Tipps rund um die dialektische Erörterung

 

Auch wenn sich viele Schüler nicht unbedingt mit der dialektischen Erörterung anfreunden können, so ist diese Form des Aufsatzes trotzdem regelmäßig Thema von Klassenarbeiten im Fach Deutsch. Bei einer dialektischen Erörterung erarbeitet der Verfasser seinen Standpunkt zu der Fragestellung, indem er die Daten und Fakten gegeneinander abwägt und den Sachverhalt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Die Erkenntnisse aus seinen Abwägungen formuliert der Verfasser in Form von Argumenten. Damit werden durch eine dialektische Erörterung gleich mehrere Dinge geübt, nämlich eine strukturierte Arbeitsweise, das analytische Vorgehen, die Annäherung an ein Thema unter Berücksichtigung von verschiedenen Perspektiven und nicht zuletzt die Ausdrucksweise. Insgesamt klingt das alles nun aber viel schwieriger, als es tatsächlich ist.

Der folgende Beitrag verrät ein paar Tipps rund um die dialektische Erörterung.

Damit gelingt der nächste Aufsatz bestimmt gleich doppelt so gut.

 

Die verschiedenen Arten der Erörterung

Die Erörterung lässt sich zunächst einmal in zwei grundlegende Variante einteilen. Zum einen sind das die textgebundene Erörterung und zum anderen die freie Erörterung. Die Grundlage für eine textgebundene Erörterung bildet, wie die Bezeichnung bereits nahelegt, ein Text.

Bei diesem Text kann es sich beispielsweise um einen Zeitungsartikel, einen Ausschnitt aus einem literarischen Werk oder einen beliebigen Aufsatz handeln. Im Unterschied dazu beschäftigt sich die freie Erörterung mit einer frei formulierten Problemstellung, die unabhängig von einer Textvorlage bearbeitet wird.

Das Thema einer freien Erörterung kann letztlich jede beliebige Aussage sein. Dabei lässt sich die freie Erörterung aber auch noch einmal in zwei Typen unterscheiden, nämlich in die lineare und in die dialektische Erörterung:

·         Bei der linearen Erörterung steigt die Wichtigkeit der Argumente linear, also nach und nach an. Dabei ist die lineare Erörterung aber nicht gegensätzlich aufgebaut, sondern führt nur eine Perspektive aus. Dazu beginnt die lineare Erörterung mit einer Einleitung, die in die Thematik einführt und die eigene Haltung beschreibt.

Anschließend werden die Argumente für den eigenen Standpunkt genannt und erklärt. Dabei macht das schwächste Argument den Anfang und danach folgen die weiteren Argumente mit zunehmender Wichtigkeit, bis das stärkste Argument schließlich die Argumentation beendet. Zum Schluss wird eine Art Fazit gezogen, in dem das Gesamturteil zum Ausdruck kommt oder ein Ausblick auf die Zukunft formuliert wird.

 

·         Bei der dialektischen Erörterung wird das Thema aus zwei Blickwinkeln diskutiert. Dabei wird bereits in der Einleitung geschildert, wie vielschichtig das Thema ist und welche Problematiken es in sich birgt. Der Hauptteil widmet sich dann mittels Pro- und Contra-Argumenten der eigentlichen Diskussion. Für den Schlussteil der dialektischen Erörterung gibt es mehrere Möglichkeiten. Dazu gleich mehr.

 

Wann bietet sich welche Variante der Erörterung an?

Wird eine Klassenarbeit geschrieben, ist meist in der Aufgabenstellung vorgegeben, ob eine lineare oder eine dialektische Erörterung gefordert ist. Kann sich der Verfasser die Variante selbst aussuchen, hängt es von der Fragestellung ab, welche Form sich besser eignet:

·         Eine lineare Erörterung bietet sich an, wenn das Thema als offene Fragestellungsstellung (z.B. „Was zeichnet einen gelungenen Aufsatz aus?“) formuliert ist oder eine Aussage kommentiert werden soll.

·         Eine dialektische Erörterung ist die richtige Wahl, wenn schon das Thema als solches einen Gegensatz aufzeigt (z.B. „Das neue Punktesystem in Flensburg – zu streng oder noch immer zu mild?“) oder wenn ein Sachverhalt genannt wird, zu dem verschiedene Haltungen eingenommen werden können. Anders ausgedrückt heißt das: Wenn sich ein Thema eignet, über darüber eine Diskussion zu führen, bietet sich eine dialektische Erörterung an.

