Bücher von Autoren die spät debütierten

Einige Beispiele für überaus gelungene Bücher

von Autoren, die erst sehr spät debütierten

 

Ebenso wie im Sport, in der Musik, beim Film und in vielen anderen Bereichen gibt es auch in der Literatur Wunderkinder, also Autoren wie Georg Büchner oder Friedrich Schiller, die schon in sehr jungen Jahren ihr literarisches Debüt ablegten. Aber das bedeutet nicht, dass ein Debüt nicht auch in höherem Alter noch möglich wäre. Ganz im Gegenteil gibt es sogar eine ganze Reihe Schriftsteller, die dies erst spät wurden.

Bei einigen verhinderten das alltägliche und berufliche Leben ein früheres Debüt, andere fühlten sich nicht reif oder weise genug und wieder andere fanden erst durch die gesammelte Lebenserfahrung die richtigen Worte für das, was sie sagen und schreiben wollten.

Für all diejenigen, die sich fragen, ob es für ihr Erstlingswerk nicht vielleicht schon zu spät ist, stellt die folgende Übersicht einige Beispiele für überaus gelungene Bücher von Autoren, die erst sehr spät debütierten, vor:

 

Albert Vigoleis Thelen, Debüt mit 50

Literaturkritiker und Leser sind sich gleichermaßen einig, dass Albert Vigoleis Thelen zu den großen Autoren des 20. Jahrhunderts gehört. Der Schriftsteller verbrachte die 1930er-Jahre zusammen mit seiner Frau Beatrice auf Mallorca und hier spielt auch sein Erstlingswerk “Die Insel des zweiten Gesichts”, mit dem er 1953 im Alter von 50 Jahren sein literarisches Debüt gab.

Die Hauptfiguren in dem autobiographischen Abenteuerroman sind Vigoleis und dessen Ehefrau Beatrice. Die beiden kommen nach Mallorca, nachdem sie ein Telegramm erhalten haben, wonach Zwingli, der Bruder von Beatrice, tödlich erkrankt sei.

Später soll sich herausstellen, dass es sich bei seiner Krankheit um die unsterbliche Liebe zu der Prostituierten Maria del Pilar handelt. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich eine Geschichte über Schmuggler, den Spanischen Bürgerkrieg, Prostituierte, Nazis und Literatur, die lebendig, spannend, komisch und sprachlich brillant erzählt wird.   

 

Benoîte Groult, Debüt mit 52

Die 1920 geborene Benoîte Groult stammt aus gutem Hause, wuchs in der Pariser Oberschicht auf und hatte neben ihrer beruflichen Tätigkeit beim Fernsehen schon zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Flora drei Bücher veröffentlicht. Im Alter von 52 Jahren gab sie dann mit dem Roman „Die Dinge, wie sie sind“ ihr Debüt mit ihrem ersten eigenen Buch.

Kernthema der Autorin ist die Selbstverwirklichung der Frau und nachdem für Benoîte Groult hierzu auch Sex dazugehört, schrieb sie recht freizügig darüber. Dies brachte ihr zunächst in Frankreich den Ruf einer pornographischen Skandalautorin ein, heute ist sie eine in ganz Europa angesehene Feministin. Bislang hat die inzwischen 92 Jahre alte Schriftstellerin zehn eigene Bücher veröffentlicht.

Ihr vermutlich bekanntestes Werk ist der Roman „Salz auf unserer Haut“, der 1988 erschien und auch verfilmt wurde. Das Buch erzählt die Geschichte von einer jungen Journalistin und einem bretonischen Fischer, die zwar zu verschieden sind, um als Paar zusammenzuleben, sich aber eine sexuelle Leidenschaft teilen, die sie immer wieder zusammenführt.

 

Louis Begley, Debüt mit 58

Louis Begley, ein Anwalt mit polnisch-jüdischen Wurzeln, nahm sich eine berufliche Auszeit und gab im Alter von 58 Jahren mit dem Roman „Lügen in Zeiten des Krieges“ sein literarisches Debüt. In dem Buch erzählt der kleine Maciek über die Ereignisse des Holocausts in Polen.

