Leserliche Handschrift üben – 4 Tipps 

Im digitalen Zeitalter verliert die Handschrift zunehmend an Bedeutung. Es gibt immer weniger Schriftstücke, die noch von Hand geschrieben werden. Doch gerade für Schulkinder ist es sehr wichtig, eine leserliche Handschrift zu üben.

Lehrer und Eltern stellen schon seit einigen Jahren fest, dass es Schulkindern immer größere Schwierigkeiten bereitet, leserlich zu schreiben. Auch die Forschung versucht inzwischen, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen.

Dabei werden verschiedenste Gründe genannt, die dafür verantwortlich sein sollen, dass Schüler eine bisweilen nicht entzifferbare Sauklaue entwickeln und diese unlesbare Handschrift oft ihr Leben lang beibehalten. So wird unter anderem argumentiert, dass

·         Kinder längst mit der Tastatur vom Computer, Tablet oder Smartphone vertraut sind, bevor sie den Umgang mit dem Stift lernen.

·         Eltern kaum noch etwas von Hand schreiben und in der Folge einerseits in diesem Punkt nicht unbedingt Vorbild sind und andererseits auch keinen großen Wert auf Handgeschriebenes mehr legen.

·         Tintenkiller und Radiergummi dazu verleiten, herumzuschmieren, weil Korrekturen ja problemlos vorgenommen werden können.

·         Schüler mitunter einen so vollen Terminkalender haben, dass neben Schule, Hausaufgaben, Sportverein und Musikschule für das konzentrierte Arbeiten kaum Zeit bleibt und damit auch das Schreiben zügig erledigt werden muss.

·         sich in Kinderzimmern immer seltener Malbücher und Schreibtafeln finden, sondern stattdessen Fernseher und digitale Medien dominieren.

·         viele Lernkonzepte den Fokus auf abwechslungsreiche Inhalte legen, während klassische Schreibübungen eher in den Hintergrund rücken.

·         die persönliche Handschrift auch ein Ausdruck der Individualität ist und folglich hier kein massiver Eingriff erfolgen sollte.

Natürlich lässt sich darüber streiten, ob eine leserliche Handschrift im digitalen Zeitalter überhaupt noch eine nennenswerte Rolle spielt. Schließlich werden fast alle Briefe und Dokumente per Computer geschrieben und eigene Notizen muss kein anderer entziffern können. Schreibt ein Erwachsener seine Briefe, Karten und anderen Aufzeichnungen von Hand, so macht ihm das Spaß und er achtet ohnehin auf eine leserliche Handschrift.

Aber:

Bei Schülern stellt sich diese Frage gar nicht und eine derartige Diskussion ist völlig überflüssig. Denn die Handschrift ist ein maßgeblicher Faktor, wenn es darum geht, die schulischen Leistungen und die dazugehörigen Noten zu ermitteln. Kann der Lehrer beim besten Willen nicht entziffern, was der Schüler geschrieben hat, wird er einen Fehler anstreichen. Und das ist nicht nur bei einem Diktat oder einem Aufsatz so, sondern kann auch in jedem anderen Schulfach passieren.

Deshalb sollten sich alle Schüler darum bemühen, leserlich zu schreiben. Schließlich wäre es schade, wenn die Inhalte eigentlich sitzen und nur die Sauklaue schuld an weniger guten Noten ist. Doch was können Schüler und Eltern tun? Hier sind vier Tipps, die dabei helfen, eine leserliche Handschrift zu üben.

 

Tipp 1: den Grund für die unleserliche Handschrift ermitteln

Zunächst einmal sollten die Eltern versuchen, herauszufinden, warum ihr Kind unleserlich schreibt. Schmiert es herum, weil es einfach keine Lust hat, zu schreiben? Muss es länger überlegen und dadurch dann schnell etwas hinkritzeln, um noch mitzukommen? Ist das Problem motorischer Natur?

Weiß das Kind nicht, wie bestimmte Buchstaben geschrieben werden? Versucht das Kind, Unsicherheiten und mögliche Fehler bei der Rechtschreibung durch eine unleserliche Handschrift zu kaschieren? Gibt es einen ganz anderen Grund? Erst wenn klar ist, was die Ursache für die unleserliche Handschrift ist, können die Eltern zusammen mit dem Kind überlegen, wo sie ansetzen können, um die Handschrift zu verbessern.

