Was ist eine Reizwortgeschichte? 2. Teil

Was ist eine Reizwortgeschichte? 2. Teil

Hierzulande ist Deutsch vielleicht das wichtigste Schulfach überhaupt. Denn ohne solide Deutschkenntnisse steht die schulische und berufliche Laufbahn auf wackeligen Beinen. Schließlich spielt die deutsche Sprache nicht nur im Deutschunterricht eine Rolle. Stattdessen wird in allen Fächern auf Deutsch unterrichtet. Und auch im Alltag erfolgt die Verständigung auf Deutsch.

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Was ist eine Reizwortgeschichte 2. Teil

Die Schüler lernen zuerst das Lesen und das Schreiben. Sitzen die Grundlagen, folgen die ersten Aufsätze. Allerdings geht es dabei noch nicht um anspruchsvolle Texte wie Erörterungen, Interpretationen oder freie Abhandlungen. Stattdessen üben die Kinder zunächst, kurze Geschichten zu erzählen.

Meistens geht es dabei mit Bildergeschichten los. Denn eine Bildergeschichte gibt die Handlung und deren Ablauf bereits vor. Die Kinder müssen sich also noch nicht mit der Struktur und einer sinnvollen Reihenfolge befassen, sondern können sich darauf konzentrieren, die Geschichte in ihren Worten zu erzählen.

Die nächste Etappe bilden Reizwortgeschichten. Diese Form von Erzählungen schauen wir uns in einem zweiteiligen Beitrag näher an. Dabei haben wir im 1. Teil erklärt, was eine Reizwortgeschichte ist, welchen Aufbau sie hat und was Kinder dabei lernen.

Außerdem haben wir erklärt, warum die Reizwortgeschichte auch für erfahrene Autoren eine gute Übung sein kann.

Hier ist der 2. Teil!:

Welche Anforderungen werden an eine Reizwortgeschichte gestellt?

Bei einer Reizwortgeschichte geht es darum, vorgegebene Wörter in eine stimmige Geschichte zu verpacken. Allerdings ist das Ziel nicht nur, die Kreativität anzuregen. Wie jeder Aufsatz ist auch die Reizwortgeschichte eine Übung, die den Wortschatz, die Grammatik, das Ausdrucksvermögen und generell den Umgang mit der Sprache schulen soll.

Die Anforderungen an eine Reizwortgeschichte sind je nach Klassenstufe verschieden. Während Schüler in der 2. Klasse oft nur kürzere Hauptsätze schreiben können, schaffen es Viertklässler häufig schon, richtige Kurzgeschichten zu verfassen. Der Lehrer erklärt aber im Unterricht, was er mit Blick auf den Umfang und die Inhalte erwartet.

Insgesamt sollte eine Reizwortgeschichte

  • eine passende Überschrift haben.

  • verschiedene Satzanfänge und abwechslungsreiche Wörter enthalten.

  • Hauptsätze mit Fragen und Ausrufesätzen kombinieren.

  • erzählende und wörtliche Rede verwenden.

  • mehrere Zeitformen nutzen.

  • die Handlung in sich stimmig, strukturiert und in einer nachvollziehbaren Reihenfolge erzählen.

Im Prinzip gelten damit die gleichen Anforderungen wie für jede Geschichte. Das Besondere an der Reizwortgeschichte ist nur, dass sie sich zusätzlich um die vorgegebenen Reizwörter herum aufbaut.

Wie können Eltern ihrem Kind beim Schreiben von Reizwortgeschichten Hilfestellung bieten?

Je höher die Klassenstufe ist, desto höher sind auch die Anforderungen, die der Deutschlehrer an eine gelungene Reizwortgeschichte stellt. Doch selbst einem erfahrenen Autor fällt es nicht immer ganz leicht, alle Vorgaben zu erfüllen.

Viele Kinder haben Schwierigkeiten damit, Reizwortgeschichten zu schreiben. Allerdings liegt das weniger daran, dass Kinder nicht kreativ genug sind. Fantasie haben die meisten Kinder zur Genüge. Die große Herausforderung ist eher, der Handlung eine sinnvolle Struktur zu geben. Oft wird außerdem bemängelt, dass der Text sprachlich zu einfach und insgesamt zu langweilig ist.

