Was bedeutet Slow Media?

Was bedeutet Slow Media?

Im digitalen Zeitalter entstehen nicht nur immer mehr Kommunikationswege. Vielmehr wird die Kommunikation auch zunehmend schneller. Live-Streaming, Textbeiträge, Videos, Chats und Kurznachrichten in Echtzeit sind nur ein paar Beispiele für Inhalte, die in stetig höherer Anzahl und Taktung auf Nutzer einprasseln. Dass diese Entwicklung stoppt, scheint unwahrscheinlich.

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Was bedeutet Slow Media

Das Angebot an Informationen nimmt also zu und nähert sich im Tempo immer weiter der normalen, direkten Kommunikation an. Doch ein großer Unterschied ist, dass die digitale Kommunikation über mehrere Kanäle gleichzeitig stattfindet.

In der realen Welt hätte das längst zu einem heillosen Durcheinander geführt, in dem niemand mehr verstehen würde, was der andere sagt. In der virtuellen Welt hingegen wird der Informationsfluss zumindest geduldet.

Für einen Autor wird es dadurch zu einer echten Herausforderung, mit seinen Beiträgen noch bis zum Leser vorzudringen. Denn die Gefahr, irgendwo in der hektischen Medienlandschaft unterzugehen, ist groß.

Andererseits gibt es wie so oft einen Gegentrend. Bei vielen Nutzern wächst der Wunsch nach Tiefgang, bewusstem Medienkonsum und Entschleunigung. Das neudeutsche Stichwort dazu lautet Slow Media.

Was bedeutet Slow Media?

Slow Media ist ein Begriff, der vor ein paar Jahren entstanden ist. In Deutschland wurde das Konzept im Jahr 2010 durch das „Slow Media-Manifest“ erstmals bekannt. Das Manifest geht auf die Idee zurück, dass die Veränderungen in der Medienlandschaft durch die neuen Technologien nachhaltige Wege für einen angemessenen Umgang mit den revolutionierten Medien notwendig machen. Es geht darum, dass die Nutzer lernen, sich mit und in der neuen Medienwelt zurechtzufinden.

Dazu benennt das Manifest die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Konsum von hochwertigen Medien. Vergleichbar mit Bewegungen wie Slow Food oder Slow Travel ist das Ziel dabei keine Langsamkeit im Sinne von Trägheit. Im Fokus steht vielmehr, Medien bewusst und reflektiert zu nutzen. Natürlich sind hochwertige Inhalte die Grundlage dafür.

Was zeichnet Slow Media aus?

Auf Basis der Grundidee hinter Slow Media gibt es im Wesentlichen vier Anforderungen, denen ein Beitrag gerecht werden sollte:

  • Qualität: Slow Media möchte gute, hochwertige, informative oder unterhaltsame Inhalte mit einem echten Mehrwert bereitstellen.

  • Fokus: Beiträge für Slow Media sind keine kurzen, schnellen Info-Häppchen für zwischendurch. Stattdessen sollen sie die volle Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen. Der Leser soll sich bewusst damit auseinandersetzen.

  • Zeitlos: Slow Media möchte nachhaltig sein. Ein Beitrag soll lange überdauern und im besten Fall so gut sein, dass ihn der Leser mehrfach lesen würde.

  • Handwerk: Slow Media-Beiträge werden von echten Menschen geschrieben, die ihr Handwerk verstehen und Leser mit ansprechenden Inhalten zu begeistern wissen.

Funktioniert das Konzept?

Ein entschleunigter und bewussterer Medienkonsum ist nicht nur eine schöne Überlegung. Verschiedene Studien zeigen, dass der Ansatz den Wunsch vieler Leser und generell Verbraucher trifft.

Eine Studie speziell zu Slow Media hat zum Beispiel ergeben, dass es für rund 90 Prozent der Befragten wichtig ist, sich auf die aktuelle Tätigkeit zu konzentrieren. Knapp 70 Prozent finden es angenehm, wenn sie beim Lesen, Anschauen von Filmen oder Surfen im Internet in eine andere Welt eintauchen können. Und für gut 75 Prozent ist die Qualität das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen etwas.

