Gedichte selber schreiben

Gedichte selber schreiben 

Aus dem Stehgreif heraus ein gutes Gedicht zu schreiben, ist gar nicht so einfach. Und es gibt auch keine allgemeingültige Anleitung. Aber es gibt einige Tipps, an denen sich der Dichter orientieren kann.

Ob nur für sich selbst, um Erlebnisse zu verarbeiten, für einen Gedichtband, als Glückwunschtext oder zum Vortragen auf einer Feier: Es gibt viele verschiedene Gründe und Anlässe, die mehr oder weniger erfahrene Dichter dazu veranlassen, eigene Gedichte zu schreiben.

Allerdings ist längst nicht jeder Text, der dabei herauskommt, ein Text, der es tatsächlich verdient, Gedicht, Poesie oder Lyrik genannt zu werden. Denn allein Reime machen noch kein Gedicht aus, ein Text mit vielen klangvollen Metaphern ist noch keine Poesie und eine kunstvolle Aneinanderreihung von Wörtern wird nicht automatisch zur Lyrik. 

Aber das soll natürlich nicht bedeuten, dass Hobby-Dichter keine guten Gedichte selber schreiben können oder sollen. Ganz im Gegenteil sind Gedichte prima dazu geeignet, um mit der Sprache zu spielen, Gefühle auszudrücken, anderen Einblicke in die eigene Gedankenwelt zu gewähren, Botschaften zu vermitteln oder auf sehr persönliche Art zu gratulieren. Nur: So etwas wie ein Strickmuster für gelungene Gedichte gibt es nicht. Gleiches gilt für eine allgemeingültige Anleitung, die der Hobby-Dichter einfach nur Schritt für Schritt nacharbeiten muss. Allerdings gibt es eine Art grundlegende Vorgehensweise und natürlich ein paar Tipps, an denen sich der Dichter orientieren kann.

 

Gedichte selber schreiben: das Thema wählen

Bevor der Dichter loslegen kann, braucht er zunächst einmal eine ungefähre Idee, in welche Richtung es gehen soll. Natürlich ist diese Idee nicht in Stein gemeißelt und der Dichter kann selbstverständlich Veränderungen vornehmen oder nachjustieren. Genauso ist möglich, dass sich das Gedicht beim Schreiben in eine andere Richtung entwickelt oder dem Dichter weitere Ideen in den Sinn kommen. Trotzdem sollte der Dichter das Thema und seine Intension grob festlegen.

Dabei können folgende Fragen helfen:

·         Für wen ist das Gedicht? Wen soll das Gedicht ansprechen oder erreichen?

·         Was ist der Anlass für das Gedicht? Warum wird es geschrieben?

·         Was bezweckt das Gedicht? Will es unterhalten, Freude bereiten, eine besondere Botschaft vermitteln oder ein bestimmtes Thema zur Sprache bringen?

·         Welche Stimmung soll das Gedicht haben? Welche Gefühlslage soll es transportieren oder ansprechen? Fröhlich, lustig, nachdenklich, kritisch?

 

Gedichte selber schreiben: für eine Form entscheiden

Die nächste Entscheidung, die der Dichter treffen muss, ist, welche Form sein Gedicht haben soll. Nun gibt es hier natürlich sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Für den Hobby-Dichter dürften aber zwei grundlegende Varianten im Vordergrund stehen, nämlich das gereimte und das ungereimte Gedicht.

Und spontan denken die meisten Hobby-Dichter an ein Gedicht in Reimen. Denn für viele ist ein Gedicht einfach nur dann ein richtiges Gedicht, wenn es gereimt ist. Außerdem klingen Reime irgendwie netter und schöner.

 

Gereimte Gedichte schreiben

Auch wenn Reime für viele Dichter zu einem Gedicht untrennbar dazugehören, ist das Reimen ganz schön anspruchsvoll. Das liegt aber weniger daran, dass es schwierig ist, Wörter zu finden, die sich reimen. Wenn der Dichter über einen halbwegs soliden Wortschatz verfügt, wird er schnell Kombinationen finden. Und falls nicht, kann er in einem Reimbuch nachschlagen oder sich mögliche Reime auf einschlägigen Internetseiten anzeigen lassen.

