Stellungnahme schreiben – Infos und Tipps, Teil 1

Stellungnahme schreiben – Infos und Tipps, Teil 1

Ob im Deutschunterricht, im Beruf oder im Alltag: Es gibt immer wieder Anlässe, die es notwendig machen, mündlich oder schriftlich Stellung zu beziehen. Dabei zielt eine Stellungnahme darauf ab, die eigene Haltung zu einem Thema zu verdeutlichen und plausibel zu erläutern.

Stellungnahme schreiben - Infos und Tipps, Teil 1

Es geht also nicht nur darum, eine andere Person über die eigene Meinung zum Sachverhalt zu informieren. Vielmehr soll die Person die Sichtweise nachvollziehen können und davon überzeugt werden. Deshalb braucht es für eine Stellungnahme gute und logische Argumente.

Dabei kann eine schriftliche Stellungnahme verschiedene Formen haben. Dazu gehören zum Beispiel ein Kommentar, eine Bitte, ein Vorschlag, eine Beschwerde, ein Leserbrief oder die Aussage nach einem Unfall.

Eine mündliche Stellungnahme hingegen wird auch als Statement bezeichnet. Sie kommt unter anderem bei Diskussionen und in Debatten zum Tragen.

Nun ist es aber mitunter schon eine ganze Weile her, dass die letzte Stellungnahme geschrieben werden musste. Vielleicht ist der Schreiber auch zum ersten Mal mit dieser Aufgabe konfrontiert. Damit es leichter fällt, geben wir in einem zweiteiligen Ratgeber Infos und Tipps rund ums Schreiben einer Stellungnahme.

Los geht’s mit Teil 1!:

Was genau ist eine Stellungnahme?

Sobald jemand zu einem Sachverhalt eine bestimmte Position einnimmt, bezieht er bereits Stellung. Selbst wenn er nur äußert, ob er etwas gut findet oder nicht, gibt er schon seine Meinung wieder. Und im Prinzip ist das eine erste Stellungnahme.

Im Deutschunterricht ist die Stellungnahme aber als Vorstufe zur Erörterung gedacht. Sie soll helfen, den Einsatz von Argumenten zu üben. Aus diesem Grund reicht es auch nicht aus, in einer Stellungnahme nur die eigene Meinung zu äußern. Stattdessen muss die Meinung mit Argumenten untermauert werden.

Zunächst einmal braucht der Schreiber also eine These (Behauptung). Die These soll seinen Standpunkt zum Ausdruck bringen. Anschließend muss er nach Argumenten für seine These suchen.

Die Argumente sollen den Standpunkt des Schreibers verdeutlichen, den Sachverhalt aus seiner Sicht beschreiben und seine Überlegungen nachvollziehbar machen.

Das Ziel ist, die eigene Ansicht so schlüssig zu begründen, dass sich ein Dritter der Meinung des Schreibers anschließt oder eine Behauptung, die aus Sicht des Schreibers falsch ist, entkräftet wird.

Was ist die beste Vorgehensweise beim Schreiben einer Stellungnahme?

Eine Stellungnahme kann viele verschiedene Formen haben. Ein allgemeingültiges Patentrezept gibt es deshalb nicht. Schließlich wird der Schreiber einen Kommentar zu einem Zeitungsartikel anders verfassen als eine Beschwerde, einen Leserbrief, eine Erklärung für die Versicherung oder einen Schulaufsatz.

Andererseits besteht eine Stellungnahme, wie fast jeder andere Aufsatz auch, aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schlussteil.

Daher kann sich der Schreiber an diesem Grundschema orientieren und seine Stellungnahme dann an den jeweiligen Kontext anpassen.

Und dabei hat es sich bewährt, wenn der Schreiber in vier Schritten vorgeht:

  1. Die Vorbereitung

Zunächst einmal sollte sich der Schreiber vor Augen führen, warum er die Stellungnahme schreibt und für wen sie bestimmt ist. Denn er darf weder den Sinn und Zweck des Aufsatzes verfehlen noch den Adressat aus dem Blick verlieren.

Bezieht sich die Stellungnahme auf eine Textvorlage, sollte der Schreiber den Text aufmerksam durchlesen. Was besagt der Text? Was ist seine Kernaussage? Welche Argumente führt der Autor an? Hat der Schreiber den Text komplett erfasst und alles verstanden, kann er sich die Aussage oder Passage herauspicken, zu der er Stellung nehmen will.

