Hörtexte schreiben – Infos und Tipps 

Es ist ein großer Unterschied, ob jemand einen Text liest oder ob er diesen Text hört. Doch was heißt das für das Schreiben von Hörtexten?

Hier sind Infos und Tipps!

Ob Hörbuch, Podcast, Radio oder Fernsehen: Oft werden solche Medien eher nebenbei genutzt. So werden die Texte beispielsweise während einer Autofahrt, beim Joggen oder während der Hausarbeit gehört. Dadurch kann es aber schnell zu Ablenkungen kommen. Und selbst wenn sich der Hörer ganz bewusst auf den Text konzentriert, kann es passieren, dass er nicht ganz folgen kann. Ein Grund hierfür ist, dass der Hörer die Inhalte linear aufnimmt.

Er hört den Text also Zeile für Zeile in der Reihenfolge, in der der Sprecher ihn vorliest. Der Hörer kann nicht zwischen den Sätzen hin- und herwechseln oder erst einen Abschnitt lesen und dann zu einem anderen Abschnitt springen. Hinzu kommt, dass der Leser oft gar nicht weiß, was ihn überhaupt erwartet. Ein anderer Grund ist, dass der Hörer auf den Sprecher angewiesen ist. Der Sprecher bestimmt darüber, wie schnell der Text vorgetragen wird. Rein technisch hätte der Hörer zwar je nach Medium und Abspielgerät die Möglichkeit, zurückzuspulen und die Wiedergabegeschwindigkeit anders einzustellen. In der Praxis wird das der Höher aber nur selten tun.

Und was heißt das alles jetzt für denjenigen, der Hörtexte schreibt? Zunächst einmal sollte er sich beim Schreiben weniger an der geschriebenen, sondern vor allem an der gesprochenen Sprache orientieren.

Zusätzlich dazu sollte er die folgenden Tipps beherzigen:

 

Tipp 1: klare Struktur

Bei einem geschriebenen Text sieht der Leser Absätze, Zwischenüberschriften, Aufzählungszeichen und vielleicht auch Fotos oder Grafiken. Zudem sieht er, wie lang der Text ist. Bei einem Hörtext ist all das nicht gegeben. Hier kennt der Hörer nur den Titel. Alles andere erfährt er erst dann, wenn er sich den Text anhört. Deshalb sollte der Autor seinen Text klar strukturieren, um dem Hörer auf diese Weise eine Orientierungshilfe zu bieten.

Sinnvoll ist, mit einer kurzen Zusammenfassung zu beginnen. Ein kreativer, wortgewandter Einstieg mag bei einem geschriebenen Text dafür sorgen, dass der Leser neugierig wird und Lust bekommt, den Text zu lesen. Bei einem Hörtext möchte der Hörer aber in erster Linie wissen, worum es geht.

Im weiteren Verlauf kann der Autor dann immer wieder Orientierungspunkte einbauen. So kann er einzelne Absätze beispielsweise nummerieren oder mit Kurzerklärungen einleiten, beispielsweise so: “Ich möchte Ihnen fünf Methoden vorstellen … Die erste Methode nennt sich … Die fünfte und letzte Methode bezieht sich auf … Zum Schluss habe ich noch folgenden Tipp …” 

 

Tipp 2: eine Information pro Satz

Ein Hörtext wird in aller Regel länger sein als ein Text zum Lesen. Der Grund hierfür ist, dass die Informationen bei einem Hörtext nicht so verdichtet sein dürfen wie bei einem Text, den der Leser liest. Mehrere Angaben als Aufzählung, lange, verschachtelte Sätze oder eingeschobene Bemerkungen sind bei einem Hörtext keine gute Idee.

Denn der Hörer wird es schwer haben, den Inhalten zu folgen. Für Hörtexte gilt deshalb, dass sich jeder Satz auf eine Information beschränken sollte. Wichtig ist außerdem, die Sätze so zu formulieren, dass sie auf Anhieb und ohne große Überlegungen verstanden werden. Der Hörer hat keine Zeit, darüber nachzudenken, was der Autor wohl gemeint haben könnte, denn der Text läuft weiter. Aus diesem Grund sollte der Autor auch keine Informationen weglassen. Anders als beispielsweise Zeitungsartikel werden Hörtexte grundsätzlich nicht gekürzt.