 

Der Aufbau einer dialektischen Erörterung

Die dialektische Erörterung konfrontiert den Verfasser mit zwei Schwierigkeiten. So gilt es zum einen, das Thema gegensätzlich zu diskutieren. Zum anderen sollte die Argumentation so aufgebaut sein, dass sie zum eigenen Standpunkt hinführt. Es geht bei der dialektischen Erörterung also nicht nur darum, die kontroversen Aspekte des Themas aufzuzeigen, sondern gleichzeitig kontinuierlich darauf hinzuarbeiten, die eigene Haltung zum Ausdruck zu bringen.

Diese Herausforderung zu meistern, ist aber gar nicht so schwierig wie es scheint. Der Verfasser kann seine dialektische Erörterung nämlich nach einem grundlegenden Schema aufbauen, das drei Abschnitte umfasst:

 

1. Die Einleitung

Die Einleitung nutzt der Verfasser für eine Einführung in das Thema. Dabei kann er die Aktualität der Thematik beschreiben, die Bedeutung für das alltägliche Leben aufzeigen oder den Sachverhalt grundlegend erklären. Außerdem sollte er kurz auf die Problematiken hinweisen, die das Thema aufwirft. Dazu kann er beispielsweise auf die Nachteile oder die größten Kritikpunkte eingehen. Insgesamt sollte die Einleitung aber wirklich nur eine kurze und knappe Einführung bleiben und die eigentliche Diskussion nicht vorwegnehmen.

 

2. Der Hauptteil

Bevor der Verfasser den Hauptteil seiner Erörterung ausformuliert und aufschreibt, sollte er Pro- und Contra-Argumente zusammentragen und diese Argumente nach Wichtigkeit sortieren. Außerdem sollte er festlegen, welchen Standpunkt er in der Sache vertritt. Von seiner Meinung hängt nämlich ab, wie die Diskussion im Hauptteil aufgebaut wird. Der Hauptteil gliedert sich dann in zwei Argumentationsabschnitte:

 

·         Im ersten Abschnitt der Argumentation nennt der Verfasser die Argumente, die den Gegensatz zu einer Haltung bilden. Er nennt und erläutert also die Thesen, die für den Standpunkt sprechen, den der Verfasser selbst nicht einnimmt. Dabei werden die Argumente im ersten Argumentationsabschnitt von sehr wichtig nach weniger wichtig sortiert. Das bedeutet, der Verfasser beginnt mit dem stärksten Argument und endet mit der schwächsten These.

 

·         Im zweiten Abschnitt der Argumentation nennt der Verfasser die Argumente, die seinen Standpunkt beschreiben. Er führt nun also die Thesen aus, die seine Meinung untermauern. Im Unterschied zum ersten Argumentationsabschnitt sortiert der Verfasser seine Argumente nun aber von weniger wichtig nach sehr wichtig. Der zweite Argumentationsabschnitt beginnt somit mit dem schwächsten Argument und endet mit der stärksten These.

 

Dieser Aufbau der Argumentation bietet drei Vorteile. Der erste Vorteil besteht darin, dass es einfacher ist, die Argumente zu gewichten. Der zweite Vorteil ist, dass sich so fast automatisch ein Wendepunkt in der Diskussion und damit ein nachvollziehbarer Übergang zwischen den Pro- und den Contra-Argumenten ergibt.

Der dritte Vorteil ist, dass der Aufbau der Argumentation kontinuierlich auf die Verdeutlichung des eigenen Standpunkts hinarbeitet. Dies liegt daran, dass das stärkste Argument, das für die eigene Haltung spricht, als letztes genannt wird. Dadurch bleibt es besser im Gedächtnis. Im Unterschied dazu steht das stärkste Argument der Gegenseite ganz am Anfang des ersten Argumentationsabschnitts und rückt dadurch in den Hintergrund.  

Grundsätzlich ist es auch möglich, die Pro- und Contra-Argumente nicht in zwei Abschnitten, sondern jeweils im Wechsel zu nennen. Das bedeutet, der Verfasser nennt ein Pro-Argument und stellt ihm direkt ein Contra-Argument gegenüber. Bei diesem Aufbau ist es allerdings schwieriger, die Thesen zu gewichten und die eigene Haltung nachvollziehbar herauszuarbeiten.

 

3. Schlussteil

Um seine dialektische Erörterung abzuschließen, kann der Verfasser den Schlussteil unterschiedlich gestalten. So kann der Verfasser im Schlussteil

  • ·         ein Fazit ziehen und seinen Standpunkt noch einmal wiederholen.
  • ·         auf Problematiken und Fragestellungen hinweisen, die bislang nicht geklärt sind oder ungelöst bleiben werden.
  • ·         den Leser zu einer Haltung vor Vorgehensweise auffordern.

Aussagen aus der Einleitung wiederholen, um so die eigentliche Diskussion einzurahmen.

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