Leitfaden:

einen Roman in Kapitel einteilen

 

Die Geschichte, die ein Roman erzählt, ist meist von einem zentralen Konflikt geprägt und dieser Konflikt bildet gleichzeitig die Basis für den Spannungsbogen. So zeigt der Anfangsteil die Grundzüge des Konflikts auf und stellt die Protagonisten vor. Der Mittelteil beschreibt, wie sich der Konflikt entwickelt, während der Schlussteil den Konflikt in einer beliebigen Form auflöst.

Dieses Grundgerüst wird durch die einzelnen Szenen in kleinere Einheiten aufgeteilt, die jeweils für sich kurze Geschichten erzählen und zusammengenommen die Gesamtgeschichte ergeben. Im Grunde genommen ist es deshalb nicht notwendig, einen Roman in Kapitel einzuteilen, denn die Geschichte wird bereits durch den Anfangs-, den Mittel- und den Schlussteil strukturiert und durch die Szenen automatisch gegliedert.

Für das Verständnis der Geschichte spielt es somit letztlich keine Rolle, ob Überschriften oder Zahlen als zusätzliche Gliederung auftauchen. Trotzdem erwartet ein Leser üblicherweise, dass ein Roman in Kapitel eingeteilt ist. Aber wie kann und sollte der Autor dabei vorgehen?

 

Hier dazu ein Leitfaden:

 

Einen Roman in Kapitel einteilen

- die Möglichkeiten

Auch wenn die Einteilung in Kapitel für die Geschichte selbst unerheblich ist, dient sie dem Leser als eine Art Hilfsmittel. Die einzelnen Kapitel geben dem Text eine äußere Struktur, an der sich der Leser orientieren kann und die es ihm einfacher macht, auch einmal eine Lesepause einzulegen.

Bildlich gesprochen lässt sich ein Roman mit den Akten und Unterlagen im heimischen Arbeitszimmer vergleichen. Ob die Schreiben und Dokumente durcheinander in einer Schublade oder gar in einem Karton liegen oder ob sie säuberlich sortiert und ordentlich abgeheftet aufbewahrt werden, ändert weder etwas an den Inhalten noch an der Menge.

Die Aktenordner machen es aber wesentlich einfacher, sich zu orientieren, als die Schublade oder der Karton. Bei einem Roman ist dies genauso. Ist keine Einteilung in Kapitel vorhanden, bleibt der Text zwar der Gleiche, durch die Kapitel findet sich der Leser aber besser zurecht.

Um seinen Roman in Kapitel einzuteilen, hat der Autor viele verschiedene Möglichkeiten.

 

Die am häufigsten gewählten Varianten sind dabei folgende:

 

·         Plotbasierte Kapitel.

Oft lässt es die Geschichte selbst zu, sie in Sinneinheiten oder eine Art Episoden einzuteilen. Bei einem Krimi beispielsweise könnte das erste Kapitel den Tatort beschreiben, das zweite Kapitel über die Kontaktaufnahme zu den Angehörigen des Opfers und erste Befragungen berichten, das dritte Kapitel weitere Informationen und Verdachtsmomente sortieren und auswerten, das vierte Kapitel über das Verfolgen einer ersten heißen Spur erzählen und so weiter.

Dabei sollte der Autor versuchen, die Sinneinheiten so zu bilden, dass er den wesentlichen Inhalt des Kapitels in einer Überschrift zusammenfassen kann. Ob das Kapitel später tatsächlich eine Überschrift bekommt, spielt keine Rolle. Durch diese Vorgehensweise ist aber sichergestellt, dass der Leser die Kapiteleinteilung nachvollziehen kann.

 

·         Kapitel nach Handlungssträngen.

Erzählt die Geschichte zwei oder mehr Handlungsstränge, bieten sich die Wechsel zwischen den Strängen für die Kapiteleinteilung an. Für den Leser wird die Geschichte dadurch übersichtlicher und dem Autor macht es eine solche Gliederung recht einfach.

Allerdings setzt eine Einteilung anhand von Handlungssträngen voraus, dass die einzelnen Stränge jeweils so lang erzählt werden, dass sie ein Kapitel füllen.

 

·         Ortsbasierte Kapitel.

Ähnlich wie bei einer Einteilung nach Handlungssträngen können auch verschiedene Orte die Basis für die Kapiteleinteilung bilden, wenn die Geschichte an verschiedenen Orten spielt.

 

·         Zeitbasierte Kapitel.

Erstreckt sich die Geschichte über einen längeren Zeitraum, enthält sie Zeitsprünge oder spielt die Zeit beispielsweise in Form eines Ultimatums eine zentrale Rolle, kann der Zeitfaktor die Grundlage für die Einteilung in Kapitel sein.

 

Einen Roman in Kapitel einteilen

- die Anzahl und die Länge

Es gibt keine pauschal und allgemeingültige Regel, die besagt, wie lang oder kurz Kapitel sein müssen und in wie viele Kapitel ein Roman eingeteilt werden muss. Der Autor muss selbst entscheiden, welche Einteilung für seine Geschichte am sinnvollsten erscheint.

Generell gilt es aber, ein gesundes Mittelmaß zu finden, denn während zu lange Kapitel zulasten der Struktur und Übersichtlichkeit gehen, unterbrechen zu kurze Kapitel zu oft den Lesefluss.

In der Praxis zeigt sich, dass einige Autoren dazu neigen, zu kurze Kapitel zu schreiben, weil sie aus jeder Szene oder jeder Episode ein eigenes Kapitel bilden. Hilfreich kann es deshalb sein, die Kapiteleinteilung erst dann vorzunehmen, wenn der gesamte Text fertig ist. So kann der Autor nämlich ermitteln, wann eine Sinneinheit abgeschlossen ist und wann er sich selbst als Leser eine kurze Pause wünschen würde.

 

Einen Roman in Kapitel einteilen

- die Überschriften

Ähnlich wie die Länge und die Anzahl bleibt auch die Wahl der Kapitelüberschriften eine Frage des Geschmacks. Es gibt Leser, die es zu schätzen wissen, wenn sie durch Überschriften eine Art Orientierungshilfe erhalten und auf den folgenden Inhalt eingestimmt werden.

Andere Leser empfinden Überschriften als eher störend, weil diese durch die Zusammenfassung des Kapitelinhalts etwas vorwegnehmen und mitunter die Spannung beeinträchtigen. Einige Autoren entscheiden sich daher für eine orts- oder zeitbasierte Kapiteleinteilung, denn hier erfüllen die Kapitel und deren Überschriften tatsächlich eine Funktion als Instrument zur äußeren Strukturierung.

Ansonsten lässt sich als Trend ausmachen, dass Kapitel anstelle von Überschriften immer häufiger einfach nur nummeriert werden.

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