Wie schreibt man ein Essay? 

Ein Essay ist eine relativ freie Abhandlung einer Fragestellung oder eines Themas. Das Entscheidende dabei ist, dass der Autor die Thematik nicht nur aus seiner Sicht beschreibt, sondern sich kritisch damit auseinandersetzt.

Nur: Wie schreibt man ein Essay?

 

Das Wichtigste auf einen Blick:

·         Im Essay setzt sich der Autor subjektiv und kritisch mit einer Thematik auseinander.

·         Beim Essay geht es nicht darum, die Thematik systematisch aufzuarbeiten, um sie zu beschreiben, zu analysieren oder zu erörtern und dem Leser dadurch verständlich zu machen. Stattdessen soll der Essay die Thematik hinterfragen und die eigene Meinung dazu vermitteln. Außerdem soll der Essay Denkanstöße liefern.

·         Ein Essay braucht einen roten Faden, der den Leser durch den Text leitet.

·         Ein Essay wird in einem eher einfachen Sprachstil geschrieben. Die Aussagen werden knapp und auf den Punkt gebracht formuliert.

·         Der Aufbau folgt dem klassischen Schema aus Einleitung, Hauptteil und Schlussteil.

·         Ein Essay ist meist vier bis fünf Seiten lang.

·         Fußnoten sind eher unüblich. Quellen, die der Autor verwendet hat, werden in einem Literaturverzeichnis am Ende des Essays aufgelistet.

 

Ein kurzer Ausflug in die Geschichte

Wenn es ums Schreiben von Essays geht, macht es durchaus Sinn, einen Blick auf die Geschichte dieser Textgattung zu werfen. Denn aus der Geschichte lässt sich gut ableiten, was ein Essay ausmacht und worauf es ankommt.

Die Geschichte des Essays als literarische Textgattung beginnt im späten Mittelalter. Als Urvater gilt der französische Autor Michel de Montaigne. Er verfasste seinerzeit eine Abhandlung, in der er sich kritisch mit der Adagia auseinandersetzte. Die Adagia ist eine große Sammlung von Redewendungen, Sprüchen und Weisheiten. Das Besondere an seiner Abhandlung war, dass Montaigne in die Rolle eines Fragestellers schlüpfte, der nach Antworten sucht und dazu die Aussagen aus der Adagia kritisch hinterfragt.

Dabei bewertete Montaigne die Aussagen aber nicht und urteilte auch nicht darüber. Ebenso versuchte er nicht, zu belehren und Antworten zu liefern. Stattdessen führte er dem Leser die Problematik vor Augen und warf weitere, interessante Fragen auf, die sich aus seiner persönlichen, subjektiven Sichtweise ergaben.

Francis Bacon entwickelte den Essay weiter. Im Unterschied zu Montaigne näherte er sich dem Thema, über das er schreib, aber nicht nahezu wertungsfrei. Stattdessen verlieh er dem Essay eine moralisierende Komponente. Dazu spitzte er einen Sachverhalt so zu, dass sich daraus ein konsequenter Schluss ableiten ließ.   

Zwischen diesen beiden Urformen ist der Essay heute angesiedelt. Der Essay wird nach wie vor gerne genutzt, um Sachverhalte auf der moralischen Ebene herzuleiten. Generell ist der Autor aber auf dem richtigen Weg, wenn er im Hinterkopf behalt: Ein Essay setzt sich subjektiv und kritisch mit einem Sachverhalt auseinander. Dabei urteilt er aber nicht über den Sachverhalt, sondern hinterfragt ihn nur und vermittelt Gedankengänge und Kommentare, die den Leser zum Weiterdenken anregen. 

 

Worauf kommt es beim Essay an?

Ein Essay setzt sich mit einem Thema, einem Problem oder einer Fragestellung auseinander. Allerdings geht es dabei nicht darum, den Sachverhalt einfach nur zu beschreiben, nüchtern zu analysieren oder sachlich zu erörtern. Stattdessen beleuchtet der Autor den Sachverhalt aus seiner eigenen Sichtweise und schildert seine Gedankengänge dazu.

Im Ergebnis soll der Essay den Leser über den Sachverhalt informieren, ihm die Problematik aufzeigen und ihn dazu anregen, selbst darüber nachzudenken. Der Autor hat deshalb nicht die Funktion eines Lehrmeisters, der mit erhobenem Zeigefinger auftritt und Antworten oder Lösungen liefert.