Wichtig ist aber, dass die Eltern behutsam vorgehen. Das Schreibtraining soll keine Zwangsmaßnahme oder gar Strafe sein, sondern das Kind unterstützen und fördern. Doch das Kind wird keine Hilfe annehmen, wenn es sich zusätzlich unter Druck gesetzt fühlt.

 

Tipp 2: sich dem Schreiben spielerisch nähern

Damit das Kind die Angst vorm Schreiben verliert und Spaß daran entwickelt, mit der Schrift umzugehen, sollten die Eltern die Schreibübungen spielerisch angehen. So kann das Kind beispielsweise mit verschiedenen Farben Buchstabenbilder malen. Oder es kann Buchstaben basteln und als Schablonen verwenden, in Collagen verarbeiten oder ein Mobile daraus anfertigen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass sich das Kind zunächst seinen Lieblingsbuchstaben aussucht. Anschließend überlegt sich das Kind 15 bis 20 Wörter, die mit diesem Buchstaben beginnen, und schreibt die Wörter auf. Wenn das Kind mag, kann es sich danach auch eine Geschichte ausdenken, in der die Wörter vorkommen.

Entscheidend für ein erfolgreiches Schreibtraining ist, dass das Kind gerne mit den Buchstaben umgeht. Deshalb wird es oft nicht viel bringen, wenn die Eltern ihr Kind seitenweise Buchstaben und Wörter in Schönschrift aufschreiben lassen. Denn solche Schreibübungen sind langweilig und erinnern schnell eine lästige Pflichtarbeit. Und: Bei den Übungen geht es darum, das Kind dazu zu motivieren, künftig leserlich zu schreiben.

Über Rechtschreibfehler sollten die Eltern daher hinwegsehen und sie sollten auch keine Kritik üben, wenn die Lesbarkeit anfangs noch zu wünschen übrig lässt. Wenn sich das Kind dem Schreiben spielerisch und mit Freude nähert, kommen die Verbesserungen ganz von alleine.  

 

Tipp 3: mit Heften für die 1. Klasse üben

Zu einer leserlichen Handschrift gehört auch, die Linien auf dem Papier einzuhalten. Doch je kleiner die Abstände zwischen den Linien sind, desto schwieriger ist es, nicht über die Linien hinauszuschreiben. Zum Üben eignen sich deshalb Schreibhefte für Erstklässler sehr gut.

In diesen Heften sind die Seiten durch breite Linien aufgeteilt. Klappt hier das leserliche Schreiben, können nach und nach Papiere mit immer engeren Linien zum Einsatz kommen. Mit komplett weißen Blättern ohne Linien und Kästchen zu üben, ist hingegen keine gute Idee. Denn komplett ohne Orientierungspunkte gerade und gleichmäßig zu schreiben, fällt selbst erfahrenen Schreibern schwer.

 

Tipp 4: loben und motivieren

Der einzige Weg, der langfristig Erfolg verspricht und im Ergebnis zu einer leserlichen Handschrift führt, ist die geduldige und liebevolle Hilfestellung. Das Kind muss Lob und Anerkennung dafür erfahren, dass es übt und sich um Fortschritte bemüht. Gleichzeitig sollten die Eltern dem Kind vermitteln, dass sie seine Verbesserungen sehr wohl registrieren, auch wenn die Fortschritte vielleicht nur sehr klein sind.

Letztlich profitiert zwar das Kind am meisten von einer leserlichen Handschrift. Doch ein Kind versteht den Nutzen oft noch nicht ganz. Auch konkrete Belohungen sind ein probates Mittel, um die Motivation aufrechtzuerhalten. Allerdings sollten die Eltern die Belohungen nicht im Vorfeld ankündigen. Denn wenn sie dem Kind erklären, dass es ein Geschenk bekommt oder sie mit ihm einen Ausflug machen, wenn es bestimmte Fortschritte gemacht hat, setzen sie das Kind damit unter Druck. Gleichzeitig steigt der Frust, wenn das Kind die Verbesserungen nicht erzielt.

Besser ist deshalb, die Belohnung ohne Vorankündigung zu überbringen, nachdem das Kind Fortschritte gemacht hat. So entsteht ein Ansporn, noch besser zu werden, um vielleicht bald wieder eine Belohnung zu bekommen.

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