Basiswissen: Wie war das noch mit den Zeitformen im Deutschen?

Wer eine Sprache als Muttersprache oder zumindest regelmäßig spricht, macht vieles automatisch. Das bedeutet, er denkt nicht großartig über den Artikel, die Pluralform oder die Reihenfolge der Wörter in einem Satz nach, sondern weiß einfach intuitiv, wie es richtig heißt. Natürlich kommt dies nicht von ungefähr, sondern wurde irgendwann einmal gelernt und hat sich durch das permanente Anwenden eingeprägt.

Die dazugehörigen Grammatikregeln geraten jedoch oft in Vergessenheit und so kann es selbst einem versierten Muttersprachler schwerfallen, grammatikalische Fachbegriffe zu benennen und zuzuordnen oder zu erklären, wie und warum eine Formulierung ausgerechnet so zustande kommt und nicht anders.

Für diejenigen, die sich oft und viel mit der deutschen Sprache in Wort und Schrift auseinandersetzen, gehört aber gerade die Grammatik zum unabdingbaren Handwerkszeug. Deshalb macht es durchaus Sinn, sein Können und Wissen immer mal wieder aufzufrischen. Genau darum soll es auch im folgenden Text gehen. Konkret beschäftigt sich der Artikel, ganz im Sinne von Basiswissen, mit der Frage:

Wir war das noch mit den Zeitformen im Deutschen?

Grundlegendes zu den Zeiten in der deutschen Sprache

In der deutschen Sprache gibt es sechs verschiedene Zeiten, durch die es möglich wird, eine Aussage oder ein Geschehen zeitlich einzuordnen. Der grammatikalische Fachausdruck für eine Zeitform lautet Tempus, in der Mehrzahl wird von den Tempora gesprochen. Gemeinsam ist allen Zeitformen, dass sie vom Hier und Jetzt ausgehen.

Der Sprecher oder Schreiber nimmt also immer den aktuellen Zeitpunkt als Grundlage und bringt davon ausgehend durch die Wahl der entsprechenden Zeitform die zeitliche Perspektive zum Ausdruck.

Die Zeitform der Gegenwart

Die Form der Gegenwart, das Präsens, ist die Zeitform, die im Deutschen am häufigsten verwendet wird. Dies erklärt sich damit, dass durch das Präsens verschiedene Aussagen ausgedrückt werden. So wird das Präsens zum einen benutzt, um Handlungen oder Sachverhalte, die aktuell stattfinden, zu beschreiben. Zum anderen stehen allgemeine, immer gültige und zeitlose Sachverhalte im Präsens. Beispiele hierfür sind Sprichwörter, Anleitungen, Anweisungen, Rezepte, Regeln, Grundsätze oder Richtlinien.

Im Deutschen wird die Gegenwart aber nicht nur für aktuelle oder allgemeingültige und zeitlose Inhalte verwendet, sondern auch Aussagen, die sich auf die Zukunft oder die Vergangenheit beziehen, können im Präsens stehen. Bei Aussagen, die die Zukunft ausdrücken, ergibt sich die zeitliche Perspektive dann durch Hinweiswörter wie morgen, später, nächste Woche oder im kommenden Jahr.

Manchmal werden auch Ereignisse aus der Vergangenheit im Präsens geschildert (Beispiel: Sie bricht die Schule ab und reist durch die Welt. Erst Jahre später kehrt sie in ihre Heimat zurück und lässt sich hier nieder.). Dies wird als historisches Präsens bezeichnet.

Das Präsens wird gebildet, indem das Verb konjugiert wird: ich gehe, du kochst, er schreibt, wir denken.

Die Zeitformen für die Vergangenheit

 

Für die Vergangenheit gibt es im Deutschen drei verschiedene Zeitformen:

1. Das Präteritum

wird auch einfache Vergangenheit genannt, in älteren Grammatiken wurde mitunter vom Imperfekt gesprochen. Das Präteritum schildert ein Geschehen, das in der Vergangenheit stattgefunden hat und zum jetzigen Zeitpunkt meist schon abgeschlossen ist. Deshalb beschreibt der Sprecher oder Schreiber die Handlung oft auch aus einer gewissen Distanz heraus. Typischerweise wird das Präteritum für Berichte, Geschichten und Märchen verwendet.

Gebildet wird das Präteritum, indem bei regelmäßigen Verben die Endung -te angehängt wird. Bei unregelmäßigen Verben ändert sich der Stammvokal, teilweise tritt zudem ein Umlaut auf oder die Verben bilden eine i-Form: ich ging, du kochtest, er schrieb, wir dachten.

2. Das Perfekt

wird im Deutschen auch als vollendete Gegenwart bezeichnet. Das Perfekt beschreibt ein Geschehen, das in der Gegenwart spielt und bereits abgeschlossen ist, sich aber noch auf die Gegenwart auswirkt. Der Sprecher oder Schreiber schildert die Handlung deshalb oft aus einer gewissen Nähe heraus. Das Perfekt wird oft bei mündlichen Berichten und Erzählungen eingesetzt.

Gebildet wird das Perfekt aus einer Form von haben oder sein und dem Partizip II (Partizip Perfekt) des Hauptverbs: ich bin gegangen, du hast gekocht, er hat geschrieben, wir haben gedacht.

3. Das Plusquamperfekt

heißt in deutschen Grammatiken auch Vorvergangenheit oder vollendete Vergangenheit. Durch das Plusquamperfekt werden zwei Geschehnisse, die beide in der Vergangenheit spielen, zeitlich abgestuft.

Das Plusquamperfekt wird aus einer Form von haben oder sein im Präteritum und dem Partizip II des Hauptverbs gebildet: ich war gegangen, du hattest gekocht, er hatte geschrieben, wir hatten gedacht.

Die Umgangssprache kennt mit dem doppelten Perfekt (sie hat es gesagt gehabt) und dem doppelten Plusquamperfekt (sie hatte es gesagt gehabt) zwei zusätzliche Formen für die Vergangenheit. Diese Zeitformen sind aus grammatikalischer Sicht jedoch falsch.

Die Zeitformen für die Zukunft

 

Um die Zukunft auszudrücken, kennt die deutsche Sprache zwei Zeitformen:

1. Das Futur I

ist die sogenannte einfache Zukunft. Das Futur I kommt zum Einsatz, wenn ein Geschehen beschrieben werden soll, das in der Zukunft stattfindet. Daneben werden Vermutungen häufig durch diese Zeitform ausgedrückt, wobei in den Formulierungen dann oft auch Wörter wie wohl, vermutlich, vielleicht, wahrscheinlich oder voraussichtlich auftauchen. Außerdem wird das Futur I für ausdrückliche Aufforderungen mit Blick auf die Zukunft verwendet (Beispiel: Jetzt wird geschlafen! Das werde ich nicht machen!)

Das Futur I wird aus einer Form von werden und dem Infinitiv des Hauptverbs gebildet: ich werde gehen, du wirst kochen, er wird schreiben, wir werden denken.

2. Das Futur II

nennt sich auch vollendete Zukunft. Durch das Futur II wird ein Geschehen beschrieben, das in der Zukunft abgeschlossen sein wird. Der Sprecher oder Schreiber versetzt die Handlung somit in die Zukunft und schildert die Handlung aus der Zukunftsperspektive heraus so, als habe sie inzwischen stattgefunden und als wäre sie mittlerweile abgeschlossen.

Das Futur II setzt sich aus einer Form von werden, dem Partizip II des Hauptverbs und haben oder sein im Infinitiv zusammen: ich werde gegangen sein, du wirst gekocht haben, er wird geschrieben haben, sie werden gedacht haben.

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