Gibt es keine Textvorlage, muss sich der Schreiber mit dem Sachverhalt beschäftigen. Was fällt ihm zu dem Thema ein? Wie sieht er das Ganze? Welche Ansichten vertritt er? Hat der Schreiber seinen Standpunkt gefunden, sollte er Informationen zusammentragen. Das klappt am besten, wenn er die W-Fragen – also was, wer, wann, wo, wie und warum – beantwortet.

Danach gilt es, Argumente für den eigenen Standpunkt zu finden. Da es in einer Stellungnahme um die persönliche Meinung geht, sollen und dürfen die Argumente die eigene Haltung widerspiegeln. Der Autor muss es nicht bei Daten und Fakten belassen, sondern kann durchaus aus seiner Sicht heraus werten.

Seine Argumente sollte der Schreiber dann auch gleich nach Stärke ordnen. Dabei steht das schwächste Argument an erster Stelle und das stärkste Argument folgt zuletzt. Auf die verschiedenen Argumenttypen kommen wir noch zu sprechen.

Jedenfalls kann sich der Schreiber noch seine Erfahrungen mit dem Sachverhalt notieren. Diese Gedanken eignen sich nämlich gut für den Schlussteil.

  1. Die Einleitung

Sind die Vorarbeiten erledigt und die Notizen geordnet, kann sich der Schreiber dem Verfassen der Stellungnahme widmen. Los geht es dabei mit der Einleitung.

Die Einleitung soll den Leser auf den Text einstimmen und ihm vermitteln, worum es in der Stellungnahme geht. Deshalb nennt der Schreiber hier alle Angaben, die der Leser wissen muss, damit er den folgenden Text verstehen und richtig einordnen kann.

Der Schreiber erklärt also, zu welchem Thema er Stellung nimmt, warum er das tut und aus welcher Position heraus er das macht. Bezieht sich der Schreiber auf eine Textvorlage, führt er auch die Eckdaten zu dem Text auf.

Außerdem nennt der Schreiber schon in der Einleitung seine These. Diese führt er aber noch nicht aus. Stattdessen stellt er nur seine Behauptung auf, um dem Leser so in kurzer und kompakter Form seine Position zu vermitteln.

  1. Der Hauptteil

Im Hauptteil geht es darum, dem Leser den Standpunkt zu erklären. Dafür geht der Schreiber jetzt ausführlicher auf seine These ein. Um sie zu verdeutlichen und seine Meinung zu stützen, bringt der Schreiber dabei seine Argumente ins Spiel.

Beim Argumentieren sind zwei Dinge wichtig. Der erste Punkt ist, dass der Schreiber mit seinem schwächsten Argument beginnt. Danach steigert er die Argumentation, bis er schließlich zu seinem stärksten Argument kommt.

Der andere Punkt ist, dass der Schreiber jedes Argument mit einem guten, greifbaren Beispiel unterfüttern sollte. Dadurch wird die Argumentation anschaulicher und nachvollziehbarer.

Als Faustregel gilt, dass der Schreiber drei Argumente anführen sollte. Natürlich kann er auch mehr oder weniger Argumente nennen. Hat er aber nur ein oder zwei Argumente, könnte seine Begründung etwas zu dünn rüberkommen.

Führt er andersherum zu viele Argumente auf, könnte sich der Leser überfahren fühlen.

Hinzu kommt, dass eine Stellungnahme keine seitenlange Abhandlung werden soll. Das Ziel ist vielmehr, die Meinung zum Thema schlüssig und auf den Punkt gebracht zu vermitteln. Deshalb reichen wenige, dafür aber gute und überzeugende Argumente aus.

  1. Der Schluss

Der Schlussteil führt den Aufsatz zu Ende und rundet ihn gleichzeitig ab. Dafür greift der Schreiber seine These noch einmal auf und fasst seine Argumentation kurz zusammen. Auf dieser Grundlage zieht er anschließend ein Fazit.

In seinem Fazit kann der Schreiber angeben, wie er selbst das Thema behandeln oder die Fragestellung lösen würde. Je nach Kontext kann der Schreiber einen Vorschlag machen, an den Leser appellieren oder eine konkrete Forderung aufstellen.

Ein guter Trick ist auch, die Stellungnahme mit einer rhetorischen Frage zu beenden. Denn auf diese Weise wird der Leser dazu angeregt, sich seine eigenen Gedanken zum Thema zu machen oder aktiv zu werden.

In Teil 2 nehmen wir uns die verschiedenen Typen von Argumenten vor und verraten ein paar Tipps.

Weitere Erklärung:

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