Was ist Prosa? Definition, Formen und Merkmale, 2. Teil

Was ist Prosa? Definition, Formen und Merkmale, 2. Teil

Sehr viele Texte gehören zur Prosa. Doch im Unterschied zu anderen Gattungen gibt es für die Prosa keine typischen Merkmale oder charakteristischen Reime und Verse. Die einzigen echten Kennzeichen sind, dass die Prosa ungebunden ist und es kaum Einschränkungen gibt. In einem zweiteiligen Beitrag schauen wir uns die Prosa einmal näher an. Dabei haben wir die Gattung im 1. Teil definiert. Außerdem haben wir Merkmale und Formen der Prosa genannt.

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Was ist Prosa Definition, Formen und Merkmale, 2. Teil

In diesem 2. Teil kümmern wir uns um die Analyse von prosaischen Texten:

Die richtige Analyse der Prosa

Schon Schüler müssen sich umfassend mit Prosatexten und deren Analyse auseinandersetzen. Textanalysen von Kurzgeschichten, Passagen aus Romanen und Sachtexten sind fester Bestandteil des Deutschunterrichts. Dabei gehören alle diese Texte zur Gattung der Prosa.

Die Analyse kann sich sehr unterschiedlich gestalten. Denn eine Kurzgeschichte muss anders betrachtet werden als ein fiktiver Roman oder ein Sachtext. Allerdings gibt es einige Punkte, die bei jeder Textanalyse eine Rolle spielen.

Dazu gehört die Struktur. So sollte eine Analyse immer mit einer Einleitung und einer kurzen Inhaltsangabe des Textes beginnen. Anschließend leitet eine Deutungshypothese in den Hauptteil über. Im Hauptteil werden sowohl die formalen Aspekte als auch die Inhalte des Textes analysiert. Am Ende bringt ein Fazit das Wichtigste noch einmal auf den Punkt.

Die Textanalyse in der formal richtigen Struktur aufzubauen, ist natürlich wichtig. Anspruchsvoller ist aber, die Inhalte auszuwerten und zu deuten.

Dabei hilft, auf folgende Dinge zu achten:

Rhetorische Mittel

Die Stilmittel spielen in Texten eine zentrale Rolle, egal ob es sich um eine Kurzgeschichte, einen Sachtext oder eine Rede handelt. Die sprachlichen Mittel können bestimmte Aussagen betonen und in den Mittelpunkt rücken, den Klang eines Textes prägen oder dabei helfen, Sachverhalte zu veranschaulichen.

Zu den beliebtesten rhetorischen Mitteln gehören Vergleiche und Metaphern. Sie lassen Bilder entstehen und erläutern Inhalte näher. Andere Stilmittel wie Alliterationen oder Anaphern nehmen Einfluss darauf, wie ein Text klingt. Gleichzeitig können sie Aussagen aber auch hervorheben.

Eine rhetorische Frage wiederum kann zum Nachdenken anregen, ein Argument geschickt in Szene setzen oder auch provozieren. Rhetorische Mittel sind also starke Instrumente, um bestimmte Wirkungen zu erzielen.

Das gilt für Erzählungen genauso wie für Sachtexte.

Bei der Analyse eines Prosatextes ist deshalb wichtig, darauf zu achten, welche Stilmittel der Autor verwendet und was er damit erreicht.

Charaktere

Während in der Lyrik das lyrische Ich mit seinen Wahrnehmungen im Vordergrund steht, bestimmen in Prosatexten oft die Charaktere die Handlung. Das Verhalten der Charaktere und ihre Beziehungen zueinander sind deshalb wichtige Aspekte bei der Textanalyse. Denn die Charakterisierung der Figuren gibt Aufschluss über die Absichten, die der Text verfolgt.

Vor allem in Romanen beschreibt der Autor die einzelnen Charaktere oft sehr ausführlich. Sinnvoll ist deshalb, gezielt auf die Konstellation der Figuren einzugehen.

