Literaturgeschichte: die Romantik

 

Die Romantik als literatur- und kunstgeschichtliche Epoche läutete eine neue Ära ein. Hatte die Aufklärung den Fokus auf die Forschung, die Wissenschaft und vor allem die klare, sachliche Vernunft gelegt, rückten nun poetische Vorstellungen und Gefühle in den Mittelpunkt.

Die Romantiker verfolgten das Ziel, ihre Leser auf eine Reise in Phantasiewelten mitzunehmen. Sie wollten die Augen für das Unerklärliche öffnen, den Gefühlen Freiheit geben und neue Denkmuster etablieren. Mitte des 19. Jahrhunderts endete die romantische Literaturbewegung. Doch romantische Einflüsse tauchen auch in zeitgenössischer Literatur noch auf.

 

Die Aufklärung als Ausgangspunkt der Romantik

Das 17. und das 18. Jahrhundert standen im Zeichen der Aufklärung. Die Forschung und die Wissenschaft wurden sehr intensiv betrieben. Eine Folge davon war, dass nun viele Phänomene mit reiner Logik, Physik und anderen wissenschaftlichen Ansätzen als natürliche Ereignisse und normale Vorgänge erklärt werden konnten.

Gleichzeitig veränderten sich die Gesellschaftsstrukturen. Den Bürgern wurden mehr Rechte eingeräumt, ihr Bildungsniveau stieg und mit der aufkommenden Religionsfreiheit verlor die Kirche an Einfluss. Die Wirtschaft, die Wissenschaften und die Politik, aber auch die Künste wurden von rationalem Denken und Handeln dominiert.

Für das Seelenleben, Empfindungen und Emotionen blieb da wenig Raum. Ende des 18. Jahrhunderts kamen noch die Folgen der Französische Revolution dazu, die die Truppen Napoleons in viele Länder Europas und mit ihnen nicht nur eine Besetzung, sondern auch eine Unterdrückung mit sich brachten. Die Sehnsucht, die Vernunft beiseite und dafür seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, wurde immer größer. So stießen die Romantiker mit ihren poetischen Ideen auf fruchtbaren Boden.

 

Die Romantik in der Literaturgeschichte

Die Romantikbewegung in der Literatur lässt sich in vier Abschnitte gliedern. Den Anfang machte die Frühliteratur zwischen 1795 und 1804. Die folgenden zehn Jahre standen im Zeichen der Hochromantik, anschließend folgte von 1816 bis 1830 die Spätromantik. Den Abschluss bildete die Zeit des Biedermeier, die bis 1848 andauerte. Im Unterschied zu anderen literarischen Bewegungen gab es bei der Romantik kein bestimmtes Zentrum.

Ebenso ist es kaum möglich, ein paar große Namen als Begründer und Hauptvertreter zu nennen. Die Romantik in der Literatur war vielmehr eine Bewegung, die sich von vielen deutschen Städten aus verbreitete und der sich zahlreiche Dichter und Schriftsteller anschlossen. Trotzdem gibt es natürlich namhafte Vertreter. So gelten beispielsweise Ludwig Tieck, Novalis oder E.T.A. Hoffmann als bedeutende Schriftsteller der Frühromantik.

Ihre Erzählungen, Dichtungen und Kunstmärchen stellten das Gefühlsleben der Protagonisten in den Mittelpunkt. Sie erzählten von mystischen Orten und phantasievollen Szenen, brachten genauso aber auch die Naturverbundenheit zum Ausdruck. Der Begriff der Heimat war genauso ein Thema wie die Sehnsucht, ferne Länder zu bereisen und fremde Kulturen kennenzulernen. Die poetische, teils verklärte Wahrnehmung der Wirklichkeit fand großen Zuspruch und bescherte den Schriftstellern große Erfolge. Die romantischen Arbeiten waren sogar so populär, dass Begriffe wie Volkslied oder Volksdichtung entstanden.

Die romantische Literatur erlaubte es den Bürgern, wieder frei zu denken und zu fühlen, ungeachtet aller Vernunft und Nüchternheit. Gleichzeitig war die Idee, Geist und Seele mitunter fast übertrieben ins Rampenlicht zu stellen, aber auch eine Art von Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Strukturen.

 

Die Ideen der Romantiker

Die Romantikbewegung fand nicht nur in der Literatur Ausdruck, sondern erfasste auch die übrigen Künste wie die Malerei und die Musik. Die Künstler wiederum pflegten regen Kontakt zueinander. Sie hielten regelmäßig Zirkel ab, um sich auszutauschen und gemeinsam an der Umsetzung ihrer romantischen Ideen zu arbeiten. Als Ergebnis dieser Zusammenarbeit entstanden beispielsweise zahlreiche Lieder mit einem romantischen Gedicht als Text und einer eigens dafür komponierten Melodie. Schon damals war die Kunst aber keine Männerdomäne mehr.

Die Frauen jener Zeit lebten die Kunst ebenfalls, schrieben, dichteten, komponierten, malten oder genossen die Kunst einfach nur. Hierfür richteten sie Salons ein, die sich zu beliebten Treffpunkten für Künstler entwickelten. Die aktive Zusammenarbeit zwischen den Kunstgattungen und die rege Teilnahme der Kulturgesellschaft an der Kunst trugen den Absichten der romantischen Künstler Rechnung.

Ihre Arbeiten sollten sich nicht nur von den Kunstwerken aus anderen Zeiten unterscheiden. Vielmehr bestand ihr Ziel darin, bisherige Denkmuster aufzubrechen. Die Romantik sollte zu einem Lebensgefühl werden, bei dem sich Emotionen und Phantasien frei entfalten können. Die Kunst der Romantik sollte dabei ein zentrales Ausdrucksmittel sein. Von Deutschland aus schwappte die Bewegung auch auf das europäische Ausland über und leitete so über die Landesgrenzen hinweg eine kleine Revolution in der Kunst- und Literaturgeschichte ein.

Je weiter sich die Romantikwelle ausbreitete und je mehr sich die neuen Ideen etablierten, desto stärker prägte sich das Thema des Irrealen aus. Hatten die Dichter und Schriftsteller der frühen Phasen vom Seelenleben erzählt und mit teils verklärtem Blick einen Gegenentwurf zur Wirklichkeit beschrieben, war die Literatur der Spätromantik von skurrilen und grotesken Szenarien geprägt.

Erzählungen von Dämonen und Geistern, Schauergeschichten und Krimis wurden ebenfalls zu echten Verkaufsschlagern. Die eigentliche Bewegung der Romantikliteratur endete mit den Revolutionen im Jahre 1848. Die Ideen der Romantik haben die Zeiten jedoch überdauert und so ist auch die Literatur der Gegenwart mitunter noch davon beeinflusst.

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