Der Junge wächst wohlbehütet in einer jüdischen Arztfamilie auf, bis 1939 der deutsche Überfall auf Polen sein Leben schlagartig verändert und er lernen muss, dass manchmal nur Lügen das Leben retten können. Begleys Erstlingswerk ist sowohl eine ergreifende Geschichte als auch ein Zeitdokument und dem Autor ist es gelungen, das sensible Thema stilsicher und respektvoll zu behandeln, ohne dabei auf Humor zu verzichten.

 

Frank McCourt, Debüt mit 66

Der 1930 geborene Frank McCourt hatte wohl das, was gemeinhin als schwierige Kindheit bezeichnet wird. Sein alkoholkranker und meist arbeitloser Vater verlässt die Familie, um sein Glück in England zu versuchen. Die Familie macht sich auf den Weg in die USA, muss wegen der Weltwirtschaftskrise und der anschließenden Depression aber nach Irland zurückkehren.

Frank Court muss erleben, wie mehrere seiner Geschwister im Kindesalter versterben, er hält sich mit Jobs über Wasser und stiehlt. Mit 18 hat er endlich genug Geld zusammen, um nach New York zurückzukehren, wo er als Lehrer arbeitet. Im Rentenalter schließlich kann sich McCourt endlich dem widmen, was er schon immer tun wollte, nämlich dem Schreiben.

Mit seinem Debüt “Die Asche meiner Mutter”, dem ersten Teil seiner Lebenserinnerungen, gelingt ihm ein Werk, das weltweit ein Beststeller wird. Frank McCourt veröffentlicht später noch zwei weitere Bände mit Erinnerungen aus seinem Leben. 2009 erliegt er einem Hautkrebsleiden.

 

David Abbott, Debüt mit 72

David Abbott gründete eine der erfolgreichsten englischen Werbeagenturen und gehört bis heute zu den geschätzten Werbefachleuten. Ende der 1990er-Jahre entschied sich der Werbeexperte aber dazu, seine Agentur zu verlassen und sich anderen Dingen zuzuwenden.

Im Alter von 72 Jahren schließlich präsentierte er sein literarisches Erstlingswerk „Die späte Ernte des Henry Cage“. Die gleichnamige Titelfigur des Romas ist ein reifer Mann, der seinen geliebten Enkel Hal bei einem Unfall verliert. Henry Cage, der sich die Schuld an dem schrecklichen Ereignis gibt, beginnt daraufhin, über sein bisheriges Leben nachzudenken. David Abbott hat mit einem Buch debütiert, das ohne Sentimentalitäten auskommt und nicht nur lebensklug, sondern auch überaus unterhaltsam ist.

 

Edward Osborne Wilson, Debüt mit 82

Der US-Amerikaner E.O. Wilson ist ein international anerkannter Naturwissenschaftler, der sich insbesondere durch seine Beiträge zur Soziobiologie und Evolutionstheorie einen Namen gemacht hat. Sein Spezialgebiet sind Ameisen, aber anstatt weitere wissenschaftliche Literatur zu veröffentlichen, entscheidet sich Wilson für einen Roman. Sein Debüt “Ameisenroman – Raff Codys Abenteuer”  erzählt die Geschichte eines Jungen, der in Huckleberry-Finn-Manier die unberührte Natur Alabamas erforscht.

Trotz seiner Leidenschaft für die Natur entscheidet sich Raff dazu, Jura zu studieren. Als Erwachsener wartet dann schon bald das nächste große Abenteuer auf ihn, denn eine Immobilienfirma möchte die Landschaft seiner Jugend für sich einnehmen.

Wilsons Buch ist eine Mischung aus Thriller, Parabel und Familiengeschichte, das seine Leser durch überraschende Wendungen, erschreckende Enthüllungen, neue Einblicke in den Sinn des Lebens und nicht zuletzt ein unvergessliches Ende zu begeistern vermag.

 

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