Außerdem sollte überprüft werden, welche Charaktereigenschaften die einzelnen Figuren ausmachen und wie sie handeln. Wichtig dabei ist, zwischen den tatsächlichen Handlungen und den bloßen Beschreibungen zu unterscheiden. Bei einem Sachtext fällt die Charakterisierung der Figuren weg.

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Raum und Zeit

Vor allem bei einer Kurzgeschichte hat die Beschreibung von Raum und Zeit eine entscheidende Funktion. Denn in der Kurzprosa fasst der Autor Ereignisse entweder zusammen oder dehnt sie andersherum weit aus. Solche Beschreibungen bestimmen das Erzähltempo.

Bei der Analyse wird die erzählte Zeit in Bezug zur Erzählzeit gesetzt. Ist die erzählte Zeit länger als die Erzählzeit, liegt eine Zeitraffung vor. Hier hat der Autor die Geschehnisse nämlich zusammengefasst.

Stimmt die Erzählzeit mit der erzählten Zeit überein, handelt es sich um eine Zeitdeckung. Eine Zeitdehnung ist gegeben, wenn die erzählte Zeit kürzer ist als die Erzählzeit. In diesem Fall hat der Autor die Ereignisse so ausführlich beschrieben, dass das Lesen der Passage weit mehr Zeit in Anspruch nimmt, als der beschriebene Moment eigentlich dauert.

Der Ort, an dem die Handlung spielt, und der Zeitraum, über den sich die Handlung erstreckt, sollten in der Analyse ebenfalls erwähnt werden.

Erzähler

Ein erzählender Prosatext hat immer einen Erzähler. Dieser Erzähler ist aber nicht der Autor. Stattdessen handelt es sich um einen fiktiven Erzähler, der die Geschichte lediglich vermittelt. Der Autor nutzt den Erzähler gewissermaßen als Instrument, um seine Ideen zu kommunizieren.

Dabei kann der Erzähler ein Er- bzw. Sie-Erzähler oder ein Ich-Erzähler sein. Ein Er-/Sie-Erzähler schildert die Geschehnisse als allwissender, personaler oder neutraler Beobachter. Im Unterschied dazu berichtet der Ich-Erzähler direkt aus der Geschichte heraus oder rückblickend.

In einem Sachtext gibt es keinen Erzähler. Hier stellt der Autor seine Erkenntnisse dar und gibt eine persönliche Stellungnahme ab.

Deutungshypothese

Jede Textanalyse erfordert eine Deutungshypothese. Sie ist eine Vermutung über die Kernaussage eines Textes oder die Absichten des Autors. Die Deutungshypothese hält also den ersten Eindruck vom Text fest.

Deshalb wird sie auch ziemlich am Anfang genannt. Im Hauptteil geht es dann darum, anhand der Stilmittel, Beschreibungen und Aussagen auszuführen, ob und inwiefern sich die anfängliche Vermutung bestätigt hat oder nicht.

Analyse von Sachtexten

Neben Kurzgeschichten und Romanen zählen auch Sachtexte zur Gattung der Prosa. Sie erfordern aber eine andere Analyse als erzählende Texte. Bei der Analyse von Sachtexten stehen die Argumente und Absichten des Autors im Mittelpunkt.

Das Ziel muss sein, die Argumentation des Autors logisch zu erfassen und dabei vor allem die Mittel zu beachten, die er einsetzt, um seine Argumente zu untermauern.

Diese Erkenntnisse sollten dann auf die Absichten des Autors übertragen werden, um nachzuvollziehen, was er mit dem Text bezweckt hat und ob dies gelungen ist.

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Gerd Traube, studierter Germanist und Buchautor, geboren 1966, Michaela Lange, geboren 1978, Deutschlehrerin und Privatautorin, Canel Gülcan -Studentin Lehramt Deutsch/Germanistik, sowie Ferya Gülcan Redakteurin und Betreiberin dieser Seite, schreiben hier für Sie/euch alles Wissenswerte zum Thema Schreiben. Ob für Schule, Beruf, angehende Schriftsteller oder Redakteure, wir hoffen, dass unsere Übungen und Anleitungen Ihnen weiterhelfen.

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