Verlagssuche: Welche Sätze nicht im Anschreiben stehen sollten

 

Ist nach monate- oder gar jahrelanger Arbeit das Manuskript für das (erste) eigene Buch endlich fertig, geht es mit der Suche nach einem Verlag weiter. Schließlich soll das Buch ja in absehbarer Zeit in den Regalen der Buchhandlungen stehen. Ein Patentrezept dafür, wie ein Autor erfolgreich einen Verlag findet, der bereit ist, sein Buch auf den Markt zu bringen, gibt es nicht.

Allerdings kann sich der Autor seine Verlagssuche auch unnötig schwermachen, und zwar dadurch, dass er das Anschreiben unglücklich formuliert. Auf den Schreibtischen von Lektoren und Literaturagenten landen täglich viele Manuskripte. Deshalb haben sie einfach nicht die Zeit, sich intensiv mit jedem einzelnen Schreiben zu beschäftigen.

Stattdessen entscheiden sie oft aus dem Bauch heraus, ob das eingereichte Manuskript interessant und lesenswert erscheint oder ob nicht. Für den Autor bedeutet das, dass er sein Anschreiben als eine Art Bewerbungsanschreiben verstehen und so auch sowohl optisch als auch inhaltlich gestalten sollte.

 

Die folgende Übersicht erklärt, welche Sätze besser nicht im Anschreiben stehen sollten,
wenn die Verlagssuche erfolgreich sein soll:

 

„Sehr geehrte Damen und Herren,“

Die Anredeformel “Sehr geehrte…” klingt zwar ein wenig angestaubt, ist in der Praxis aber trotzdem noch immer die beste Wahl. Für das “… Damen und Herren” gilt das allerdings nicht. Eine solche unpersönliche Anrede erweckt nämlich den Eindruck, dass sich der Autor nicht gezielt über den Verlag informiert und den zuständigen Ansprechpartner recherchiert hat. Stattdessen hat er ein Standardschreiben aufgesetzt, das er in identischer Form an alle Verlage verschickt, die geeignet erscheinen.

Generell sollte der Autor sein Manuskript niemals unaufgefordert bei einem Verlag einreichen. Stattdessen sollte er sich im Vorfeld erkundigen, ob und an wen er sein Manuskript schicken kann. Die persönliche Anrede signalisiert, dass sich der Autor mit dem Verlag und dessen Programm beschäftigt hat. Gleichzeitig erspart sich der Autor vermeidbare Absagen.

 

„Mein Werk habe ich kürzlich vollendet.“

Eine solche Formulierung ist aus zwei Gründen eher unglücklich. Der erste Grund ist, dass Verlage keine vollendeten Werke möchten. Sie suchen vielmehr Autoren, die Bücher schreiben. Der zweite Grund ist, dass es seltsam und irritierend klingt, wenn von einem vollendeten Werk die Rede ist.

Der Autor vermittelt damit nämlich, dass sein Buch aus seiner Sicht fertig und perfekt ist. Verlage erwarten aber, dass der Autor die Bereitschaft zeigt, Kritik anzunehmen, Änderungen durchzuführen, sein Manuskript zu überarbeiten und Korrekturen zuzulassen. Gleichzeitig könnte die Befürchtung aufkommen, dass der Autor wegen jeder noch so kleinen Änderung stundenlang diskutieren wird.

Dies macht eine Zusammenarbeit anstrengend und schwierig. Der Autor ist deshalb besser beraten, wenn er sein Manuskript tatsächlich als Manuskript oder sogar als erste Fassung bezeichnet.

 

„Kurze Anmerkung/Erklärung zu Kapitel …..“

Erklärende Worte zu einem eingereichten Text sind fast immer ein K.O.-Kriterium, denn das Manuskript muss verständlich und selbsterklärend sein, wenn es auf dem Schreibtisch des Verlagslektors oder Literaturagenten landet. Das bedeutet nicht, dass die Inhalte vorhersehbar sein müssen oder ein Textauszug keinerlei Raum für eigene Interpretationen lassen darf.

Wenn der Autor aber glaubt, dass ein inhaltlicher Zusammenhang nicht ohne ergänzende Anmerkungen oder Erklärungen auskommt, dann ist der Text in den meisten Fällen noch nicht ganz fertig oder enthält einen Fehler. Der Autor sollte notwendige Erklärungen also in den Text einbauen und sein Manuskript erst dann einreichen, wenn es in sich stimmig ist. 

 

„Ich schreibe schon seit meiner Schulzeit.“

Diese Aussage ist komplett überflüssig. Zum einen interessiert sich ein Lektor, Literaturagent oder Verleger nicht unbedingt dafür, seit wann sich der Autor als Schriftsteller versucht oder wie lange er an seinem Buch gearbeitet hat. Zum anderen schreibt jeder, der die Schule besucht hat, seit seiner Schulzeit.

