Vampire in der Literatur

 

In der Literatur gibt es kaum ein anderes Wesen, um das sich so viele Mythen, Legenden und Geschichten ranken, wie um den Vampir. Und obwohl es unzählige Bücher gibt, die sich in den verschiedensten Varianten mit dem blutsaugenden Untoten beschäftigen, hat der Vampir bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt. Grund genug, die Vampire in der Literatur einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

 

Die Vorgänger des Vampirs

In fast allen Kulturkreisen der Welt tauchten schon in frühester Zeit Wesen mit vampirähnlichen Zügen auf. Die Angst vor Dämonen, bösen Geistern oder blutrünstigen Ungeheuern war in den Sagen Asiens ebenso ein Thema wie in den Legenden Afrikas oder den Mythen Südamerikas.

So besagt etwa die indische Legende, dass die Göttin Kali einem Dämonen, der bis dahin als unbesiegbar galt, den Kopf abgeschlagen und sein Blut getrunken haben soll. Auch bei den Azteken hatte Blut einen besonders hohen Wert, denn nur Blut soll eine Nahrung gewesen sein, die den Göttern angemessen war. In den antiken Volksglauben waren die blutrünstigen Monster, Dämonen und Ungeheuer allerdings meist keine konkreten Gestalten, sondern vielmehr geheimnisvolle Fabelwesen ohne Gesicht. 

Wie auf den anderen Kontinenten rankten sich auch in Europa zahlreiche Mythen und Geschichten um Dämonen und andere vampirähnliche Gestalten. Allerdings wiesen die europäischen Fabelwesen einen großen Unterschied auf. Sie waren an Blut nämlich meist nicht interessiert. Diese heute charakteristische Vampireigenschaft kam erst später dazu. Ab dem 18. Jahrhundert eroberte der Mythos um den Vampir schließlich vom Balkan aus ganz Europa. Dabei musste dem Volksglauben nach ein Vampir kein blutsaugendes Wesen sein. Diesen Charakterzug erhielt der Vampir erst durch die Literatur.

 

Die Wurzeln des Glaubens an Vampire

Menschen nutzten schon immer Fabelwesen und fiktive Gestalten, um Urängste, geheime Wünsche und unerklärliche Phänomene zu erklären. Beim Mythos um Vampire und Dämonen kommt aber noch die enge Verbindung zum Volksglauben und den Lehren der Religion dazu. So zieht der religiöse Glaube eine klare Linie zwischen Gut und Böse. Verstorbene beispielsweise, die zu Lebzeiten Sünden begangen und Schuld auf sich geladen hatten, wurden lange Zeit für Untote gehalten.

Als Strafe konnten ihre Seelen keine Ruhe finden, sondern irrten in einer Zwischenwelt umher. Das Gegenstück zu den bösen Untoten waren die Guten, hauptsächlich in der Gestalt von Engeln. Im Mittelalter gab es überhaupt keinen Zweifel daran, dass sowohl Schutzengel als auch Dämonen existierten. Selbst die Aufklärung konnte nichts daran ändern, dass die Menschen weit über das 18. Jahrhundert hinaus immer wieder sicher waren, einen Vampir entdeckt zu haben. Ein solcher Vampir war dann auch eine willkommene Erklärung für Vorkommnisse und Geschehen, die mit dem Verstand nicht zu erklären waren. 

 

Graf Dracula als Inbegriff des Vampirs

1897 wurde der Roman um Graf Dracula des irischen Schriftstellers Bram Stoker erstmals veröffentlicht. Stokers Figur, ein schaurig-schöner Aristokrat mit heller Haut und auffälligen Eckzähnen, der ein geheimnisvolles Schloss in Transsilvanien bewohnte, wurde nicht nur zum Titelhelden des Romans. Hatte es zuvor vampirähnliche Wesen in den verschiedensten Varianten und mit den unterschiedlichsten Eigenschaften gegeben, wurde nun Graf Dracula zum Inbegriff dessen, was wir bis heute unter einem typischen Vampir verstehen.

