Rechtschreibreform 2017: Das ist neu 

Es ist mal wieder soweit: Das amtliche Regelwerk zur Rechtschreibung wurde an einigen Stellen geändert. Die wichtigsten Neuerungen fassen wir in diesem Beitrag zusammen.

Das Thema Rechtschreibreform führt regelmäßig zu langen und leidenschaftlichen Diskussionen zwischen den Befürwortern und den Kritikern. Es dauert lange, bis eine Einigung erzielt ist. Doch selbst wenn dann neue Regeln ausgearbeitet und beschlossen wurden, gehen die Diskussionen weiter. Und die Änderungen halten nur langsam Einzug in den Schreiballtag. Dabei ist die Idee hinter den neuen Rechtschreibregeln gar nicht schlecht.

Die neuen Regeln sollen die geschriebene Sprache nämlich modernisieren, an den tatsächlichen Sprachgebrauch anpassen und zudem vereinfachen. Nur heißt das für viele eben auch, dass sie umlernen und sich an die neuen Rechtschreibregeln gewöhnen müssen. Wirklich leichter wird die Rechtschreibung für sie dadurch nicht. Ganz im Gegenteil sorgen neue Rechtschreibregeln zunächst einmal für Verunsicherung.

Hinzu kommt, dass sich heutzutage sehr viele ohnehin auf die Rechtschreibungsprüfung ihres Textverarbeitungsprogramms verlassen. Und bei digitalen Kurznachrichten spielt die Rechtschreibung nur eine untergeordnete Rolle. Aber es hilft alles nichts: Einige neue Rechtschreibregeln wurden beschlossen und treten ab sofort in Kraft.

 

Die große Rechtschreibreform 1996

Eine erste, umfassende Rechtschreibreform gab es 1996. Damals wurden sehr viele Änderungen beschlossen. So wurde aus dem Tip beispielsweise der Tipp, der Mißstand verwandelte sich in den Missstand und aus der Brennessel wurde die Brennnessel. Der Delphin konnte fortan entweder als Delphin oder als Delfin durchs Wasser schwimmen, ein 8jähriges Kind war jetzt ein 8-jähriges Kind und was einem zuvor angst und bange gemacht hatte, machte einem nun Angst und Bange.

Es hieß nicht mehr warmlaufen, sondern warmlaufen, und zur Zeit verschmolz zu zurzeit. Wenn ein Wort wie flackern getrennt werden musste, verschob sich die Trennung hinter das ck. Aus flak-kern wurde somit fla-ckern.   

Doch die Rechtschreibreform löste nicht nur zu Beginn hitzige Debatten aus, sondern blieb umstritten. Auch in den Folgejahren rissen die Diskussionen nicht ab. Aus diesem Grund wurde 2004 ein Rechtschreibrat ins Leben gerufen. Er sollte Kompromisse finden, um so den Sprachfrieden wiederherzustellen. Der Rechtschreibrat besteht aus Mitgliedern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien. Seit 2004 ist der Rechtschreibrat die maßgebliche Instanz, wenn es um die Rechtschreibung der deutschen Sprache geht.  

 

Weitere Änderungen in den Jahren 2004 und 2006

2004 folgten ein paar weitere Änderungen am Regelwerk. Seinerzeit wurden vor allem zusätzliche Schreibweisen zugelassen. Nur zwei Jahre später gab es erneut Neuregelungen. Dabei stand im Vordergrund, inzwischen veraltete Schreibweisen für ungültig zu erklären. Zum 1. August 2007 traten die neuen Rechtschreibregeln in Kraft und die beschlossenen Änderungen wurden für alle verbindlich. Aber die Debatten waren damit noch lange nicht beendet. Vielmehr wurde eifrig weiterdiskutiert, wie die deutsche Rechtschreibung optimiert werden könnte.

 

Rechtschreibreform 2017: Das ist neu

Jetzt ändern sich die amtlichen Rechtschreibregeln ein weiteres Mal. Es ist zwar nicht die ganz große Rechtschreibreform, aber ein paar auffällige Änderungen gibt es eben doch. Die wichtigsten Neuerungen sind folgende:

 

Das ß gibt es nun auch als Großbuchstaben.

Die größte und wichtigste Neuerung ist, dass es ab sofort einen neuen Großbuchstaben gibt. Das ß, auch als scharfes S oder Eszett bezeichnet, gab es bislang nur als Kleinbuchstabe. Um es großzuschreiben, wurde es durch ein Doppel-S ersetzt. Allerdings führte das mitunter zu Unklarheiten, vor allem im Zusammenhang mit Eigennamen. Wenn jemand mit Nachnamen beispielsweise Roßner heißt, steht in einem Ausweisdokument wegen der Großschreibung ROSSNER.

Daraus lässt sich aber nicht ablesen, ob der Familienname der Person tatsächlich Rossner oder Roßner lautet. Der Rechtschreibrat sah hier Handlungsbedarf und führte deshalb den neuen Großbuchstaben ein. Dabei sieht das große ß wie eine Mischung aus dem kleingeschriebenen ß und einem großgeschriebenen B aus. 

 

Bei einigen Redewendungen dürfen die Adjektive großgeschrieben werden.

Neu ist auch, dass bei bestimmten Redewendungen das Adjektiv künftig großgeschrieben werden darf. Dies gilt beispielsweise für Goldene Hochzeit, Neues Jahr oder auch die Deutsche Sprache. Durch die Großschreibung des Adjektivs soll verdeutlicht werden, dass es sich um einen zusammenhängenden, feststehenden Begriff handelt.

Allerdings hat der Rechtschreibrat nicht alle sprachlichen Tendenzen berücksichtigt. So heißt es beispielsweise auch in Zukunft herzlich willkommen, während herzlich Willkommen weiterhin falsch bleibt.

 

Eingedeutschte Schreibweisen bei Fremdwörtern entfallen.

Im Zuge der vorhergehenden Reformen wurden verschiedene Schreibweisen für Wörter erlaubt, die in die deutsche Sprache eingeflossen waren. Der Schreiber konnte selbst entscheiden, ob er die ursprüngliche Schreibweise oder die eingedeutschte Version verwenden wollte. Damit ist ab sofort Schluss. Viele Schreibweisen wurden gestrichen und werden künftig in Diktaten als Fehler gewertet. Hier ein paar Beispiele:

 

bisher zulässigab jetzt nur noch
KetschupKetchup
GrislibärGrizzlybär
JogaYoga
MajonäseMayonnaise
KompliceKomplize
WandalismusVandalismus
VarieteeVarieté
RoulettRoulette

 

Der Bindestrich kommt häufiger zum Einsatz.

Ab sofort werden mehr Wörter mit Bindestrich geschrieben. Der Co-Trainer oder der Ex-Regierungschef sind zwei Beispiele. Die Schreibung mit dem Bindestrich soll das Textverständnis vereinfachen und das Lesen zugleich angenehmer für die Augen machen.

 

Die neuen Regeln sind ab sofort wirksam!

Die neuen Rechtschreibregeln wurden vom Rechtschreibrat beschlossen und anschließend von der deutschen Kultusministerkonferenz und den staatlichen Stellen der übrigen Mitgliederländer bestätigt. Dadurch sind sie ab sofort im gesamten deutschsprachigen Raum wirksam.

Wer sich ausführlich über alle Rechtschreibregeln und sämtliche Neuerungen informieren möchte, findet auf der Internetseite des Rechtschreibrates ein Regelverzeichnis und ein Wörterverzeichnis.

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