Was ist eine Interpretation?

Was ist eine Interpretation? 

Eine Interpretation erklärt einen Text. Dazu beschreibt sie ihn, wertet ihn aus und deutet ihn.

 

Das Wichtigste auf einen Blick:

·         Eine Interpretation beschreibt, untersucht und deutet einen Text.

·         Eine Interpretation ist nicht nur eine Inhaltsangabe mit Textanalyse. Stattdessen versucht die Interpretation auch, die Bedeutung des Textes, seine Absicht und seine Wirkung zu erläutern.

·         Eine Interpretation kann argumentativ oder paraphrasierend geschrieben werden.

·         Eine Interpretation muss ein in sich stimmiger Aufsatz sein.

 

Was ist eine Interpretation?

Die Interpretation ist eine Form des Aufsatzes. Meist bezieht sich eine Interpretation auf einen literarischen Text wie ein Gedicht, ein Kurzgeschichte oder einen Roman. Aber auch über einen Gebrauchstext wie einen Zeitungsartikel, ein Inserat oder sogar eine Bedienungsanleitung kann eine Interpretation geschrieben werden.

Sinn und Zweck der Interpretation ist, die Bedeutung des Textes zu erschließen. Dazu wird der Text zunächst beschrieben und formal untersucht. Darüber hinaus beschäftigt sich die Interpretation damit, was der Text bedeutet, was der Autor vermutlich ausdrücken wollte und warum es zu welcher Wirkung kommt.

Damit ist die Interpretation mehr als eine Inhaltsangabe oder eine reine Textbeschreibung. Vielmehr beschäftigt sich die Interpretation mit der Wirkung und der Deutung des Textes.

 

Wie wird eine Interpretation geschrieben?

Im Deutschunterricht wird üblicherweise eine Interpretation verlangt, die einem Aufbau in sechs Stufen folgt:

1.       Einleitung: Die Einleitung benennt den Autor, den Titel, das Erscheinungsjahr, die Art, den Kern und die Wirkungsabsichten des Textes. Damit liefert die Einleitung grundlegende Informationen und führt den Leser gleichzeitig zum Thema des Textes und der Interpretation hin. Dabei besteht die Einleitung aber meist nur aus ein, zwei Sätzen.

2.       Inhaltsangabe: Die Inhaltsangabe gibt den Inhalt des Textes in einer verkürzten Form wieder. Verkürzt bedeutet, dass die Inhaltsangabe nicht auf Details eingeht, sondern sich auf das Wesentliche beschränkt. Dazu beschreibt die Inhaltsangabe den Verlauf der Handlung, benennt die wichtigsten Charaktere und erwähnt die entscheidenden Ereignisse. Tauchen in dem Text markante Begriffe auf, die den Text maßgeblich prägen, können sie ebenfalls in die Inhaltsangabe aufgenommen werden.

3.       Interpretationshypothese: Die Interpretationshypothese bildet die Basis der Interpretation. Sie erklärt zum einen das eigene Textverständnis und beschreibt zum anderen das Ziel der Interpretation. Der Verfasser beschreibt hier also, welchen ersten Eindruck er von dem Text hatte, wie der Text auf ihn wirkt und wie diese Wirkung zustande kommt. Außerdem umschreibt er kurz, zu welchem Ergebnis seine Interpretation führen soll. Dabei kann sich der Verfasser in der Hypothese nur auf den Text beziehen. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Verfasser den Text mit einem aktuellen Ereignis oder einem persönlichen Erlebnis in Verbindung bringt.

4.       Formale Analyse: Die formale Analyse befasst sich mit der äußeren Form des Textes. Besonderheiten bei der Wortwahl, der Satzbau, sprachliche Bilder, auffällige Satzverknüpfungen, die Erzählperspektive, die Zeitformen und ähnliche Merkmale stehen hier im Vordergrund.

5.       Deutung: Auf Basis der Interpretationshypothese folgt nun die Deutung des Textes. Hier kommt es darauf an, dass der Verfasser nicht nur beschreibt, sondern wirklich interpretiert. Dazu greift der Verfasser entscheidende Textstellen auf und erklärt, was die Stellen bedeuten, was der Autor ausdrücken wollte und welche Stilmittel der Autor verwendet hat, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Die Textstellen, die der Verfasser als Nachweis für seine Hypothese interpretiert, muss er dabei zitieren und angeben, wo im Text sie stehen.  

6.       Schluss: Als Abschluss wird die Interpretationshypothese noch einmal aufgegriffen und zusammenfassend bewertet.

Diese Gliederung in sechs Abschnitte wird als argumentierendes Interpretieren bezeichnet. Wichtig ist aber, die einzelnen Abschnitte nicht streng voneinander zu trennen. Die Gliederung soll nur eine Art Grundgerüst sein. Eine gute Interpretation kennzeichnet sich dadurch, dass es sich um einen stimmigen, in sich runden Aufsatz handelt, bei dem die einzelnen Abschnitte ineinander übergehen. 

Eine andere Variante der Interpretation ist das paraphrasierende Interpretieren. Diese Form der Interpretation hält sich eng an den Text und erschießt ihn schrittweise. Damit ist die Interpretation genauso aufgebaut wie der Text, der interpretiert wird. Bei einem Gedicht beispielsweise wird erst die erste Strophe, dann die zweite Strophe, danach die dritte Strophe und so weiter analysiert und gedeutet. Der Schlussteil fasst die Ergebnisse und Erkenntnisse dann zusammen.

 

Wie wird eine Erzählung interpretiert?

Bei einem erzählenden Text kann sich der Verfasser grundsätzlich an den sechsstufigen Aufbau halten. Der Aufsatz selbst gliedert sich aber nur in drei Teile:

1.       Einleitung: Die Einleitung benennt die wichtigsten Fakten über den Autor und die Handlung.

2.       Hauptteil: Der Hauptteil beschäftigt sich inhaltlich, formal, biografisch und aus historischer Sicht mit dem Text. Die einzelnen Aspekte werden genannt, beschrieben, erklärt und gedeutet. Um die inhaltlichen Aspekte zu analysieren, wird die Erzählung kurz in chronologischer Reihenfolge zusammengefasst. Außerdem werden die Figuren und ihre Beziehungen zueinander untersucht. Formal sind vor allem die Erzählperspektive, der Aufbau der Geschichte und die sprachliche Gestaltung von Bedeutung. Um die biographischen Aspekte zu interpretieren, kann die Erzählung mit anderen Texten des Autors oder mit Texten anderer Autoren, die sich dem gleichen Thema widmen, verglichen werden. Daneben kann ein Zusammenhang zwischen dem Text und der Biographie des Autors hergestellt werden. Für die historische Deutung werden die Zeit und der Ort, in denen die Geschichte spielt, und die Entstehung des Textes mit dem geschichtlichen Hintergrund verknüpft. Alle Angaben belegt der Verfasser dabei mit passenden Zitaten aus dem Text. 

3.       Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet sie. Er ist somit eine Art Fazit.

 

Das Grundprinzip der Interpretation

Unabhängig davon, welcher Text interpretiert und in welcher Form die Interpretation geschrieben wird, gibt es ein maßgebliches Schema. Dieses Schema wird immer angewendet, wenn etwas interpretiert wird. Es lautet: Was – Wo – Wie. Der Verfasser geht also nach folgendem Grundprinzip vor:

·         Was stellt er fest, was fällt ihm als besonderes Merkmal auf?

·         Wo im Text steht dieses Merkmal?

Wie wirkt dieses Merkmal? Welche Bedeutung hat es und wie kommt es zu der Wirkung?

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