Wie schreibt man ein Sachbuch?

 

Wer an Autoren oder gar Schriftsteller denkt, hat meist Romane, Geschichten oder andere unterhaltende Literatur vor Augen. Dabei sind sehr, sehr viele Bücher in den Buchhandlungen, den Bibliotheken und den heimischen Bücherregalen Sachbücher. Und auch hinter Sachbüchern stehen Autoren, die sie geschrieben haben.

Zugegebenermaßen wird sich ein Sachbuchautor vermutlich anderen Themen widmen und eine andere Zielsetzung haben als ein Romanautor. Außerdem wird der Sachbuchautor wahrscheinlich etwas anders vorgehen als ein Schriftsteller, der sein Publikum mit fiktionalen Geschichten unterhalten will.

Aber wie groß sind die Unterschiede wirklich?
Und was unterscheidet ein Sachbuch überhaupt von einem Roman?

 

Was ist ein Sachbuch?

Wie die Bezeichnung andeutet, befasst sich ein Sachbuch mit einer Sache, also einem bestimmten Thema, Sachverhalt oder Gegenstand. Diese Sache soll dem Leser erklärt und nähergebracht werden. Dazu arbeitet das Sachbuch hauptsächlich mit Tatsachen und gar nicht oder nur in begrenztem Umfang mit fiktionalen Inhalten.

So gesehen könnte also das Ziel der Wissensvermittlung mithilfe nichtfiktionaler Angaben das charakteristische Merkmal des Sachbuchs sein.

Ganz so einfach ist es dann aber doch wieder nicht. Gerade bei Sachbüchern für Kinder werden die Inhalte nämlich häufig mit fiktionalen Geschichten angereichert, um das Thema anschaulicher und verständlicher zu machen. Und auch die reine Vermittlung von Wissen sieht sich mit dem Anspruch, dem Leser zumindest in gewissem Umfang auch einen Unterhaltungswert zu bieten, konfrontiert.

Dies lässt sich am Beispiel des Kochbuchs erläutern:

Als Sachbuch würde ein Kochbuch ausschließlich Rezepte auflisten. Um den reinen Informationsgehalt durch Unterhaltsames zu erweitern, enthält ein Kochbuch aber neben Rezepten meist auch Bilder, hilfreiche Zusatztipps und oft kleine Geschichten über die Entstehung der Gerichte oder die Region, aus der sie stammen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass ein Sachbuch praktisch jedes Thema behandeln kann. Angefangen bei Gesundheit, Essen und Trinken oder Länder und Reisen über Geschichte, Politik, Philosophie oder Religion bis hin zu Haustieren, Handarbeiten, Wohnen und Garten oder Technik gibt es letztlich keinen Bereich, der nicht in einem Sachbuch thematisiert werden könnte. Gleichzeitig kann ein Sachbuch mehrere Wissensgebiete streifen, während mehrere Sachbücher aus demselben Wissensgebiet völlig unterschiedlich sein können.

So können sich drei Sachbücher beispielsweise mit dem Thema Seife beschäftigen. Während das erste Sachbuch über die Entstehungsgeschichte und die Verbreitung von Seife berichtet, kann das zweite Sachbuch über die gesundheitlichen Vorzüge und die Risiken für Allergiker beim Gebrauch von Seife informieren und das dritte Sachbuch Ideen und Anleitungen für die eigene Herstellung von verschiedenen Duft-, Pflege- und Geschenkseifen enthalten.

Alle drei Bücher sind Sachbücher und behandeln die Seife, richten sich aber an völlig verschiedene Zielgruppen und stellen gänzlich unterschiedliche Anforderungen an den Autor. Bei einem Sachbuch geht es also nicht nur darum, bestimmtes Wissen über eine Sache zu vermitteln. Wesentliche Merkmale sind ebenso, an wen sich ein Sachbuch richtet und ob es sich als anschauliche Informationsquelle, als eher trockenes Nachschlagewerk oder als praxisorientierter Ratgeber versteht.