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Ein weiteres Problem kann entstehen, wenn das Kind eines oder mehrere der Reizwörter nicht kennt. Wenn es nicht weiß, was die Wörter beschreiben oder bedeuten, kann es die Reizwörter auch nicht richtig in die Geschichte einbauen.

Doch bei allen diesen Stolpersteinen können die Eltern ihrem Kind helfen. Ein Ansatz dabei ist, dass das Kind nicht direkt drauflos schreibt. Stattdessen sollte es sich zuerst überlegen, wie die Geschichte ungefähr lauten soll. Dabei kann es dann auch festlegen, wo die Reizwörter ins Spiel kommen.

Auf dieser Basis kann es die Geschichte in kurzen Stichworten zusammenfassen. So entsteht ein Grundgerüst, an dem sich das Kind orientieren kann, wenn es die Geschichte dann ausformuliert.

Um den Wortschatz auszubauen, sind Gespräche ein gutes Instrument. Dabei können die Eltern ruhig immer mal wieder schwierige Wörter verwenden, die sie dem Kind bei Bedarf erklären. Auch Lesen und Vorlesen erweitert den Wortschatz.

Neben allgemeinen Vokabeln sollten die Eltern mit dem Kind Ausdrücke üben, die speziell beim Schreiben von Aufsätzen und Geschichten nützlich sind. Dabei geht es in erster Linie um Wörter, die für abwechslungsreiche Satzanfänge sorgen und helfen, den Text zu strukturieren. Anschließend, danach, bevor, plötzlich, später oder am Ende sind Beispiele dafür.

Bereitet vor allem die Grammatik Schwierigkeiten, bieten sich gezielte Übungen zu Wort- und Satzarten, Zeitformen und ähnlichen Themen an. Arbeitsblätter zum Download, Lernbücher und auch Lernspiele sind dabei bewährte Hilfsmittel.

Grundsätzlich hilft vielen Kindern außerdem, wenn sie im Vorfeld verschiedene Bildergeschichten schreiben. Denn bei Bildergeschichten ist der Rahmen enger gesteckt. Weil die Reihenfolge der Handlung bereits vorgegeben ist, findet sich ein Kind oft besser zurecht.

Dadurch kann es üben, die Geschichte als solches zu erzählen. Wenn das gut klappt, fällt der nächste Schritt hin zu Reizwortgeschichten leichter.

Checkliste zur Reizwortgeschichte

Zum Abschluss fassen wir die fünf wichtigsten Kriterien für eine gelungene Reizwortgeschichte noch einmal kurz zusammen:

  1. In der Geschichte müssen alle vorgegebenen Reizwörter vorkommen. Es ist zwar nicht notwendig, alle Wörter mehrfach zu verwenden. Aber zumindest einmal muss jedes Reizwort vertreten sein. Deshalb kann es helfen, die bereits eingebauten Wörter abzuhaken oder durchzustreichen. Das erleichtert den Überblick und verhindert, doch ein Wort zu vergessen.

  2. Die Reizwortgeschichte sollte sich in eine Einleitung, den Hauptteil mit Höhepunkt und den Schlussteil gliedern. Eine vorab erstellte Liste mit Stichpunkten bietet sich als Grundgerüst an.

  3. Eine Reizwortgeschichte wird grundsätzlich im Präteritum verfasst.

  4. Verschiedene Satzarten, viele Adjektive und etwas wörtliche Rede machen die Geschichte lebendig.

 5.      Jede Reizwortgeschichte braucht eine aussagekräftige Überschrift. Sie kann zuerst oder ganz zum Schluss, wenn die Geschichte schon fertig ist, formuliert werden.

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Gerd Traube, studierter Germanist und Buchautor, geboren 1966, sowie Michaela Lange, geboren 1978, Deutschlehrerin und Privatautorin, sowie Ferya Gülcan Redakteurin und Betreiberin dieser Seite, schreiben hier für Sie/euch alles Wissenswerte zum Thema Schreiben. Ob für Schule, Beruf, angehende Schriftsteller oder Redakteure, wir hoffen, dass unsere Übungen und Anleitungen Ihnen weiterhelfen.

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