Was ist ein Oxymoron?

Author: admin

Was ist ein Oxymoron?

 

Beim Schreiben geht es nicht nur darum, irgendwelche beliebigen Wörter aneinanderzureihen, um eine bestimmte Aussage zu formulieren. Bei Nachrichten, reinen Informationen oder objektiven Sachtexten mag dies zwar ausreichen. Schließlich steht bei solchen Texten die Aussage tatsächlich im Vordergrund und eine allzu bildhafte Sprache könnte zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führen.

Bei Geschichten, in Gedichten und in anderen Texten, die der Unterhaltung dienen sollen, ist das ein wenig anders. Hier erhält der Text erst dann Ausdruck und Tiefe, wenn der Autor mit der Sprache spielt. Er sucht also nicht nur nach den richtigen Wörtern, sondern wählt bestimmte Formulierungen, um seine Aussagen anschaulicher zu machen, Inhalte zu betonen, bestimmte Gefühle hervorzurufen oder gewisse Reaktionen auszulösen.

Dies wiederum wird durch rhetorische Figuren und Stilmittel möglich. Beliebte Stilmittel sind beispielsweise Vergleiche oder Metaphern. Eine andere rhetorische Figur, die sehr gerne verwendet wird, ist das Oxymoron.

 

Was sich dahinter verbirgt, wird im Folgenden erklärt:

 

Was ist ein Oxymoron?

Ein Oxymoron ist eine Formulierung, die aus zwei Begriffen besteht, die sich gegenseitig widersprechen, Gegensätze zueinander bilden oder sich gegenseitig ausschließen. Dabei kann es sich bei einem Oxymoron um ein zusammengesetztes Wort handeln. Ein Oxymoron kann aber auch gebildet werden, indem einem Hauptwort ein widersprüchliches Wort zugeordnet wird.

Dies wird dann als contradictio in adiecto, zu Deutsch Widerspruch in der Bei- oder Hinzufügung, bezeichnet. Ein Beispiel hierfür ist die Redewendung alter Knabe. Diese Redewendung ist deshalb in sich widersprüchlich, weil ein Knabe ein Kind ist und folglich nicht alt sein kann.

Das Wort Oxymoron selbst leitet sich von den griechischen Vokabeln oxys für scharf(sinnig) und moros für dumm oder stumpf ab. Im Sinne der Wortbedeutung beschreibt ein Oxymoron also etwas scharfsinnig Dummes. Damit ist der Name des rhetorischen Stilmittels selbst ein Oxymoron. Ein Beispiel für ein Oxymoron als zusammengesetztes Wort ist Ausnahmeregel, denn eine Ausnahme stellt einen Sonderfall dar, während die Regel den normalen Standardfall bildet. Zwei andere Beispiele sind Flüssiggas und Minuswachstum.

Flüssiggas ist deshalb ein Oxymoron, weil flüssig und gasförmig zwei verschiedene Aggregatszustände sind und ein Stoff nicht flüssig und gleichzeitig auch gasförmig sein kann. Minuswachstum ist deshalb ein Oxymoron, weil Wachstum einen Zuwachs, eine Vermehrung, eine Zunahme oder eine Steigerung beschreibt, während Minus für eine Minderung oder eine Abnahme steht.

 

Welche Absicht wird verfolgt, wenn ein Oxymoron verwendet wird?

Für jede rhetorische Figur gilt, dass es nur bedingt möglich ist, ihre Funktion, Bedeutung oder Absicht pauschal und allgemeingültig zu beschreiben. Je nach Kontext kann ein Stilmittel sehr unterschiedliche Effekte haben. Zudem kann der Autor mit der Sprache spielen und folglich auch die Funktion einer rhetorischen Figur steuern.

 

Grundsätzlich lassen sich aber drei wesentliche Absichten benennen, wenn ein Oxymoron zum Einsatz kommt:

 

1.       Der Autor möchte die Aussage verstärken. Dafür verwendet er eine in sich widersprüchliche Formulierung, über die der Leser gewissermaßen stolpert. Der Autor kann ein Oxymoron aber auch einsetzen, um eine Aussage nicht nur zu unterstreichen, sondern sie in provokanter Art zu überspitzen.

2.       Der Autor möchte durch das Oxymoron auf die Doppel- oder Mehrdeutigkeit eines Sachverhalts hinweisen. Er möchte verdeutlichen, dass es einen Sowohl-als-auch-Zustand gibt und kombiniert dafür zwei scheinbar gegensätzliche Begriffe oder die beiden jeweiligen Extreme miteinander.

3.       Das Oxymoron ist lustig gemeint, soll also Humor und Witz ausdrücken. Möglich ist aber auch, dass das Oxymoron Ironie oder Sarkasmus wiedergibt.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber, dass nur dann ein Oxymoron vorliegt, wenn der Autor dieses Stilmittel bewusst eingesetzt hat. Manchmal ergeben sich widersprüchliche Wortpaare, Formulierungen oder Aussagen mehr oder weniger zufällig. Dies kann dem allgemeinen Sprachgebrauch, der Unwissenheit des Autors oder einem versehentlichen Fehler geschuldet sein. Ein Oxymoron ist damit aber nicht vorhanden.

Ein Oxymoron entsteht also nicht zufällig oder unbewusst. Voraussetzung dafür, dass eine Formulierung als Oxymoron gilt und so auch verstanden und interpretiert werden muss, ist, dass der Autor sie absichtlich als rhetorisches Stil- und Ausdrucksmittel einsetzt.

 

Beschreibt ein Oxymoron immer einen Widerspruch?

Ein Oxymoron ist ein rhetorisches Stilmittel, das zwei widersprüchliche oder gegensätzliche Begriffe zu einer Einheit verbindet. Allerdings muss die Formulierung selbst nicht immer einen echten Widerspruch meinen. In vielen Fällen ergibt sich die Gegensätzlichkeit lediglich aus der Bedeutung der verwendeten Wörter.

Als Einheit gesehen bilden die Wörter aber einen Begriff oder eine Redewendung mit einem neuen, eigenen Sinn. Ein Beispiel hierfür ist die Redewendung Weniger ist mehr. Weniger ist zunächst das Gegenteil von mehr.

Miteinander kombiniert hat die Redewendung aber eine eigene Bedeutung, nämlich dass es manchmal besser ist, auf etwas zu verzichten. Ein anderes Beispiel ist die Formulierung eingefleischter Vegetarier. Für sich genommen stehen die beiden Wörter im Widerspruch zueinander, denn ein Vegetarier isst kein Fleisch.

Eingefleischt ist hier aber im Sinne von überzeugt gemeint. Andere Beispiele für solche Wortkreationen sind bittersüß, Hassliebe, offenes Geheimnis, vorläufiges Endergebnis oder auch stummer Schrei.

 

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