Übersicht: diese Wörter haben gute Chancen,

Unwort des Jahres zu werden

 

Die Sprache und der Sprachgebrauch entwickeln sich kontinuierlich weiter. So werden bestimmte Wörter und Formulierungen irgendwann nicht mehr verwendet, während andere Wörter, oft entnommen aus anderen Sprachen, in den alltäglichen Wortschatz aufgenommen werden. Daneben gibt es allerdings auch solche Wörter, die eigentlich nicht neu sind, aber plötzlich in einem bestimmten Zusammenhang die Medien dominieren.

 

Solche Wörter haben gute Chancen, zum Unwort des jeweiligen Jahres zu werden. Das Unwort des Jahres geht auf eine Aktion der Gesellschaft für deutsche Sprache zurück, seit 1994 wird das Unwort alljährlich im Rahmen der sogenannten sprachkritischen Aktion von einer Jury an der Frankfurter Universität bestimmt. Die Jury setzt sich aus vier Sprachwissenschaftlern, einem Journalisten und einem für das jeweilige Jahr berufenen Mitglied aus den Bereichen Kultur oder Medien zusammen.

Die Vorschläge für das Unwort des Jahres stammen von den Bürgern selbst. So kann jeder seinen Vorschlag bis zum 31.12. eines Jahres einreichen. Bei diesen Wörtern kann es sich um unpassende, unverschämte, verletzende oder auch einfach nur nervige Begriffe aus allen Themenbereichen handeln. Die Jury sammelt und diskutiert die Vorschläge und gibt ihre Entscheidung dann jeweils in der zweiten Januarhälfte des Folgejahres bekannt. So wurde alternativlos das Unwort des Jahres 2010, aber auch Begriffe wie Peanuts, Rentnerschwemme oder Herdprämie waren schon Unwörter.

Dabei wurden einige Entscheidungen aber auch massiv kritisiert. So führten Kritiker an, dass Wörter wie sozialverträgliches Frühableben, Entlassungsproduktivität oder betriebsratsverseucht zu Unrecht zu Unwörtern gewählt worden wären, weil diese Wörter von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen und schon gar nicht benutzt worden seien. Andere Begriffe wie etwa Humankapital oder Ich-AG hingegen wären bewusst falsch interpretiert worden.

Die Jury setzt solcher Kritik entgegen, dass mit dem Unwort des Jahres die Absicht verfolgt wird, das Sprachbewusstsein und die Sensibilität für Sprache und deren Gebrauch zu fördern. Insofern ist ein Teilziel bereits erreicht, wenn die Öffentlichkeit beginnt, kritisch über Begriffe und Formulierungen zu diskutieren.

 

 

Die folgende Übersicht stellt nun die Wörter vor, die vermutlich gute Chancen haben, Unwort des Jahres 2011 zu werden:

 

Biosprit

Die Wörter Biosprit oder auch E10 haben für viel Wirbel gesorgt. Mit einem bis zu zehnprozentigen Anteil an Bioethanol gehört E10 in die Gruppe der Ethanol-Kraftstoffe. Er wurde 2011 in Deutschland eingeführt, um auf diese Weise der EU-Biokraftstoffrichtlinie gerecht zu werden, durch die der Verbrauch fossiler Rohstoffe und die CO2-Emissionen reduziert werden sollen.

Bei den Bürgern fand der neue Bio-Kraftstoff jedoch aus mehreren Gründen keinen Anklang. So herrschte zunächst einmal Verunsicherung darüber, ob der Motor des eigenen Autos E10 überhaupt verträgt. Zudem war nicht bekannt, wie sich E10 auf den Kraftstoffverbrauch auswirkt, also ob das Fahrzeug bei einer Betankung mit E10 mehr, weniger oder die gleiche Spritmenge benötigt. Außerdem fühlten sich viele Bürger auf den Arm genommen, als sie erfuhren, dass auf den Tanksäulen zwar E10 stand, in den Tanksäulen aber kein E10 war. 

 

Brückentechnologie

Dieses Wort wurde immer wieder gebraucht, wenn es um den Ausstieg aus der Atomenergie ging. Dabei wurde die Atomenergie zu einer fortschrittlichen Technologie erklärt, die die Brücke zu anderen Technologien bildet.

Anders ausgedrückt bedeutet das, dass die Atomenergie als Brückentechnologie notwendig ist, um die Zeit zu überbrücken, bis eine andere, bessere und ungefährlichere Lösung gefunden ist.

 

Gutmensch

Eigentlich ist der Begriff Gutmensch zunächst ein freundliches und positives Wort, denn es setzt sich aus den Vokabeln gut und Mensch zusammen und heißt letztlich nichts anderes, als dass es sich um einen guten Menschen handelt. Aber in dieser Auslegung wird der Begriff eher nicht verwendet.

Als Gutmensch wird vielmehr jemand bezeichnet, der entweder furchtbar naiv ist und unbedingt Gutes tun möchte oder aber jemand, der unter dem Deckmantel der Doppelmoral nur vorgibt, Gutes zu tun. 

 

Plagiatsaffäre

Dieses Wort wird vor allem mit dem Ex-Verteidigungsminister Freiherr Theodor zu Guttenberg in Verbindung gebracht. Als gefeierter Shooting-Star verkörperte er eine junge, glaubwürdige und ehrliche Politik, bis er schließlich über seine Doktorarbeit stolperte.

Herr von Guttenberg musste sich den Vorwurf gefallen lassen, einfach nur abgeschrieben und sich mit fremden Federn geschmückt zu haben. Seine Glaubwürdigkeit war dahin und mit ihr fand auch die politische Karriere ein abruptes Ende. Er sollte und wird wohl auch in Zukunft aber nicht der einzige Politiker bleiben, der in eine Plagiatsaffäre verwickelt war.

 

Schuldenkrise

Das Wort Schuldenkrise qualifiziert sich als Unwort des Jahres, weil es einerseits ständig in den Medien zu hören ist und andererseits eine etwas fragwürdige Kombination aus den Wörtern Schulden und Krise darstellt. Wer Schulden hat oder macht, tut dies meist, weil er sich in einem finanziellen Engpass oder eben einer finanziellen Krise befindet.

Die Politik erweckt jedoch den Eindruck, dass Schulden in einem Staatshaushalt zunächst einmal nicht ungewöhnlich, sondern eigentlich völlig normal sind. Von einer Krise wird erst dann gesprochen, wenn die Lage instabil wird und Zweifel daran aufkommen, ob der Schuldner seine Schulden zurückbezahlen kann oder ob der Schuldenberg nicht immer weiterwachsen wird, bis es schließlich zum Kollaps in Form einer Staatspleite kommt.

Zudem lenkt der Begriff die Aufmerksamkeit auf die Situation, berücksichtigt aber diejenigen oder die Umstände, die an der Krise schuld sind, nicht.

 

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