Einen wirklichen Nutz- oder gar Mehrwert hat diese Aussage deshalb nicht. Hat der Autor bereits Texte veröffentlicht oder erfolgreich an Schreibwettbewerben teilgenommen, sollte er diese Referenzen angeben. Ansonsten kann er Angaben zu seiner Schreibvergangenheit weglassen.

 

„Das Schreiben hat mir geholfen, meine Rechtschreib- und Grammatikprobleme zu überwinden.“

Es ist zwar ehrenwert, wenn der Autor einräumt, dass er früher Schwierigkeiten im Umgang mit der Sprache hatte. Er ist aber besser beraten, wenn er sich seine Offenheit schenkt. Der Lektor oder Literaturagent wird dadurch nämlich hellhörig. Taucht dann im Anschreiben oder im Manuskript doch noch ein Rechtschreib- oder Grammatikfehler auf, könnte schnell der Verdacht entstehen, dass die Probleme wohl doch nicht ganz überwunden sind.

 

„In meinem Umfeld kam meine Geschichte sehr gut an“ oder „Mein großes Vorbild ist … Beim Schreiben habe ich mich von seinem/ihrem Stil inspirieren lassen.“

Lektoren und Literaturagenten sind Profis und durchaus in der Lage, einen Text selbst zu beurteilen. Außerdem möchten und werden sie sich ihre eigene Meinung bilden. Dass Familie und Freunde den Text toll fanden, ist zwar schön für den Autor. Letztlich sagt dies aber nichts über die Qualität des Manuskripts aus, sondern spiegelt lediglich das gute Verhältnis des Autors zu seinem Umfeld wieder.

Empfehlungen sollte der Autor deshalb nur dann erwähnen, wenn sie von Personen stammen, die sich im Literaturbetrieb einen Namen gemacht haben. Dies können bekannte Autoren, Redakteure namhafter Zeitungen oder Zeitschriften, angesehene Literaturkritiker oder auch Schriftsteller sein, mit denen der Verlag bereits zusammenarbeitet. Allerdings sollte der Autor nicht auf die Idee kommen, Referenzen zu erfinden. Wenn das auffliegt, wird es nämlich sehr, sehr peinlich.

Vergleiche mit dem Stil eines anderen Schriftstellers sollte der Autor ebenfalls nicht ziehen. Der Lektor wird schon selbst bemerken, wenn der Text in einem bestimmten Stil geschrieben ist. Weist der Autor selbst darauf hin, wirkt dies recht arrogant. Zudem läuft der Autor Gefahr, den Eindruck zu erwecken, er habe einen anderen Schriftsteller kopiert, weil er selbst keinen eigenen Stil hat.  

 

Noch ein paar Worte zur Form

Die meisten Verlage bevorzugen Manuskripte, die nicht zusammengeheftet sind, sondern als lose Blätter eingereicht werden. Um sicherzustellen, dass die Seiten nicht durcheinandergeraten und dem Autor zugeordnet werden können, sollte er deshalb jedes Blatt mit einer unaufdringlichen Kopf- oder Fußzeile versehen. In diese Zeile kann er seinen Namen und seine wichtigsten Kontaktdaten eintragen.

Im Anschreiben selbst sollte der Autor seinen vollständigen Namen und seine vollständigen Kontaktdaten, also Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse, angeben. Schließlich sollte der Lektor oder Literaturagent wissen, wo und wie er den Autor erreichen kann.

Zudem gilt, dass das Anschreiben ordentlich, ansprechend und gut lesbar gestaltet sein sollte. Eine angenehme Schrift in lesefreundlicher Größe und genügend Absätze lassen ein Anschreiben gut aussehen. Auf allzu Kreativität sollte der Autor besser verzichten. Bunte Farben, Fettdruck oder Emoticons mögen zwar gut gemeint sein, wirken aber schnell unprofessionell und erinnern zu sehr an einen Werbebrief oder eine private Nachricht. Rechtschreib- und Grammatikfehler haben in dem Anschreiben und der Leseprobe selbstverständlich ebenfalls nichts zu suchen.

Ein vergessenes Komma oder ein Tippfehler werden zwar sicher verziehen werden. Häufen sich die Fehler, wird dies aber die notwendige Sorgfalt vermissen lassen. Als Grundregel gilt außerdem, dass das Anschreiben maximal eine DIN A4-Seite lang sein darf. Ist es länger, sollte der Autor es überarbeiten und alles, was nicht wirklich wichtig ist, kurzerhand wegstreichen.

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