Romane vs. Anthologien 

Natürlich haben auch Anthologien eine Daseinsberechtigung und selbstverständlich finden sie ebenfalls begeisterte Leser. Möchte ein Autor aber eine Anthologie veröffentlichen, wird er von den meisten Verlagen hören, dass sie Romane bevorzugen.

 

“Anthologien verkaufen sich schlecht” und “Leser bevorzugen in sich geschlossene Geschichten, die sich eventuell fortsetzen lassen” sind die typischen Begründungen für eine Absage. Dabei kann gerade eine Anthologie für einen noch unbekannten Autor der sehr viel bessere Einstieg ins Literaturgeschäft sein als ein langer Roman.

 

Gründe für Anthologien

Eine Anthologie ist eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten und verglichen mit einem Roman oder einer Novelle bietet eine solche Geschichtensammlung für den Jungautor einige Vorteile. So kann sich der Leser anhand der verschiedenen Kurzgeschichten einen ersten Überblick darüber verschaffen, welche Themen der Autor behandelt, in welchem Genre er sich bewegt und in welchem Stil er seine Werke verfasst.

Eine Kurzgeschichte, die sich über wenige Seiten erstreckt, kann wie ein Appetithäppchen wirken und die Lust wecken, auch einmal ein längeres Werk des Autors zu lesen. Durch die Zusammenstellung verschiedener Kurzgeschichten kann der Autor unterschiedliche Facetten von sich zeigen. Gleichzeitig kann er etwas mehr wagen, denn selbst wenn die eine oder andere Kurzgeschichte den Geschmack des Lesers nicht trifft, wird es sicher andere Storys geben, die ihn begeistern. Im Unterschied dazu muss sich der Autor bei einem Roman auf ein Thema festlegen und darauf hoffen, dass die Leser etwas mit diesem Thema anfangen können. Ein weiterer Aspekt ist das Schreiben selbst.

Auch eine Kurzgeschichte will zwar gut und fesselnd geschrieben sein. Insgesamt ist es jedoch leichter, einen Spannungsbogen aufzubauen und bis zur Auflösung am Ende zu halten, wenn die Geschichte kurz ist. Bei einem langen Roman hingegen besteht immer die Gefahr, dass einzelne Passagen zu langatmig wirken oder es scheint, als habe der Autor zwischendurch den Faden verloren.

Zudem gibt es Autoren, die sich mit Kurzgeschichten einfacher wohler fühlen und gar nicht den Ehrgeiz haben, dem Leser eine Story über mehrere hundert Seiten zu erzählen. Umgekehrt bevorzugen auch Leser mitunter kurzweilige Geschichten, die sie auf einmal durchlesen können, anstatt sich tagelang durch einen dicken Wälzer zu arbeiten. 

 

Romane vs. Anthologien

Wie in allen anderen Bereichen gibt es auch auf dem Literaturmarkt Trends und Moden. So sind schon seit mehreren Jahren Fortsetzungsromane angesagt. Inhaltlich beschäftigen sich die Romane mit klassischen Themen wie Liebe und Leidenschaft, Intrigen, Mordgeschichten und Schicksalsschlägen. Daneben sind Fantasy und Vampirismus zwei große Moden.

Dies wiederum macht es für Kurzgeschichten recht schwierig, denn mysteriöse Morde oder umfangreiche Lebensbeichten lassen sich in einer Kurzgeschichte oft nicht unterbringen. Auch wenn der Autor seine Leser in eine andere Welt voller Fabelwesen, Elfen oder Vampire entführen möchte, wird ihm eine Kurzgeschichte dafür kaum den notwendigen Raum geben. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass jede Kurzgeschichte eine in sich geschlossene Erzählung sein sollte.

Die einzelnen Kurzgeschichten können natürlich ein Thema behandeln, alle um die gleichen Hauptfiguren herum aufgebaut sein und einzelne Motive oder Aspekte aus vorhergehenden Geschichten aufgreifen. Dennoch muss jede Kurzgeschichte für sich stehen und ihre eigene, in sich geschlossene Handlung aussagekräftig wiedergeben. Andernfalls hätten die Kurzgeschichten den Charakter von Kapiteln, die erst als Einheit einen wirklichen Sinn ergeben. Dadurch wäre das Buch aber weder eine Anthologie noch ein echter Roman.

 

Gründe gegen Anthologien

Bei Buchempfehlungen stehen Romane ganz klar im Vordergrund. In Tageszeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendungen werden üblicherweise Romane vorgestellt und besprochen. Anthologien oder Gedichtbände tauchen hier, wenn überhaupt, dann nur als seltene Ausnahmen auf.

Auch auf den Bestsellerlisten sind so gut wie nie Kurzgeschichtensammlungen vertreten. Dies macht es für Autoren, die gerne eine Kurzgeschichtensammlung veröffentlichen möchten, nicht unbedingt einfacher, bei einem Verlag unterzukommen. Andererseits wäre genau dies eine Chance für bisher unbekannte Autoren, denn die Konkurrenz ist riesig und wenn gerade namhafte Autoren neue Romane auf den Markt gebracht haben, dürfte der Roman eines unbekannten Autors in der Masse untergehen.

Nicht selten landen deshalb Werke, die eigentlich in Sachen Qualität, Stilistik und Thematik locker mit erfolgreichen Romanen mithalten könnten, auf irgendwelchen Wühltischen. Die Chance, sich gerade durch eine Anthologie aus der Masse an Neuerscheinungen abzuheben, wird allerdings kaum einen Verlag überzeugen, denn die Absatzzahlen sprechen nun einmal eine andere Sprache. Und tatsächlich gibt es kaum eine Anthologie, die auch nur annähernd an die Verkaufszahlen von internationalen Bestsellern herankommt.

Auf der anderen Seite spielt auch der Autor selbst eine Rolle. Ein namhafter Schriftsteller oder ein Promi wird es leichter haben, einen Verlag für sein Werk zu finden, als ein Autor, der sich erst noch einen Namen machen muss. Dies gilt allerdings für eine Anthologie genauso wie für einen Roman.

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