Wer war Karl May?

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Wer war Karl May?

 

Wenn von Geschichten über den Wilden Westen, Cowboys und die Indianer Nordamerikas die Rede ist, denken die meisten automatisch an Karl May. Kein anderer Schriftsteller hat das Bild von Cowboy und Indianer so sehr geprägt wie er. Auch seine Romane, die über Reisen in den Nahen Osten erzählen, finden bis heute begeisterte Leser.

Doch wer war dieser Karl May eigentlich?

 

Die Kindheit und Jugend Karl Mays

Karl May kam am 25. Februar 1842 im sächsischen Ernstthal zur Welt. Seine Eltern arbeiteten als Weber, verdienten aber kaum genug, um die Familie zu ernähren. Die ärmlichsten Verhältnisse, aber auch der sehr strenge Erziehungsstil der damaligen Zeit ließen Karl May eine schwierige Kindheit erleben.

Wohl mit der Hoffnung, dass es sein Sohn später einmal besser haben sollte, zwang Mays Vater Karl dazu, in jeder freien Minute für die Schule zu lernen. Zusätzlich dazu erhielt der junge Karl May Musikunterricht. Im Alter von zwölf Jahren fing Karl May heimlich mit dem Lesen von Abenteuerromanen an.

Die Flucht in die Phantasiewelt der Romane half ihm dabei, seinen harten Alltag leichter zu ertragen. Karl May verschlang die Romane aber mit soviel Hingabe, dass die Grenzen zwischen Realität und Phantasiewelt zunehmend verschwammen. Diese Problematik sollte ihn zeitlebens begleiten.

Nachdem Karl May die Schule beendet hatte, kam er 1859 in ein Lehrerseminar nach Waldenburg. Um seinen armen Eltern eine Freude zu machen, stahl er dort sechs Kerzen für den Christbaum. Der Diebstahl kam heraus und May musste das Seminar sofort verlassen. Sein Pfarrer verschaffte ihm daraufhin einen Ausbildungsplatz in Plauen, wo er die Prüfung 1860 mit guter Note bestand und als Hilfslehrer angestellt wurde.

Die positive Entwicklung seines Lebens sollte jedoch nicht lange andauern. So gab Karl May der Frau seines Vermieters Klavierunterricht, konnte aber der Versuchung, sie zu küssen, nicht widerstehen. Die Folge war die sofortige Kündigung seiner Schule. Karl May fand zwar Arbeit in einer Fabrik. Allerdings vergaß er die Uhr, die ihm ein Kamerad ausgeliehen hatte, zurückzugeben. Der Besitzer der Uhr zeigte Karl May daraufhin bei der Polizei an.

Die Polizei durchsuchte Karl Mays Wohnung und fand die Uhr tatsächlich dort. Damit war der scheinbare Diebstahl belegt. Karl May wurde abgeführt und zu sechs Wochen Haft verurteilt. Gleichzeitig war damit seine Karriere als Lehrer beendet, denn die Vorstrafe kostete ihn den Platz auf der Liste der Kandidaten für ein Lehramt.

 

Karl Mays Gefängnisaufenthalte

Die Haftstrafe und die verlorene Möglichkeit, als Lehrer zu arbeiten, setzten Karl May sehr zu und führten zu starken psychischen Störungen. Er schloss sich einer Theatergruppe an und zog mit ihr durch die Lande, hielt sich aber auch mit Diebstählen und kleineren Betrügereien über Wasser.

1862 wurde er erneut von der Polizei aufgegriffen und zu einer vierjährigen Haftstrafe in einem Arbeitshaus verurteilt. Karl May musste die Strafe nicht komplett verbüßen. Wieder in Freiheit, setzte er seinen Alltag als Kleinkrimineller fort. 1870 wurde er ein weiteres Mal verhaftet und wegen Landstreicherei erneut für vier Jahre ins Gefängnis gesteckt. Als sich zeigte, dass Karl May offensichtlich unter massiven Identitäts- und Bewusstseinsstörungen litt, wurde die Isolierhaft angeordnet.

Wieder war es ein Pfarrer, dem Karl May eine positive Wendung seines Lebens zu verdanken hat. May freundete sich nämlich mit dem katholischen Gefängnispfarrer an und fand durch ihn zur Religion. Mit dem Spielen der Orgel in der Gefängniskirche entdeckte May einen Zeitvertreib für sich, der ihm Halt gab.

