Übersicht: Fragetypen beim Interview

 

Ein gutes Interview lebt von den richtigen Fragen. Andersherum kann eine falsche Frage das Gespräch schnell zunichtemachen. Umso wichtiger ist deshalb, verschiedene Fragetypen zu kennen – und gekonnt einzusetzen.

Informationen beschaffen, Expertenmeinungen einholen, verschiedene Blickwinkel aufzeigen, aktuelle Stimmungen vor Ort festhalten oder interessante Menschen portraitieren: Es gibt viele Gründe für ein Interview. Doch bei einem Interview kann auch so einiges schiefgehen. So kann es sein, dass der Interviewer den Faden verliert.

Oder dass der Interviewgast lange Monologe hält, ohne auf die eigentlichen Fragen zu antworten. Oder dass die Stimmung kippt, weil der Interviewer eine unglückliche Frage gestellt oder ein Thema angesprochen hat, zu dem sich der Interviewgast nicht äußern will. Deshalb sollte sich der Interviewer nicht nur auf seinen Interviewgast vorbereiten und sich einen groben Ablaufplan zurechtlegen. Stattdessen gehört es auch zum Handwerkszeug, verschiedene Frageformen zu kennen.

Denn durch die richtigen Fragen kann der Interviewer flexibel auf den Gesprächsverlauf reagieren und das Gespräch steuern. Doch welche Fragen kann der Interviewer stellen?

 

Hier die wichtigsten Fragetypen beim Interview in der Übersicht:

 

1. Die offene Frage

Beispiel: Wie schätzen Sie die Zukunft des Euro ein?

Durch eine offene Frage kommt das Gespräch in Gang. Der Interviewgast kann das sagen, was er zum Ausdruck bringen oder preisgeben möchte. Allerdings hat der Interviewer bei einer offenen Frage kaum Möglichkeiten, die Antwort inhaltlich zu steuern. Hinzu kommt, dass die Antwort länger ausfallen kann als gedacht, wenn der Interviewgast ins Plaudern gerät oder in einen Monolog verfällt.

 

2. Die geschlossene Frage

Beispiel: Hat der Euro Ihrer Meinung nach eine Zukunft?

Eine geschlossene Frage zwingt den Interviewgast dazu, klar Stellung zu beziehen. Er muss sich auf eine Aussage festlegen. Für den Interviewer bietet eine geschlossene Frage den Vorteil, dass er das Gespräch inhaltlich gut steuern kann. Allerdings wird eine geschlossene Frage meist sehr kurz beantwortet, mitunter sogar nur mit einem knappen „Ja“ oder „Nein“. Für wörtliche Zitate sind solche Fragen deshalb oft nicht geeignet. Zudem kann der Gesprächsfluss durch geschlossene Fragen schnell ins Stocken geraten.

 

3. Die Sachfrage

Beispiel: Wie kam es zu der Idee, den Euro als gemeinsame Währung einzuführen?

Durch eine Sachfrage fordert der Interviewer seinen Interviewgast dazu auf, einen Sachverhalt zu erläutern. Der Leser erhält dadurch grundlegende Informationen zu einem bestimmten Thema, erfährt Zusammenhänge oder Hintergrundwissen. Vor allem bei komplexen Themen sind solche Fragen wichtig, damit der Leser die Inhalte richtig einordnen und sich seine eigene Meinung bilden kann. Allerdings können zu viele Sachfragen dazu führen, dass das Interview den Charakter eines trockenen, bisweilen langweiligen Vortrags erhält.

 

4. Die Kontrollfrage

Beispiel: Sie haben in einem früheren Interview gesagt, dass … Wie ist diese Aussage zu verstehen?

Nachdem der Interviewgast eine Antwort gegeben oder der Interviewer eine frühere Aussage seines Gastes zitiert hat, kann eine Kontrollfrage gestellt werden. Die Kontrollfrage dient dann als Rückfrage. Sie geht noch einmal auf den Sachverhalt ein und vertieft oder bestätigt ihn. Damit sorgt die Kontrollfrage für Klarheit oder stellt sicher, dass die Ausführungen des Interviewgastes richtig verstanden werden. Zu häufig eingesetzt, können Kontrollfragen ein Interview aber langweilig werden lassen. Denn das Gespräch bleibt zu lange bei einem Thema und es kommen keine wirklich neuen Aspekte dazu, sondern nur das bereits Gesagte wird wiederholt. Gleichzeitig geht dadurch mitunter wertvolle Interviewzeit verloren.

 

5. Die Erzählfrage

Beispiel: Sie beschäftigen sich schon sehr lange intensiv mit dem Euro. Wie kamen Sie zu diesem Thema?

Eine Erzählfrage eignet sich sehr gut, um die Gesprächsatmosphäre aufzulockern. Ähnlich wie die offene Frage erlaubt auch die Erzählfrage dem Interviewgast, sich frei zu äußern und ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Allerdings muss der Interviewer ein wenig aufpassen, dass sein Interviewgast nicht zu sehr ins Plaudern gerät und die Antwort dadurch zu lang wird. Außerdem kann es bei einer Erzählfrage passieren, dass der Interviewgast der eigentlichen Frage ausweicht und stattdessen zu Themen übergeht, die er unbedingt noch einfließen lassen möchte.

 

6. Die Suggestivfrage

Beispiel: Sie sind also der Meinung, dass der Euro mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt und deshalb in der jetzigen Form nicht aufrechterhalten werden sollte?

Mit einer Suggestivfrage legt der Interviewer seinem Interviewgast eine bestimmte Haltung in den Mund. Er äußert also eine Unterstellung und bringt den Interviewgast dadurch in die Situation, zu dieser Unterstellung Position beziehen zu müssen. Damit wird die Suggestivfrage zu einem Instrument, das dem Interviewer ermöglicht, das Gespräch inhaltlich stark zu steuern. Allerdings sind Suggestivfragen mit Vorsicht zu genießen. Denn sie sind keine echten Fragen, sondern es schwingt immer ein wenig Manipulation mit. Hinzu kommt, dass sich Suggestivfragen sehr nachteilig auf die Gesprächsatmosphäre auswirken können. Schließlich möchte der Interviewgast ein vernünftiges Gespräch führen und sich nicht ständig für Aussagen rechtfertigen müssen, die ihm der Interviewer in den Mund legt.

Eine Sonderform von Suggestivfragen sind Entscheidungsfragen. Auch sie begrenzen den Spielraum für Reaktionen, lassen dem Interviewpartner aber zumindest die Wahl zwischen zwei Antwortmöglichkeiten. Eine Entscheidungsfrage wäre beispielsweise: Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie sich für den Euro oder die DM entscheiden?

 

7. Die provozierende Frage

Beispiel: Was macht Sie Ihrer Meinung nach überhaupt zum Experten in Sachen Euro?

Durch eine provozierende Frage lockt der Interviewer seinen Interviewgast aus der Reserve. Er konfrontiert den Interviewgast mit einer kritischen Zwischen- oder Rückfrage und bringt den Gast so dazu, seine Position behaupten zu müssen. Insgesamt sollte der Interviewer mit Provokationen aber vorsichtig sein und sparsam umgehen. Denn provozierende Fragen können schnell unter die Gürtellinie gehen. Fühlt sich der Gesprächspartner angegriffen oder verletzt, wird er sich mitunter zurückziehen. In der Folge wird ein vernünftiges Interview, das interessante Informationen zu Tage fördert, dann kaum noch möglich sein.

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