Vielmehr geht es um folgendes:

·         Der Essay wirft neue Fragen auf. Der Autor beleuchtet das Thema aus seiner Sichtweise und lässt den Leser an seinen Gedanken teilhaben. Dabei kann er den Leser natürlich in eine bestimmte Richtung lenken. Der Autor gibt dem Leser aber keine Denkweise vor, sondern lässt die aufgeworfenen Fragen offen, so dass der Leser sie selbst für sich beantworten kann.

·         Der Autor erklärt dem Leser, wie er zu seinen Ansichten kommt. Welche Meinung vertritt der Autor? Wie hat sich diese Meinung gebildet? Und warum vertritt der Autor diese Ansicht? Beim Essay geht es also weniger darum, die Gedankengänge klar auszuformulieren. Der Autor versucht vielmehr, dem Leser zu verdeutlichen, wie sich seine Gedanken entwickelt haben.

·         Ein Essay ist keine Analyse und keine Erörterung. Deshalb sind die Regeln nicht allzu streng. Der Autor kann seinen Gedanken freien Lauf lassen. Ein gutes Essay kennzeichnet sich durch eine gewisse Leichtigkeit.

·         Ein Essay erklärt sich von selbst. Der Text ist so verfasst, dass der Leser alles versteht und nachvollziehen kann, ohne beispielsweise Fachausdrücke nachschlagen zu müssen.

·         Was die Länge angeht, so umfasst ein Essay meist vier bis fünf Seiten. Abschnitte und Zwischenüberschriften helfen dem Leser dabei, die Übersicht zu bewahren. Zitierte Quellen werden am Ende in einem Literaturverzeichnis zusammengefasst.

 

Wie ist ein Essay aufgebaut?

Wie viele andere Texte gliedert sich auch ein Essay in eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schlussteil.

 

Die Einleitung

In der Einleitung fasst der Autor das Thema, die These oder die Fragestellung knapp und auf den Punkt gebracht zusammen. Außerdem schildert er kurz, welche Bedeutung oder Relevanz die Fragestellung hat. 

Insgesamt fällt die Einleitung bei einem Essay aber recht kurz aus. Deshalb kann der Autor in den Text einsteigen, indem er das Thema benennt und die Kernaussage des Essays vorwegnimmt. So weiß der Leser von Anfang an, worum es geht und was ihn erwartet. Gut ist auch, wenn der Autor in knappen Worten zusammenfasst, wie sein Essay gegliedert ist. Auf diese Weise schafft er einen roten Faden, der den Leser durch den Text führt.

 

Der Hauptteil

Im Hauptteil schildert der Autor seine Sichtweise und seine Gedankengänge. Dabei kann er der Gliederung folgen, die er bereits in der Einleitung angekündigt hat. Wichtig ist aber, dass der Autor die Problematik nicht nur beschreibt. Stattdessen sollte er sich kritisch mit der Problematik auseinandersetzen, also gewissermaßen über die Frage diskutieren. Damit der Leser die Gedankengänge und die Schlüsse, die der Autor daraus zieht, nachvollziehen kann, sollte der Autor seine Aussagen begründen.

Inhaltlich kann der Autor somit im Hauptteil seines Essays folgende Fragen beantworten:

·         Inwieweit teile ich die Ansicht? Warum stimme ich der These zu oder nicht zu?

·         Was ist mein Standpunkt zu der Problematik und warum vertrete ich diese Haltung?

·         Gibt es Beispiele, an denen ich meine Ansichten festmachen kann?

·         Welche Reaktionen könnte es auf meinen Standpunkt geben? Welche Schwierigkeiten könnte meine Meinung mit sich bringen?

·         Wie kann ich kritischen Reaktionen auf meinen Standpunkt begegnen?   

 

Der Schlussteil

Im Schlussteil zieht der Autor sein persönliches Fazit und fasst seine wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammen. Außerdem kann er weitere Fragen aufwerfen oder einen neuen Denkansatz aufzeigen. Allerdings sollte der Autor dann darauf achten, dass sein Essay trotzdem ein in sich geschlossener, stimmiger Text bleibt.

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