Wiederholungen helfen dem Hörer ebenfalls dabei, den Inhalten zu folgen. So kann der Autor einen Abschnitt noch einmal kurz zusammenfassen, bevor er den nächsten Aspekt anspricht. Wiederholungen sind auch bei der Wortwahl hilfreich. Bei einem Hörtext sollte der Autor besser darauf verzichten, nach hübschen Synonymen zu suchen. Wenn er beispielsweise einmal vom Autor, dann vom Verfasser, danach vom Texter und schließlich vom Schreiberling spricht, sorgt er nicht unbedingt für sprachliche Vielfalt, sondern verwirrt den Hörer eher.

 

Tipp 3: einfache Sätze und kurze Wörter

Eines haben das Lesen und das Hören gemeinsam: Im Vordergrund steht nicht das Verstehen einzelner Wörter, sondern ganzer Sätze. Die Sätze werden in einzelne Bausteine zerlegt und kurz im Arbeitsgedächtnis geparkt, um sie später dann wieder zusammenzusetzen und so den Inhalt im Zusammenhang zu erfassen.

Das Arbeitsgedächtnis bietet jeder nur einer begrenzten Anzahl an Informationseinheiten Platz. Experten beziffern diese Anzahl meist mit sieben. Aus diesem Grund wird geraten, die Sätze eher schlicht und kurz zu wählen. Als optimal gilt eine Satzlänge mit 14 bis 16 Wörtern. Das gilt für Lesetexte und für Hörtexte gleichermaßen.  

Auch was die Wortwahl angeht, sollte der Autor bei Hörtexten vor allem auf einfache und kurze Wörter setzen. So ist beispielsweise Rasen anschaulicher als Grünfläche, Gefängnis ist greifbarer als Justizvollzugsanstalt und Ampel istfür den Hörer einfacher zu verstehen als Lichtsignalanlage.

 

Tipp 4: anschauliche Verben

Verben lassen einen Text lebendig wirken und helfen dem Hörer dabei, eigene Bilder in seinem Kopf zu entwickeln. Im Unterschied dazu wirkt der Nominalstil recht schwerfällig und kompliziert. Der Autor sollte deshalb bevorzugt mit Verben arbeiten. Statt beispielsweise über eine Eröffnung zu sprechen oder von einer Ankündigung zu erzählen, kann der Autor auch sagen, wer was eröffnet oder angekündigt hat.

Ein weiterer Nachteil vom Nominalstil ist, dass der Autor nicht angeben muss, wer die Handlung vornimmt. Dieser Nachteil besteht auch bei Passivkonstruktionen. Sagt der Autor beispielsweise „Es kam zur Beschädigung mehrerer Autos“ oder „Mehrere Autos wurden beschädigt“, erhält der Hörer nur diese Info.

Natürlich kann es unerheblich sein, wer die Autos beschäftigt hat. Der Hörer interessiert sich aber meistens dafür, wer etwas tut. Der Autor sollte diese Info deshalb nicht vorenthalten. Formuliert er „Unbekannte/Jugendliche/Heftige Windböen haben mehrere Autos beschädigt“ liefert er dem Hörer die gewünschte Angabe. Gleichzeitig ist seine Formulierung lebendiger, leichter zu verstehen und präziser. Allerdings gilt das nicht nur für Hörtexte, sondern auch für Lesetexte. 

 

Tipp 5: wenig Fremdwörter und einfache Zahlen

Je häufiger ein Wort im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet wird, desto schneller wird es erkannt und verstanden. Beim Lesen kommt noch dazu, dass sich der Leser das Wortbild einprägt. Ein bekanntes Wort muss der Leser nur sehen und im Bruchteil einer Sekunde erkennt er es wieder. Beim Hören ist das etwas anders. Hier muss dem Hörer der Klang des Wortes vertraut sein, damit er es schnell erfasst. Deshalb sollte der Autor bei Hörtexten mit Fachausdrücken, Anglizismen oder Fremdwörtern vorsichtig sein. Selbst wenn der Text als Lesetext verständlich ist, kann gut sein, dass er als Hörtext so nicht funktioniert.

Auch bei Zahlen sollte der Hörtextautor aufpassen. Er sollte im Hinterkopf behalten, dass der Hörer keine Schaubilder oder Tabellen sieht und Mengen oder Größen nicht immer gleich einordnen kann. Deshalb sollte er Zahlen anschaulich machen. So sollte er aufrunden und beispielsweise 19,3 Prozent durch fast 20 Prozent und 51,7 Prozent durch gut die Hälfte ersetzen. Liefert der Autor Beispiele, hilft er dem Hörer, die Zahl zu erfassen. Unter einem Eimer voll Wasser etwa kann sich der Hörer mehr vorstellen als unter zehn Litern Wasser.

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