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Übertragen auf Artikel und Textbeiträge, lassen sich die Ergebnisse der Studie so interpretieren, dass sich Leser lieber intensiv mit einem Medium befassen, statt mit mehreren Medien gleichzeitig. Dafür bevorzugen sie dann aber auch qualitativ hochwertige Inhalte gegenüber schnellen Nebenbei-Informationen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie der Plattform Medium. Demnach sind es auch im Internet die durchdachten und sorgfältig erstellten Beiträge, die bei den Lesern eben wegen der inhaltlichen Qualität gut ankommen. Und nicht zuletzt sei erwähnt, dass die Forschung mehrfach bestätigt hat, dass das vielbeschworene Multitasking weder effizient ist noch ernsthaft funktioniert.

Wie kann der Autor Slow Media erstellen?

Die meisten Autoren dürften von Haus aus darum bemüht sein, Texte zu erstellen, die den Leser erreichen, ansprechen und zum Lesen animieren. Schließlich veröffentlicht ein Autor nicht für sich oder zum Spaß, sondern für seine Leser.

Mit Blick auf Slow Media kann es aber nicht schaden, folgende Tipps im Hinterkopf zu haben:

Leser im Mittelpunkt

Wichtig ist, dass der Autor nie vergisst, dass er für seine Leser schreibt. Ein Leser interessiert sich nicht unbedingt für den Autor, irgendein Produkt oder die Botschaft, die der Autor vermitteln will. Vielmehr möchte ein Leser Antworten auf seine Fragen oder Lösungsvorschläge für ein Problem finden. Der Autor sollte also überlegen, was seine Leser wissen wollen, und dieses Wissen bereitstellen.

Mehrwert

Es sollte dem Leser etwas bringen, dass er den Text liest. Der Autor sollte also beantworten können, was der Leser davon hat, wenn er sich mit dem Text auseinandersetzt. Bekommt er einen hilfreichen Ratschlag? Erfährt er eine relevante Information, die er bislang nicht kannte?

Sieht der Leser ein Thema danach aus einem anderen Blickwinkel? Fühlt sich der Leser gut unterhalten? Solche Dinge können den Mehrwert eines Beitrags ausmachen.

Zeitlos

Ein wesentlicher Aspekt von Slow Media ist die Nachhaltigkeit. Ein Beitrag soll nicht nur kurzfristig Interesse wecken, sondern auch nach Wochen, Monaten oder gar Jahren lesenswert sein. Aus diesem Grund sollte der Autor auf zeitliche Bezüge verzichten.

Die Sommerferien, der Weihnachtsurlaub oder ein sportliches Großereignis mögen gute Aufhänger für eine aktuelle Meldung oder einen klassischen Verbrauchertext sein. Doch als Slow Media würden sie schon kurze Zeit später ganz schön alt aussehen und an Relevanz verlieren.

Handwerk

Neben inhaltlicher Qualität muss ein Beitrag auch handwerklich überzeugen. Rechtschreibung und Grammatik, ein angemessener Ton, ein lesefreundlicher Stil und eine übersichtliche Struktur sind absolute Grundlagen.

Außerdem sollte der Autor die Textlänge im Blick haben. Slow Media darf etwas weiter ausholen und alles vermitteln, was für das Thema relevant ist. Doch das heißt nicht, dass der Autor seinen Text unnötig aufblasen sollte.

Wenn die Geschichte nicht mehr hergibt, macht es keinen Sinn, unzählige Zeilen füllen zu wollen. Wichtig ist, dass der Autor sicherstellt, dass er im richtigen Maß kommuniziert, was der Leser wissen muss, um folgen zu können.

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Gerd Traube, studierter Germanist und Buchautor, geboren 1966, sowie Michaela Lange, geboren 1978, Deutschlehrerin und Privatautorin, sowie Ferya Gülcan Redakteurin und Betreiberin dieser Seite, schreiben hier für Sie/euch alles Wissenswerte zum Thema Schreiben. Ob für Schule, Beruf, angehende Schriftsteller oder Redakteure, wir hoffen, dass unsere Übungen und Anleitungen Ihnen weiterhelfen.

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