konstruktive Kritik bietet die Chance, sich zu verbessern und weiterzuentwickeln.

Gerechtfertigte Kritik kann auf Schwachstellen und Fehler hinweisen, die dem Autor selbst vielleicht nicht aufgefallen sind, und gleichzeitig Verbesserungsansätze aufzeigen. Ob und in welchem Umfang der Autor bereit ist, die Kritik anzunehmen, hängt jedoch sehr davon ab, wie die Kritik geäußert wird.

Abwertende oder gar verletzende Kritik wird dem Autor weder weiterhelfen noch wird er bereit sein, sie zu akzeptieren. Für den Autor ist vielmehr wichtig, Kritiker zu finden, die seine Arbeit fair beurteilen. 

 

Darum sollte ein Autor seine Arbeit von mindestens 3 Kritikern beurteilen lassen

Neben seiner eigenen Rolle als Kritiker sollte der Autor versuchen, seine Arbeit von mindestens drei weiteren Kritikern beurteilen zu lassen, die seine Arbeit ehrlich und fair bewerten.

 

Dabei sollte es sich um folgende Kritiker handeln:

  1. Der Realist. Er ist ein Kopfmensch, der sich an klare Fakten hält und eine analytische Betrachtungsweise bei seiner Beurteilung einnimmt. Er lässt sich weniger von Gefühlen leiten, sondern wertet vielmehr nüchtern und objektiv die Informationen aus, die der Autor in seiner Arbeit vermittelt.
  2. Der Emotionale. Als Gefühlsmensch entscheidet er vor allem aus dem Bauch heraus. Bei seiner Beurteilung steht im Vordergrund, ob und in welcher Form ihn die Arbeit angesprochen und was er beim Lesen empfunden hat.
  3. Der Fachmann. Er ist jemand, der weiß, wovon er spricht. Beim Fachmann kann es sich um einen anderen Autor handeln, der die Situation kennt und selbst schon erlebt hat. Der Fachmann kann aber auch ein Experte auf dem Gebiet sein, um das es in der Arbeit geht. Seine Kritik ist in erster Linie praxisorientiert und basiert auf Erfahrungswerten und Fachwissen.

 

Jeder dieser drei Kritiker betrachtet die Arbeit aus einem anderen Blickwinkel und kann dem Autor damit unterschiedliche Perspektiven aufzeigen. Der Realist wird sicher andere Kritikpunkte äußern als der Emotionale, während der Fachmann noch einmal neue Punkte einbringen kann.

Übrigens ist es oft hilfreich, auf Kritiker zurückzugreifen, die nicht aus dem direkten Umfeld stammen und zu denen der Autor ein enges oder besonderes Verhältnis hat. Es ist nämlich meist deutlich einfacher, Kritik von Außenstehenden, zu denen ein eher distanziertes Verhältnis besteht, annehmen. Deren Kritik lässt sich nämlich leichter als objektive Kritik einordnen, während bei Kritik von Nahestehenden die Gefahr größer ist, dass sie zu persönlich genommen oder als verletzend empfunden wird.

 

So sollte der Autor mit der Kritik umgehen

Kritik hat in erster Linie die Aufgabe, neue Perspektiven und gleichzeitig Verbesserungspotenzial aufzuzeigen. Bei fairer Kritik geht es nicht darum, eine Arbeit auseinanderzunehmen und ausschließlich nach Fehlern und Schwachstellen zu suchen. Konstruktive Kritik weist vielmehr auf Schwachstellen hin, benennt gleichzeitig aber auch die positiven Seiten.

Zudem muss der Autor keineswegs mit allen Kritikpunkten einverstanden sein, denn schließlich äußert ein Kritiker lediglich seine Meinung und nirgends steht geschrieben, dass der Kritiker und der Autor einer Meinung sein müssen. Um Kritik jedoch als Werkzeug nutzen zu können, sollte der Autor seine Kritiker zunächst bewusst um ihre ehrliche Meinung bitten, indem er sie konkret befragt, was aus ihrer Sicht gut gelungen und was weshalb weniger gut gelungen ist.

Ein fairer Kritiker wird eine Arbeit nicht nur beurteilen, sondern seine Einschätzungen auch begründen. Diese Begründungen sind deshalb sehr wichtig, weil sie die eigentlichen Ansatzpunkte für eine Verbesserung und eine Weiterentwicklung sind. Dies gilt dann übrigens für negative genauso wie für positive Kritik.

Für den Autor gliedert sich der Umgang mit Kritik in zwei Schritte. Im ersten Schritt geht es darum, richtig zuzuhören. Das bedeutet, er sollte sich damit auseinandersetzen, was die Kritiker ihm konkret mitteilen, also welche Kritikpunkte sie benennen, welche Verbesserungsvorschläge sie unterbreiten und welche Pluspunkte ihnen aufgefallen sind.

Viele neigen nämlich dazu, vor allem negative Punkte wahrzunehmen und Positives zu überhören. Der zweite Schritt besteht dann darin, über die Kritik zu sprechen und zu diskutieren. Ein möglicher Ansatzpunkt für produktive Diskussionen ergibt sich beispielsweise dadurch, dass Kritiker eine Arbeit recht häufig mit anderen Arbeiten des Autors oder anderer Autoren vergleichen.

 

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