Obwohl der Roman Fiktion ist, dienten Bram Stoker durchaus reale Personen und Orte als Vorlage. Der Titelheld beispielsweise geht auf den Fürsten Vlad Tepes zurück. Der Fürst wurde auch Vlad Draculea, zu Deutsch Sohn des Drachen, genannt und wegen seiner grausamen Taten als “Der Pfähler” berühmt. Auch Transsilvanien als Schauplatz des Geschehens war keine zufällige Wahl.

Bram Stoker hatte die Region zwar selbst nie besucht, wusste aber, dass der Glaube an Vampire in Osteuropa sehr präsent war. Die Menschen hier waren sich sicher, dass der Leichnam eines Verstorbenen erst dann verwesen würde, wenn der Tote seine Sünden verbüßt hatte. Begünstigt wurde dieser Glaube durch das Klima und die Beschaffenheit der Erde. Sie sorgten dafür, dass die Verwesung erst sehr spät einsetzte und nur sehr langsam voranschritt. Dadurch sahen die Verstorbenen wie Vampire aus.

 

Die typischen Eigenschaften von Vampiren

In der Literatur und auch im Film sind Vampire Untote und damit Tote, die leben. Als Nahrung, die ihnen Energie spendet und sie am Leben erhält, brauchen Vampire Blut. Dazu beißen sie einer lebenden Person meist in den Hals und saugen dann das Blut aus ihr heraus. Bei einigen Vampiren führt der Biss zum Tod der Person, bei anderen Vampirfiguren wird die gebissene Person ebenfalls zu einem Vampir. Viele Vampire können eine andere Gestalt annehmen oder sich unsichtbar machen.

Manche Vampire entwickeln die langen Eckzähne um Mitternacht oder kurz vor einem Biss, andere Vampire sind immer als solche erkennbar. Generell sind Vampire nachts aktiv, während sie tagsüber in Särgen schlafen. Während Stokers Graf Dracula keine Angst vor dem Sonnenlicht hat, sind moderne Vampirfiguren meistens Gestalten, die den Schutz der Dunkelheit suchen und beim Kontakt mit Sonnenlicht zu Staub zerfallen. Als Untote haben Vampire kein Spiegelbild und ein normaler, natürlicher Tod ist bei ihnen ausgeschlossen.

Um einen Vampir zu töten, hilft neben der Sonne oder dem Feuer nur ein Holzpflock, der der Gestalt durch das Herz gestoßen werden muss. Insgesamt sind Vampire aber kaum zu besiegen, denn sie haben meist überdurchschnittliche Kräfte. Deshalb ist es besser, Vampire abzuwehren. Probate Mittel hierfür sind Knoblauch und religiöse Gegenstände wie Weihwasser oder ein Kreuz. Es gibt aber eine noch einfachere Methode, um einen Vampir effektiv abzuwehren. Diese besteht darin, den Vampir nicht hereinzubitten. Ein Vampir betritt ein Haus nämlich erst und nur, nachdem er dazu aufgefordert wurde. 

 

Vampire in der Literatur heute

Romane und Geschichten, die von Vampiren erzählen, greifen immer auch die Themen auf, die die Menschen seit jeher bewegen, interessieren und faszinieren. Zu diesen Themen gehören die Liebe und die Sexualität, die Moral und die Unmoral, die Unsterblichkeit, der Tod und die Religion. Kombiniert mit Blut als Lebenssaft, dem Geheimnisvollen, dem Mystischen und einer Spur gruseligem Horror sind ideale Zutaten für eine spannende Story vorhanden.

Dass Vampirgeschichten auch heute noch angesagt sind und es neue Werke regelmäßig auf die Bestsellerlisten schaffen, liegt daran, dass Vampirgeschichten problemlos aktuelle Themen aufgreifen können. Dadurch erhalten die Geschichten eine individuelle Note und eine zeitgemäße Form und die bewährten Motive zeigen neue Facetten. Weitere Abwandlungsmöglichkeiten ergeben sich durch verschiedene Mischformen, beispielsweise indem Vampire zusammen mit Werwölfen oder auch komplett neu geschaffenen Wesen auftreten.

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Thema: Vampire in der Literatur

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