 

Karl Mays erfolgreiches Schaffen als Schriftsteller

1874 konnte Karl May das Gefängnis verlassen und schon kurze Zeit später entstand mit „Die Rose von Ernstthal“ seine erste Erzählung. Die Erzählung wurde veröffentlicht und kam wohl gut an, denn Karl May erhielt das Angebot, als Redakteur für einen Verlag zu arbeiten. In der Folgezeit legte sich Karl May selbst ein enormes Arbeitspensum auf und verfasste massenweise Erzählungen.

In diesem Zuge nahmen auch seine späteren Romanhelden immer mehr Gestalt an. 1875 erschien die erste Erzählung mit der Titelfigur Winnetou, 1879 folgte Old Shatterhand und zwei weitere Jahre später erwachten Kara Ben Nemsi und dessen Diener Hadschi Halef Omar zum Leben.

Schon zu dieser Zeit wurden Karl Mays Werke nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in Frankreich veröffentlicht. Privat hatte Karl May ebenfalls sein Glück gefunden, 1879 fand die Hochzeit mit Emma Pollmer statt.

In den 1880er-Jahren bescherten ihm seine Bücher und Erzählungen ein gutes Einkommen. Er schloss einträgliche Verträge mit Zeitschriften und Verlagen und verdiente so viel, dass er eine chice Villa mit Hauspersonal finanzieren konnte. Seine Arbeitswut war indessen ungebrochen, pro Tag schrieb er mitunter über 100 Manuskriptseiten.

Nachdem Karl May zwischenzeitlich sein Augenmerk auf den Orient gelegt hatte, widmete er sich ab 1890 wieder dem Wilden Westen. Vor allem Old Shatterhand wurde zu einem Spiegelbild seiner selbst. Durch ihn arbeitete Karl May seine beschwerliche Kindheit auf und ihn ließ der Autor Träume und Abenteuer erleben, die er sich selbst wünschte. 1895 bezog Karl May ein Haus in Radebeul, dem er den Namen „Villa Shatterhand“ gab.

Dieses Haus ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie schwer es Karl May offensichtlich fiel, zwischen der Wirklichkeit und der Phantasiewelt zu unterscheiden. An den Wänden hingen Jagdtrophäen wilder Tiere, auf den Böden lagen Felle und in den Räumen waren exotische Kunstobjekte und verschiedenste Waffen verteilt. Diese Utensilien erklärte Karl May als Souvenirs und gleichzeitig Nachweise für seine vielen abenteuerlichen Reisen.

Auch zu spät abgegebene Arbeiten begründete Karl May gerne damit, dass er in der Ferne unterwegs gewesen wäre. Tatsächlich waren die meisten der Kulissen, die er in seinen Erzählungen und Romanen so eindrucksvoll schildert, aber ausschließlich in seinem Kopf entstanden.

 

Der Lebensabend des Karl May

Die späten Jahre gestalteten sich insgesamt schwierig. Einerseits war Karl May als Schriftsteller erfolgreich geworden und hatte nun die Möglichkeit, die Reisen zu unternehmen, auf die er aus Zeit- und Geldmangel so lange hatte warten müssen. 1898 bereiste er zum ersten Mal den Orient und lernte auf dieser Reise die Länder zwischen Ägypten und Indonesien kennen.

Im Folgejahr erkundete er Italien und die Türkei. 1908 brach er zum ersten Mal in die USA auf, beschränkte sich dabei aber auf die Ostküste. Diese Amerikareise sollte die einzige bleiben, seinen Wilden Westen mitsamt den Cowboys und Indianern würde er nicht mehr erleben. 

Karl May war von Anfang an umstritten gewesen. Während ihn die einen verehrten und sich sogar zu Fanclubs zusammenschlossen, konnten andere mit seinen Werken wenig anfangen. Um die Jahrhundertwende herum erreichte die Kritik aber ihren Höhepunkt.

Seine Arbeiten wurden regelrecht verrissen und auch die Attacken auf ihn als Person nahmen zu. Unsittlichkeit, religiöse Heuchelei, rassistische Darstellungen und das falsche Bild des wagemutigen Abenteurers, das er von sich selbst erschaffen hatte, waren nur ein paar der Vorwürfe, mit denen sich Karl May konfrontiert sah. Sogar die Vorstrafen aus seinen jungen Jahren wurden wieder thematisiert. Karl May wusste mit diesen Anfeindungen letztlich nicht umzugehen.

Sein Arbeitseifer schien verloren, während die psychischen Störungen zurückkamen, teils begleitet von körperlichen Leiden. In seinen späten Arbeiten widmete sich Karl May der Philosophie und dem Pazifismus. Doch seine Bücher überzeugten die Leser nicht. Vier Jahre nach seiner ersten und einzigen Reise in die USA erlag Karl May wahrscheinlich einer Lungenentzündung.

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