Die Schwierigkeiten beim Reimen liegen woanders. Das erste Problem ist, dass viele Reime schon so oft bemüht wurden, dass sie keinen Leser mehr begeistern können. Kuss und Schluss, Herz und Schmerz oder Torte und Worte (bei Geburtstags- und Hochzeitsgedichten) sind Beispiele für solche abgenutzten Kombinationen.

Das zweite Problem ist, dass der Dichter Formulierungen finden muss, die einen Sinn ergeben und sich halbwegs normal anhören. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass der Dichter die jeweilige Formulierung so wählen musste, damit er seinen Reim irgendwie unterbringt. Und als dritte Schwierigkeit kommt dann auch noch das Versmaß dazu.

 

Was bedeutet Versmaß?

Das Versmaß ist der Rhythmus des Gedichts. Und damit der Rhythmus flüssig und stimmig klingt, müssen zwei Faktoren zusammenkommen, nämlich zum einen die Anzahl der Silben pro Zeile und zum anderen die Betonungen der einzelnen Wörter. Am Anfang kann sich der Dichter damit behelfen, dass er die Silben zählt:

 

Kann der Dichter Silben zählen, (8 Silben)

kann er schöne Reime wählen. (8 Silben)

 

Allein mit dem Zählen der Silben ist es aber nicht getan. Denn wenn die Wörter im Gedicht anders betont werden müssen als im normalen Sprachgebrauch üblich, klingt das Gedicht holprig, selbst wenn die Silbenzahl gleich ist. Hier kann sich der Dichter behelfen, indem er die betonten Silben markiert. Auf diese Weise sieht er, ob die Betonungen in den Zeilen, die zusammengehören, gleich sind. Falls nicht, kann er seine Wörter entsprechend umstellen oder die Zeile umformulieren. Ungleiche Silbezahlen können durch die Betonung kaschiert werden. Andersherum klappt das eher selten.

Nun wäre das Dichten aber keine große Kunst, wenn das schon alles wäre. Tatsächlich gibt es viele verschiedene Reimschemata und Versmaße, die der Dichter nutzen und auch miteinander mischen kann. Und er kann ganz eigene Wege gehen, wobei er sich dann schon im experimentellen Bereich befindet. Auf all das näher einzugehen, würde an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen.

 

Ungereimte Gedichte schreiben

Ein Gedicht ohne Reime zu verfassen, ist oft einfacher. Dafür spielt bei einem ungereimten Gedicht der Rhythmus eine noch viel größere Rolle als bei einem gereimten Gedicht. Harte Brüche im Betonungsmuster sollte der Dichter möglichst vermeiden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die bisher aufgebaute Stimmung mit einem Schlag kaputt ist. Andererseits kann der Dichter solche Brüche aber natürlich auch ganz bewusst und gezielt als Stilmittel einsetzen.

Bei ungereimten Gedichten kann der Dichter mit der Sprache spielen. Denn er muss ja nicht darauf achten, Formulierungen zu finden, sich reimen. Deshalb wird in ungereimten Gedichten gerne eine bildhafte und gefühlvolle Sprache verwendet.

Ähnlich wie bei den klassischen Reimkombinationen sollte der Dichter aber auch bei seinen Metaphern darauf achten, dass er keine abgenutzten Standardbilder verwendet. Die Augen, die wie Sterne funkeln, die Seele, die so schwarz ist wie die Nacht, oder die blauen Augen, die so tief sind wie das Meer, sind Bilder, die jeder Leser schon zu oft gehört hat.

 

Gedichte selber schreiben: nicht beirren lassen

Jeder Leser liest und interpretiert ein Gedicht anders. Das liegt zum einen daran, dass jeder Leser seine eigenen Erfahrungen zugrunde legt, wenn er über das Gedicht und dessen Inhalte nachdenkt. Zum anderen hat jeder Leser nun einmal seinen persönlichen Geschmack.

Hätte der Dichter dasselbe Thema nicht in einem Gedicht, sondern in einer Kurzgeschichte oder einem Roman verarbeitet, würde die Resonanz ganz anders ausfallen. Das ist normal und gehört beim Gedichte schreiben dazu, macht aber auch ein Stück weit den besonderen Reiz aus. Der Dichter sollte sich deshalb auf keinen Fall entmutigen lassen.

Wenn seine Gedichte ehrlich sind und er sich darin treu bleibt, ist das eben sein Stil. Kritik sollte er annehmen und prüfen, was er davon für sich verwerten kann. Alles andere ist lediglich die persönliche Meinung des jeweiligen Lesers. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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