Etwas einfacher ist übrigens die Abgrenzung zwischen einem Sachbuch und einem Fachbuch. Während ein Sachbuch nämlich für Laien geschrieben ist, wendet sich ein Fachbuch an Experten. Ein Fachbuch über Seife dürfte folglich Chemiker oder Mediziner ansprechen.

 

Wodurch kennzeichnet sich ein Sachbuchautor?

Ebenso wenig wie es das eine, einzige Sachbuch gibt, gibt es auch nicht den typischen Sachbuchautor. Die Vermutung, dass jemand, der ein Buch über Seife schreiben will, auch etwas über Seife wissen sollte, liegt zwar nahe. In der Praxis sind viele Sachbücher aber Auftragsarbeiten.

Das bedeutet, dass es sich bei dem Autor tatsächlich um jemanden handeln kann, der sich mit Seife auskennt. Oder jemanden, der sich leidenschaftlich für Seife interessiert und sein Wissen mit anderen teilen möchte. Genauso gut könnte es aber auch ein Autor sein, der sich bereits als Sachbuchautor bewährt hat und nun den Auftrag erhält, ein weiteres Sachbuch zu schreiben.

Für diesen Autor heißt das unterm Strich nichts anderes, als dass er nun eben zum Thema Seife recherchieren und die zusammengetragenen Infos dann strukturieren, aufarbeiten und in einen angenehm lesbaren Text verwandeln muss.

Insofern haben der Sachbuchautor und der Romanschreiber einiges gemeinsam. Beide müssen das Schreiben als ihr Handwerk beherrschen und beide müssen in der Lage sein, einen Text zu verfassen, den die Leser gerne lesen möchten. Ob es sich bei dem Text um eine selbst ausgedachte Geschichte handelt, ob der Text eine wahre Begebenheit nacherzählt oder ob der Text ein Sachthema beleuchtet, spielt letztlich keine Rolle.

 

Wie schreibt man ein Sachbuch?

Die vielen verschiedenen Facetten des Genres lassen ein Patentrezept für das Schreiben eines Sachbuchs nicht zu. Entscheidend ist vielmehr, dass sich der Sachbuchautor im Vorfeld Gedanken darüber macht, welche Zielgruppe er mit seinem Sachbuch erreichen will und was er mit seinem Buch bezweckt.

Die anschließende Recherche, durch die sich der Autor in das Thema einarbeitet, Material zusammenträgt und eigene Wissenslücken schließt, kann dann im Wesentlichen folgende Aspekte berücksichtigen:

 

·         Welche Informationen braucht der Leser, um einen Zugang zur behandelten Sache zu finden?

·         Welche Grundbegriffe spielen bei dem Thema eine Rolle? Und welche dieser Grundbegriffe müssen zwingend erläutert werden, damit der Laie die Informationen aus dem Buch tatsächlich nutzen kann?

·         Welche Schwerpunkte soll das Sachbuch behandeln?

·         Wie soll das Sachbuch gegliedert und strukturiert sein?

·         Welche Quellen können für beispielsweise Bilder oder Zusatzinfos genutzt werden?

·         Gibt es bereits Sachbücher zu dem Thema auf dem Markt? Wie sind sie aufgebaut? Soll das eigene Sachbuch ähnlich gestaltet sein oder auf einem neuen, anderen Schema basieren?

 

Viele glauben, dass es bei einem Sachbuch in erster Linie auf die Inhalte und weniger auf die Sprache und den Schreibstil ankommt. Dies ist so aber falsch. Gerade bei einem Sachbuch ist es mitunter gar nicht so einfach, die richtige Balance zwischen Informationsgehalt und ansprechender Schreibweise zu finden.

Sachlich zu schreiben bedeutet schließlich nicht automatisch, trocken, langweilig und schnörkellos zu schreiben. Andererseits kann eine zu originelle Darstellung schnell nach hinten los gehen. Ein allzu kreativ geschriebenes Rezept beispielsweise verfehlt sein Ziel, wenn es kein Leser versteht, geschweige denn nachmachen kann. Der Sachbuchautor sollte natürlich kompetent wirken und in der Lage sein, das Thema anschaulich und verständlich zu erklären. Er darf aber auch nicht oberlehrerhaft und besserwisserisch auftreten.

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